Ist Ukraine undankbar?

Briten-Verteidigungsminister: „Sind nicht Amazon!“

Ausland
12.07.2023 18:44

Kiew fordert Waffen, der Westen liefert sie in den meisten Fällen. Dieses System hat sich in den vergangenen Kriegsmonaten bewährt. Was zwischen Forderung und Lieferung passiert, geht dabei häufig unter. Der britische Verteidigungsminister würde sich etwas mehr „Dankbarkeit“ wünschen.

Seit mehr als 504 Tagen verteidigt die Ukraine unter größtmöglichem Einsatz seine Landesgrenzen gegen russische Invasoren. Unterstützt werden sie dabei von Militärallianzen wie der NATO. Die Mitgliedsstaaten - allen voran die USA - investieren Milliarden, um der Ukraine auf dem Schlachtfeld Vorteile zu verschaffen.

Geliefert werden Waffen, Munition, technisches Wissen oder Geheimdienstinformationen - und vieles darüber hinaus. Doch es gibt Schmerzgrenzen, die im Verlauf dieses Krieges immer wieder verschoben wurden. Nicht zuletzt aufgrund der Vehemenz des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenksyj. Der Regierungschef ist ein Meister darin, öffentlichen Druck aufzubauen, um mehr für sein Land herauszuschlagen.

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Ob es uns gefällt oder nicht, die Menschen wollen ein bisschen Dankbarkeit sehen.

(Bild: AFP)

Ben Wallace

Zuletzt warf er den NATO-Staaten Schwäche vor, weil die Ukraine von der Allianz keine offizielle Beitrittseinladung erhielt und auch kein fester Zeitplan in Vilnius festgelegt wurde. Zu viel für den britischen Verteidigungsminister Ben Wallace. Er schlug vor, dass die Ukraine mehr Wert darauflegen sollte, sich für die westliche Hilfe zu bedanken.

Wallace kritisiert Ton der Ukraine
Von Journalisten darauf angesprochen, tobte Wallace: „Ob es uns gefällt oder nicht, die Menschen wollen ein bisschen Dankbarkeit sehen.“ Seiner Ansicht nach müsse sich die Ukraine darüber klar werden, was sie den verbündeten Nationen abverlangt: „Manchmal bittet man Länder, ihre eigenen Waffenbestände aufzugeben.“

Wallace verriet, dass er im vergangenen Jahr in die Ukraine gereist sei und dort eine Einkaufsliste mit Waffen erhalten habe. „Wissen Sie, wir sind nicht Amazon“, sagte er. „Das habe ich ihnen letztes Jahr gesagt, als ich elf Stunden gefahren bin, um eine Liste zu bekommen“, berichtete er unter anderen dem britischen „Guardian“.

Im selben Atemzug bremste sich Wallace aber selbst. Er könne Selenskyjs Forschheit verstehen und es sei auch klar, dass der ukrainische Präsident zu „seinem eigenen Publikum spricht“. Zudem relativierte der britische Verteidigungsminister die NATO-Kritik aus Kiew. Es wurde akzeptiert, dass „die Ukraine in die Nato gehört“, und das würde einer effektiven Einladung zur Mitgliedschaft ähneln, sobald der Konflikt abgeklungen ist.

Selenskyj hat kein Verständnis für Wallace
Selenskyj sagte, er habe die Bemerkungen von Wallace „nicht verstanden“. Der ukrainische Präsident erklärte vor Journalisten in Vilnius, dass seine Regierung gegenüber Großbritannien immer dankbar gewesen sei. „Wie sollte ich sonst meine Dankbarkeit ausdrücken? Oder wir könnten, Sie wissen schon, morgens aufstehen und unsere Dankesworte persönlich an den Minister richten. Ich verstehe wirklich nicht, worum es in der Frage geht. Wir sind dem Vereinigten Königreich dankbar.“

In Sachen NATO schlug Selenskyj am Mittwoch bedeutend mildere Töne an. Der ukrainische Präsident bezeichnete das Ergebnis des NATO-Gipfels als Erfolg für sein Land. „Es eröffnet uns gänzlich neue Möglichkeiten im Sicherheitsbereich und ich danke allen, die das möglich gemacht haben“, erklärte Selenskyj bei einem Treffen mit den Staats- und Regierungschefs der G7, die sich zuvor dazu verpflichteten, die Ukraine unter Schutz zu stellen.

Die Sicherheitsgarantien würden den Weg in das Verteidigungsbündnis erleichtern. „Die ukrainische Delegation bringt einen wichtigen Sieg der Sicherheit für die Ukraine nach Hause, für unser Land, für unsere Menschen, für unsere Kinder.“ Der ukrainische Präsident hielt auf Twitter fest: „Wir verstehen, dass die Ukraine während des Kriegs nicht Mitglied der NATO werden kann.“

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