Mo, 20. August 2018

Einstimmiges Urteil

22.08.2011 21:54

Nach Blutbad in Wien: Lebenslang für Todesschützen

Der 71-jährige Samad A., der am 22. Juli 2010 in einem Büro in der Wiener Innenstadt drei Männer niederschoss, ist am Montagabend zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Der Schuldspruch wegen Mordes und zweifachen Mordversuchs - eines der Opfer war auf der Stelle tot, ein Mann wurde lebensgefährlich verletzt, der Dritte erlitt einen Schulterdurchschuss sowie einen Streifschuss am Kiefer - fiel einstimmig aus. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Bei der Strafbemessung war das getrübte Vorleben des gebürtigen Persers erschwerend. Der Mann war 1986 wegen Drogenhandels in großem Stil in Wien zu 14 Jahren verurteilt worden, wovon er zehn Jahre absaß. Er konnte nach seiner Entlassung nicht in seine Heimat abgeschoben werden - Suchtgifthändlern droht im Iran die Todesstrafe. Im Anschluss fasste er erneut fünfeinhalb Jahre aus, weil er in versicherungsbetrügerischer Absicht sein Haus in Niederösterreich anzünden hatte lassen. Aus dieser Haftstrafe war Samad A. im Jänner 2010 vorzeitig bedingt entlassen worden.

"Unabsichtlich geschossen"
Der Perser hatte sich dann mit dem Geschäftsmann Asghar A. (68), der ihm Geld geschuldet haben soll, in den Büroräumlichkeiten eines gemeinsamen Bekannten in der Weihburggasse getroffen. Zu der Besprechung nahm er einen emigrierten persischen Volkswirtschafts-Professor mit, den er als seine Vertrauensperson betrachtete.

Weshalb er während des Meetings eine Pistole der Marke Tokarev, Kaliber 7,62 Millimeter, zückte und das Magazin leer schoss, blieb während der Verhandlung im Dunkeln: Der Angeklagte hatte beim Prozessauftakt im vergangenen Juni Erinnerungslücken geltend gemacht und behauptet, der erste Schuss habe sich unabsichtlich gelöst. "Maschinengewehrartig" wären gegen seinen Willen danach die weiteren losgebrochen.

Zum möglichen Motiv bemerkte Asghar A. am Montag in seiner Zeugeneinvernahme, er habe keine Erklärung. Das Treffen - der Darstellung des 68-Jährigen zufolge stand er nicht beim Angeklagten selbst, sondern bei dessen Bruder mit 25.000 Euro in der Kreide - sei zunächst "sehr friedlich verlaufen". "Es wurde nicht geschrien, es wurde nicht geschimpft. Samad war sehr ruhig. Ich glaube, dass es im Voraus geplant war", sagte der Zeuge.

Eifersucht als mögliches Motiv
Möglicherweise habe sich der Mann bei ihm rächen wollen, weil es einst ungerechtfertigte Gerüchte gab, er habe mit dessen Ehefrau eine Liaison unterhalten, deutete Ashgar A. an: "Tief im Inneren war vielleicht noch die Überzeugung, dass ich etwas mit seiner Frau hatte."

Der Schütze hatte zunächst auf den 75-jährigen Uni-Professor gefeuert, der in Wien als Mediator tätig war. Er schoss ihm in die Brust, ging um den Tisch herum, um sich - laut Anklageschrift - "eine bessere Schussposition zu verschaffen" und gab weitere Schüsse in Gesicht und Hals ab. Der 75-Jährige war auf der Stelle tot. Im Anschluss wandte sich Samad A. den beiden anderen, ebenfalls aus dem Iran stammenden Männern zu, wobei er den 58-jährigen Büro-Besitzer, der von drei Projektilen in Rücken, Brust und Schulter getroffen wurde, lebensgefährlich verletzte. Am Ende zielte er auf seinen Schuldner, dem er laut Anklage einen Kopfschuss verpassen wollte.

"Hab' ein Brennen im Gesicht verspürt"
"Als er auf mich gezielt hat, bin ich aufgestanden. Ich war im Schock. Ich hab' ein Brennen im Gesicht verspürt. Ich bin weggelaufen. An der Wand hab ich ein Brennen im Rücken gespürt. Dann war zu meinem Glück keine Patrone mehr da", schilderte Ashgar A.

Samad A. legte gegen die lebenslange Freiheitsstrafe umgehend Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung ein. Das Urteil ist damit nicht rechtskräftig.

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