19.10.2011 10:30 |

Renn-Comeback

Matthias Lanzinger startet 2014 bei den Paralympics

Matthias Lanzinger kehrt als Rennläufer auf die Skipiste zurück. Dreieinhalb Jahre nach dem fürchterlichen Sturz im Weltcup-Super-G von Kvitfjell, in dessen Folge dem Salzburger der linke Unterschenkel amputiert werden musste, hat "Lanzi" am Mittwochvormittag in Wien bekannt gegeben, dass er ein Comeback wagen wird.

In Anwesenheit von ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel erklärte der 31-Jährige aus Abtenau im Wiener Uniqa-Turm, dass er 2014 bei den Winter-Paralympics in Sotschi an den Start gehen wird. Bereits in dieser Saison beginnt Lanzinger mit dem Behindertensport. Nach ersten Hallenrennen Mitte November in Landgraaf in den Niederlanden stehen Anfang Dezember in Österreich die ersten Europacups auf dem Programm.

Lanzinger hatte nach absolvierter Rehabilitation im Herbst 2008 ein Wirtschaftsstudium begonnen und parallel dazu auch als Marketing-Mitarbeiter einer Skifirma sowie im Medienbereich gearbeitet. Er war zuletzt als ORF-Experte tätig und schreibt exklusive Kolumnen für die "Krone".

"Zweites Jawort" von Ehefrau Eva
Nun habe er sich nach reiflicher Überlegung zum Wiedereinstieg in den Rennsport entschlossen, berichtete der Salzburger. "Nachdem ich meine berufliche Karriere absichern konnte, habe ich wieder auf mein Herz gehört. Es war mein Herzenswunsch, wieder als Rennfahrer an den Start zu gehen", betonte Lanzinger. Auch Ehefrau Eva ist mit den neuen Plänen einverstanden und steht voll hinter ihrem Mann. Lanzinger weiß das zu würdigen und sagt: "Ich bin irrsinnig dankbar für ihr zweites Jawort nach jenem bei unserer Hochzeit."

Zu Jahresbeginn habe er den Entschluss gefasst zu probieren, ob er wieder Leistungssport betreiben könne. Das Konditionstraining und zuletzt auch die ersten Materialtests am Gletscher hätten gut funktioniert. Nun stehe er vor einem Comeback, das aber kein leichtes werde, bekräftigte Lanzinger.

"Ich habe mir für den Schritt viel Zeit genommen. Es wird sehr, sehr schwer, ich fange bei null an. Der Behindertensport ist längst zu einem Leistungssport geworden. Ich werde hart arbeiten müssen, damit ich meinen Rückstand aufholen kann", sagte der Salzburger. Auch ÖSV-Behindertensportreferent Michael Knaus pflichtete Lanzinger bei: "Das wird eine Riesenherausforderung für ihn."

"Die ersten Fahrten waren sehr aufregend"
Die vergangenen Monate standen abseits der sieben bis acht Trainingseinheiten pro Woche ganz im Zeichen der Materialabstimmung. Lanzinger verglich die Einstellung seiner Unterschenkelprothese samt Skischuh mit dem Reifen eines Formel-1-Boliden. "Ich muss meinen alten Schwung wiederfinden, die ersten Fahrten waren jedenfalls sehr aufregend", erzählte Lanzinger.

Der erste Renneinsatz in den Niederlanden kommt früher als ursprünglich geplant, da sich Lanzinger erst einen Startplatz für die ersten Europacup-Rennen Anfang Dezember in Österreich sichern muss. Erst danach kann er in die in dieser Saison beginnende Paralympics-Qualifikation einsteigen. "Meine Vision, bei einer WM oder Olympia eine Medaille zu holen, ist am 2. März 2008 unterbrochen worden. Nun ist mein großes Ziel die Teilnahme an den Paralympischen Spielen in Sotschi", bekräftigte Lanzinger.

Schröcksnadel: "Das sollte allen ein Vorbild sein"
ÖSV-Präsident Schröcksnadel gratulierte Lanzinger zu seiner Entscheidung. "Das freut uns sehr. Lanzinger hat gezeigt, wie man mit einem großen Rückschlag umgehen kann und zurück ins Leben findet. Das sollte uns allen ein Vorbild sein", erklärte Schröcksnadel.

Fataler Sturz in Kvitfjell
Bei seinem Sturz in Kvitfjell am 2. März 2008 hatte sich Lanzinger einen offenen Unterschenkelbruch und Gefäßverletzungen zugezogen. Sowohl beim Abtransport des Verletzten, als auch bei der anschließenden Operation in einem Krankenhaus in Oslo kam es zu Komplikationen. Die Ärzte konnten das Bein nicht mehr retten, zwei Tage später, am 4. März, musste es amputiert werden.

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