Mi, 15. August 2018

Etwa 50 Prozent

08.08.2011 11:47

Studie aus Wien: Auch Frauen haben eine Prostata

Männer und "ihre" Prostata - das ist Gegenstand vieler Stammtischwitze. Doch das angeblich so "spezifisch männliche" Drüsengewebe findet sich auch bei der Hälfte der Frauen. Bösartige Tumore, die aus diesem Gewebe rund um den Harnleiter entstehen, müssten daher auch bei Frauen als Prostatakarzinome bezeichnet werden, schließen Wiener Wissenschaftler der MedUni Wien im AKH aus den Ergebnissen einer Studie.

Wolf Dietrich von Universitätsklinik für Frauenheilkunde und die Co-Autoren haben ihre Ergebnisse in der aktuellen Ausgabe des "Journal of Sexual Medicine" veröffentlicht. Das in der Laienwelt als "ausgemacht" geltende Dogma, nur Männer hätten eine Prostata, stoßen sie damit um.

Als Ausgangspunkt ihrer Studien nahmen die Wissenschaftler eine aktuelle medizinische Debatte: "Die Zusammensetzung von Drüsen rund um die weiblichen Harnleiter wird derzeit diskutiert - speziell, was das Maß ihrer Entsprechung zur männlichen Prostata angeht."

Prostatakarzinom häufigste Krebsform bei Männern
Beim Mann ist die Prostata für die Produktion eines Sekrets verantwortlich, das bei der Ejakulation in die Harnröhre fließt und die Überlebenschance der Spermien in der Vagina der Frau erhöhen soll. Die gutartige Vergrößerung der Prostata ist eine der häufigsten Altersbeschwerden von Männern, das bösartige Prostatakarzinom das häufigste Krebsleiden des Mannes.

In Österreich gibt es 4.500 Neuerkrankungen und 1.200 Todesfälle pro Jahr. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Urologen für Männer etwa ab 40 können laut neuesten wissenschaftlichen Daten die Mortalitätsrate um 44 Prozent senken.

Doch auch bei Frauen kommt es - selten - zu Karzinomen, die aus dem Drüsengewebe rund um die Harnleiter entstehen. Die Frage war, ob hier dasselbe Gewebe verantwortlich ist wie bei Mann.

Gewebe mit denselben Parametern
Das dürfte der Fall sein, so die Wiener Wissenschaftler. Sie untersuchten die Harnleiter und das umgebende Gewebe von 25 Patientinnen. Bei 14 Gewebeproben konnten mittels Laboruntersuchungen Gewebecharakteristika nachgewiesen werden, wie sie auch für Proben aus der Vorsteherdrüse von Männern kennzeichnend sind: Prostata-spezifisches Antigen (PSA), Prostata-spezifische alkalische Phosphatase und Androgen-Rezeptoren. Mittels PSA-Untersuchungen im Blut wird bei Männern nach Prostatakarzinom-Verdacht gefahndet.

"Eine 'weibliche Prostata' wurde in dieser Studie bei jeder zweiten Frau gefunden. Mögliche bösartige Neubildungen aus diesem Gewebe heraus könnten daher als 'weibliche Prostatakarzinome' bezeichnet werden", so die Wiener Forscher.

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