04.01.2012 11:01 |

Alle machen mit

D: Welle des Spotts schwappt über Präsident Wulff

Noch am Mittwochmorgen ließ der deutsche Bundespräsident Christian Wulff durchsickern, dass er nicht daran denke, wegen seiner Kreditaffäre zurückzutreten. Doch die Deutschen haben sich ihre Meinung längst gebildet. Sie verspotten ihr Staatsoberhaupt, wo es nur geht, Zeitungen machen ebenso mit wie öffentlich-rechtliche Radiosender und Facebook-User. Sogar Ex-Tennisstar Boris Becker beteiligt sich per Twitter an dem Treiben.

Ursache der Spott-Tiraden gegen Wulff ist die Kreditaffäre des Bundespräsidenten - samt ihrer Auswüchse. Zuletzt war bekannt geworden, dass Wulff bereits im Dezember die Chefredakteure verschiedener Zeitungen angerufen hatte. Er wollte die Veröffentlichung von Berichten verhindern, in denen geschildert wird, wie Wulff ungewöhnlich günstige Darlehen in Anspruch nahm (siehe Infobox). Unter anderem meldete sich Wulff in der Angelegenheit bei "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann und drohte ihm auf der Mailbox angeblich mit "Krieg", sollte ein entsprechender Artikel veröffentlich werden.

Ex-Tennisstar Becker, der nicht gerade als übermäßig politischer Mensch bekannt ist, sah sich daraufhin ermutigt, die Aktion von Wulff auf seinem Twitter-Account zu kommentieren: "Vielleicht zu lange in hannover gelebt ...MAN legt sich niemals mit BILD an ,oder MAN gewinnt WIMBLEDON !", schreibt der Medienprofi - ohne Rücksicht auf die Orthographie. Bereits davor hatte er gepostet: "Was macht denn BP wulff ??? Er ruft bei CR dieckmann an und beschwert sich ....hat wulff keine krisenberater um sich ?"

Auch ein anderer Sportstar äußert sich spöttisch zu dem Wulff-Desaster. Via Facebook ließ der ghanaische Schalke-Star Hans Sarpei verlauten: "Um allen Fragen vorzubeugen: Nein, ich stehe für das Amt des Bundespräsidenten nicht zur Verfügung."

"Stern" fälscht Facebook-Seite des Präsidenten
Die Online-Ausgabe der Illustrierten "Stern" machte sich kurz zuvor gar einen Jux daraus, die Facebook-Seite des Bundespräsidenten nachzubauen. In der Satire gibt Wulff unter anderem zu, seine Weihnachtsansprache bei Karl-Theodor zu Guttenberg abgekupfert zu haben, und amüsiert sich über Journalisten, die seinen Rücktritt erwarten. Kommentiert werden die Fake-Einträge von den (ebenso gefälschten) vermögenden Freunden Wulffs, die im Umfeld der Kreditaffäre auftauchten.

Auch der öffentlich-rechtliche WDR übt sich in Satire. Die Radiomacher heuerten einen Imitator an, der Wulffs Anrufe bei der "Bild" nachspielte und dabei den Präsidenten kräftig durch den Kakao zog. Das Stück avanciert im Internet derzeit zum absoluten Kult.

"Wulffen" wird zum Verb
Selbst ganz normale Internet-User setzen in diesen Zeiten Trends. Aus unbekannter Quelle stammt das neu erfundene Verb "wulffen". Es steht nach Angaben des Erfinders für: "Jemandem wütende Nachrichten auf der Mailbox hinterlassen." Andere titeln bekannte Filme "wulff-gerecht" um, beispielsweise "Der sich den Wulff tanzt", "Demission Impossible" und "Wulff Street 2 - Geld schläft nicht".

Nicht nur aus dem Spott wird ersichtlich, das Wulff seinen Kredit bei den Bundesbürgern längst verspielt hat. Auch in Online-Umfragen verschiedener Zeitungen und Zeitschriften lässt sich der fehlende Rückhalt mehr als deutlich ablesen. 80 bis 90 Prozent der Teilnehmer verlangen hier Wulffs Rücktritt. Und meines es offenbar bitterernst.

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