08.02.2012 12:03 |

Zwei Kältetote

'Hitzepol' mit minus 6,5 Grad - aber Frostende in Sicht

Die Rudolfshütte in den Hohen Tauern war in der Nacht auf Mittwoch Österreichs "Hitzepol". Dabei ist das Wort Hitze in Tagen wie diesen relativ zu sehen, hatte es dort doch laut der Kältestatistik der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik "lauschige" minus 6,5 Grad. Das bedeutete, dass es auf 2.315 Meter wärmer war als in der Wiener Innenstadt oder in Villach. Tragisch: Die Temperaturen forderten zwei weitere Kälte-Tote.

Ein 70-jähriger Steirer wurde am Dienstag in Flamberg (Bezirk Leibnitz) tot vor seinem Haus aufgefunden. Der Mann war am Montagnachmittag vermutlich einkaufen gewesen und in den Abendstunden zurück zu seinem Wohnhaus gekommen. Der allein lebende Mann dürfte gestürzt und in der Kälte liegen geblieben sein, so die Sicherheitsdirektion Steiermark am Mittwoch. Bei nächtlichen Temperaturen von minus zwölf Grad sowie Schneefall dürfte der Pensionist erfroren sein.

Erst am Dienstag gegen 16.30 Uhr entdeckte ein Gemeindebediensteter, der gerade mit dem Räumfahrzeug den Schnee von der Zufahrt des Wohnhauses des 70-Jährigen zur Seite schieben wollte, den reglosen und mit Schnee bedeckten Körper der Mannes. Der alarmierte Notarzt konnte nur noch den Tod feststellen. Eine Autopsie soll endgültig Klarheit bringen.

Baggerfahrer kommt in Teich ums Leben
In Niederösterreich kam ein Baggerfahrer in Schönkirchen-Reyersdorf im Bezirk Gänserndorf ums Leben. Der Mann war wohl schon am Dienstagabend mitsamt dem Schwerfahrzeug in einen Schotterteich gestürzt. Am Mittwoch konnte nur mehr die Leiche des Mannes, der drei Kinder und eine Frau hinterlässt, geborgen werden. Er hatte sich nicht mehr befreien können und war im Schock einem Herzstillstand erlegen. Mit den beiden neuen Todesfällen erhöht sich die traurige Bilanz an Kälteopfern in Österreich auf insgesamt sechs (siehe Infobox).

Zeltweg mit minus 23,7 Grad als Kältepol
Das Rennen um den kältesten Ort Österreichs gewann am Mittwoch die Ortschaft Zeltweg in der Steiermark mit minus 23,7 Grad. Das war immerhin um mehr als fünf Grad wärmer als der Kältepol Tannheim in Tirol vom Montag. Insgesamt 26 Orte brachten es auf minus 20 Grad und kälter. Auch hier zeigte sich eine gewisse Tendenz nach oben: Am Montag waren es noch 67 Orte gewesen. Platz 100 der kältesten Orte Österreich belegte diesmal Bad Gastein mit minus 16,5 Grad.

Auf 2.000 Metern Höhe erwartet die ZAMG bereits am Donnerstag wieder Temperaturen von maximal minus 12 bis minus 14 Grad. Ab Mittag zieht ein Höhentief von Norden nach Süden. Leichter Schneefall setzt ein, der auch die Nacht auf Freitag hindurch anhält. Großen Zuwachs bei der weißen Pracht sollte es aber nicht geben. In den Niederungen sollten die Temperaturen tagsüber bis zu minus vier, minus fünf Grad erreichen.

Der Freitag und das Wochenende sehen nach dem Störungsdurchzug recht freundlich aus, es bleibt aber bitterkalt. Nur der Süden steht unter Einfluss eines Italientiefs, hier könnten einige wenige Zentimeter Neuschnee dazu kommen.

Meteorologen prognostizieren Plusgrade in Wien
Ab Wochenbeginn sollte in den Niederungen des Osten eine leichte Frostabschwächung zu spüren sein. Im Wiener Bereich dürften die Temperaturen am Montag von minus fünf bis sechs Grad in der Früh auf minus ein Grad ansteigen. Ab Dienstag soll es bewölkt sein. Die Temperaturen könnten von minus vier bis minus zwei Grad in der Früh auf plus ein bis drei Grad zu Mittag ansteigen. Skiurlauber in Westösterreich sollten sich auf noch mehr Schnee einstellen. In den Nordstaulagen dürfte es immer wieder Niederschläge geben. In Summe könnten bis zu 50 Zentimeter Neuschnee zusammenkommen.

Störungen im Zugbetrieb wegen blockierter Weichen
Auf der Südbahnstrecke der ÖBB in der Steiermark zwischen Bruck an der Mur und Spielfeld/Straß waren von Mittwoch früh bis in die Mittagsstunden zahlreiche Weichen infolge von Pulverschnee und Kälte blockiert, wie die Bundesbahnen mitteilten. Dies führte zu "punktuellen Zugausfällen und Verspätungen zwischen den Knoten Bruck, Graz und Spielfeld/Straß", so ein ÖBB-Sprecher. Die Weichen seien zwar beheizt, aber die große Kälte und der durch die Zugbewegungen aufgewirbelte und überall eindringende feine Schnee habe ein "Verriegeln der Weichen" verhindert, hieß es.

"Seit den frühen Morgenstunden ist eine Hundertschaft an ÖBB-Mitarbeitern unterwegs und arbeitet intensiv an der Behebung der Störungen", so ÖBB-Sprecher Christoph Posch. Der Schnee müsse händisch mit Werkzeugen entfernt werden. Die Lage entspanne sich aber langsam, wozu auch die steigenden Temperaturen beitragen dürften - in der ganzen Steiermark schien am Mittwochvormittag die Sonne. Bis Mittag waren alle Störungen behoben.

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