Aus dem Gericht

Sexueller Missbrauch: Täter macht sich zum Opfer

Vorarlberg
17.09.2022 07:30
Porträt von Chantal Dorn
Von Chantal Dorn

Am Landesgericht Feldkirch ist ein Afghane zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Der Mann hatte vor vier Jahren in Dornbirn an einer von Geburt an geistig Beeinträchtigten den Geschlechtsverkehr vollzogen.

„Jetzt weiß ich, wie die Menschen in Österreich sind. Sie stellen einem eine Falle, damit man dann ins Gefängnis wandert“, übersetzt der Dolmetscher den Angeklagten. Der sieht sich nämlich in der ganzen Sache als Opfer. Er sei lediglich der Bitte der damals 47-jährigen Frau nachgekommen. Habe ihr quasi den Wunsch nach Sex erfüllt, führt er als Gegenargument zum Vorwurf des sexuellen Missbrauchs einer wehrlosen, beziehungsweise psychisch beeinträchtigen Person ins Treffen.

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Jetzt weiß ich, wie die Menschen in Österreich sind. Sie stellen einem eine Falle, damit man dann ins Gefängnis wandert.

Der Angeklagte vor Gericht

Sex auf offener Straße
Zum Vorfall. Nach einem Lokalbesuch mit einem Landsmann, Anfang Juni 2018 in der Dornbirner Innenstadt, treffen die beiden Männer auf das spätere Opfer. Es kommt zum Sex. Freiwillig, behauptet der Beschuldigte. Allerdings auf offener Straße beim Dornbirner Bahnhof. Dass sein Kumpel gar nicht dabei gewesen sei, sagt er ebenfalls. Etwas anderes sagt die Gepeinigte in der kontradiktorischen Einvernahme aus. Nämlich, dass ihr an jenem Abend beide Männer Geld gegen Sex angeboten hätten. Zum Geschlechtsverkehr sei es dann einmal im Eingangsbereich beim Wifi, als auch in der Tiefgarage beim Libro gekommen.

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Seither geht es mir nicht gut. Es hat mir schon weh getan. Ich dachte nur immer, was mache ich da?

Das Opfer

„Seither geht es mir nicht gut. Es hat mir schon weh getan. Ich dachte nur immer, was mache ich da?“, sagt das Opfer in der Kontradiktorischen unter Tränen. Kein Wunder, dass der 32-Jährige sich weigert, das Video der Einvernahme anzuschauen. 

Angeklagter zeigt keine Reue
Obwohl laut psychiatrischem Gutachten für jedermann erkennbar ist, dass die Frau aufgrund ihrer Intelligenzminderung auch nicht in der Lage ist, sexuell selbstbestimmt zu handeln, zeigt der Angeklagte keine Reue. „Sie ist clever. Sie ist eine Frau. Sie ist intelligent. Sie wollte es und jetzt soll ich ins Gefängnis“, so der Afghane wütend. Seinen Zorn kann er ja in den nächsten zwei Jahren hinter Gittern der österreichischen Justiz abreagieren.

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