In der Stadt Gdynia an der polnischen Ostseeküste fand eine Weltmeisterschaft statt, von der kaum einer wusste, dass es sie überhaupt gibt: die ICF Stand-Up-Paddling-WM. Im September fand das Event statt und in zwei Disziplinen der +50 Frauen konnte die Grazerin Petra Pyffrader Gold für Österreich holen. Sie gibt Einblicke, wie sie den Sport auf diesem Niveau in den Alltag integriert und erklärt, dass im Winter nur eine kurze Pause ansteht, denn auch in der kalten Jahreszeit muss gepaddelt werden.
Was hat es mit dieser Sportart auf sich? Stand Up Paddling stammt ursprünglich aus Hawaii und hat über die Jahre weltweit an große Popularität dazugewonnen. Bei der Sportart handelt es sich um eine Art Wellenreiten, bei der Sportler auf dem Board stehen und sich nicht wie beim üblichen Surfen durch die Welle Antrieb verschaffen, sondern mit einem langen Paddel. Daher kommt auch der Name Stand Up Paddling (kurz: SUP), was im Deutschen so viel heißt wie `im Stehen paddeln‘. Ein besonderer Vorteil ist, dass diesen Sport von Urlauber bis Leistungssportler sowie von jung bis alt jeder ausüben kann, wie man bei der Weltmeisterschaft in Polen sehen konnte.
Gold nach nur sechs Jahren Training
Die erste Stand Up Paddling-Weltmeisterschaft fand erst 2012 in Peru statt, bei welcher die Österreicherin Karina Figl sich Bronze holte. Doch diesen Sommer gewannen Österreichs Damen in dieser Sportart erstmals Gold. Daher Pyffraders Worte umso überraschender: „Ich stand 2016 das erste Mal auf einem SUP Board“. Sechs Jahre später glitt sie in einer Top-Zeit über das offene Meer der Ostsee und belohnte sich mit dem obersten Treppchen. Nachdem es letztes Jahr in Ungarn am Plattensee stattfand, ging es dieses Jahr, wie auch 2012 in Peru, wieder auf das Meer hinaus. Diese Bedingung ist besonders herausfordernd, denn ein offenes Meer kann Österreich nicht bieten. Aus diesem Grund kann sich Pyffrader „nur“ zwischen einer großen Auswahl an Seen und Flüssen entscheiden, eine klare Nummer eins hat sie jedoch: „Mein Lieblingsspot ist der Weissensee.“
Die 52-Jährige aus Graz ist somit die erste Österreicherin, die sich beim SUP als Weltmeisterin betiteln darf und das gleich zweimal. In der Disziplin Sprint (180 Meter) und „technical race“ (Rennen mit K.O. System) konnte Pyffrader gegen ihre Kontrahentinnen durchsetzen. Mit einer Zeit von 1:04.48 Minuten beim Sprint lag sie 01.23 Sekunden vor der zweitplatzierten Emmanuelle Marcon aus Frankreich. Das technische Rennen gewann sie mit einer Zeit von 7:09.77 Sekunden in einem spannenden Kopf an Kopf Paddeln ganz knapp mit nur zwei Millisekunden gegen die israelische Diva Hatami.
Sport auf Spitzenniveau im normalen Alltag
Die Goldträgerin ist zweifache Mama und auch ihre 16-jährige Tochter ist schon wettkampfbegeistert im gemeinsamen Sport. Studiert hat Pyffrader Architektur und ist in ihrem „kleinen Büro selbstständig als Architektin, denn damit finanziere ich mir mein Hobby“, betont die Mutter zweier Kinder. „Beim SUP gibt es kaum Sponsoren“ lachte sie, als das Thema Sieger-Prämie zur Sprache kam. Daher heißt es, das „Hobby“ aus privater Kasse zu finanzieren. Das klingt nach viel Arbeit und wenig Fokus auf den Sport und so ist es auch. „60 Prozent Arbeit und 40 Prozent Sport, zudem ist viel Organisation und Konsequenz gefragt“, bestärkt die Architektin diesen Zustand.
„Wir paddeln auch im Winter“
Ihr Vorteil ist, dass sie selbstständig arbeitet und so im Sommer auch mal vor 16 Uhr oder in der Mittagspause auf das kühle Nass zum Trainieren kommt. „Im Sommer trainiere ich nämlich jeden Tag“ fügt die Weltmeisterin hinzu. Mit dem SUP Alps Trophy Finale in Millstatt vergangenes Wochenende beendet sie ihre Saison und startet in die wohlverdiente Trainingspause. „Wir paddeln auch im Winter“ erklärt Pyffrader, dass die Auszeit nicht allzu lange anhält. Hauptsächlich stehen zu dieser Jahreszeit Kondition und Kraft an, denn viele Seen sind zugefroren.
Selina Schwarzbach
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