Sa, 20. Oktober 2018

"Kundenabzocker"

14.03.2012 17:13

Ex-Mitarbeiter rechnet mit Goldman Sachs ab

Es ist derzeit das Gesprächsthema an der Wall Street: "Warum ich Goldman Sachs verlasse", rechnet der scheidende Mitarbeiter Greg Smith in einem Kommentar mit der berühmt-berüchtigten Investmentbank ab. Seit der Veröffentlichung in der Tageszeitung "The New York Times" ergießen sich im Internet Spott und Hohn über das Geldhaus - aber auch über Smith.

"Ganz ehrlich gesagt, das Umfeld ist heutzutage so vergiftet und zerstörerisch, wie ich es noch nie gesehen habe", schreibt Smith, der nach annähernd zwölf Jahren bei der Investmentbank am Mittwoch seinen letzten Tag hatte. Ging es früher nicht nur darum, Geld zu machen, würden den Kunden heute dagegen tagtäglich Produkte angedreht, die sie gar nicht brauchten oder die die Bank einfach loswerden wolle, so der Firmenveteran.

Bankkunden als Deppen bezeichnet
"In den vergangenen zwölf Monaten habe ich fünf verschiedene leitende Angestellte gesehen, die ihre eigenen Kunden als Deppen bezeichnet haben." Seine Schlussfolgerung: Mit der Moral bei Goldman Sachs gehe es bergab. "Um das Problem auf den Punkt zu bringen: Die Interessen der Kunden sind zweitrangig, so wie die Firma arbeitet und beim Geldverdienen tickt", lautet Smiths ernüchterndes Fazit.

Finanzjournalisten bewerten den Kommentar als Desaster für Goldman Sachs. "Jeder an der Wall Street hat das gelesen", sagte Erik Schatzker, Moderator beim Wirtschaftssender Bloomberg TV. "Der Schaden für die Firma könnte ziemlich ernst sein", gab auch der BBC-Wirtschaftsexperte Robert Preston zu bedenken.

Satire: Smith verlässt als Darth Vader das Imperium
Auch in Internetforen, Blogs und auf Twitter wurden Smiths Auslassungen ausgiebig kommentiert. Die britische Website "The Daily Mash" veröffentlichte bereits eine Satire: "Warum ich das Imperium verlasse - Von Darth Vader". Und Twitter-User fragten sich, ob Smith nun einen Teil der "kolossalen Summen", die er in seinen zwölf Jahren bei Goldman Sachs verdiente, für wohltätige Zwecke spenden werde.

Bank um Schadensbegrenzung bemüht
Die Investmentbank bemühte sich indessen um Schadensbegrenzung: "Wir widersprechen den geäußerten Ansichten, sie spiegeln nicht die Art und Weise wider, wie wir unser Geschäft betreiben", erklärte eine Sprecherin. "Nach unserer Meinung sind wir nur dann erfolgreich, wenn auch unsere Kunden erfolgreich sind."

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