Trotz seines Riesentorlauf-Staatsmeistertitels 2021 bekam der Vorarlberger Magnus Walch keinen Platz mehr im ÖSV-Kader, weshalb er seine Karriere beendete. Seither ist der Lecher Ski-Experte der „Krone Vorarlberg“ und unter anderem auch Testpilot für Skihersteller Völkl. In dieser Funktion war der 30-Jährige in den vergangenen Wochen immer wieder in europäischen Gletscher-Skigebieten unterwegs. Das Bild der aktuellen Gletscher-Situation, das Walch in seiner Kolumne „Schwung-Ansatz“ malt, ist ein erschreckendes.
Ich bin schockiert, als ich um fünf Uhr früh meine Ski anschnalle und bergwärts blicke. Noch vor einigen Wochen waren die Pisten am Stilfserjoch weiß. Jetzt dominiert das grau-blaue Gletschereis das Bild. Mein Handy erinnert mich daran, wie es am gleichen Ort vor fünf Jahren ausgesehen hat. Der Hang, auf dem wir damals trainiert haben, besteht heute nur noch aus Gletscherspalten und Fels.
Der schneearme Winter und das trockene Frühjahr haben den Gletschern zugesetzt. Und das macht nicht nur den Klimaschützern Sorgen, sondern bereitet auch einigen Ski-Teams Kopfzerbrechen. Les Deux Alpes musste letzte Woche aufgrund von Schneemangel den Skibetrieb einstellen. Nationalteams wie jene aus Italien und Frankreich sind dazu gezwungen, ihre Sommerplanung umzuwerfen, ist das Gletscherskigebiet doch deren präferierter Trainingsort. In Zermatt fehlen heuer sieben Meter Schnee. Am Allalingletscher in Saas Fee sieht es ähnlich aus. Diese Tatsachen könnten schon bald zum Kampf um Trainingslinien führen, sollten Teile der Skigebiete nicht genutzt werden können.
Schnee in Hülle und Fülle
Auf der südlichen Hemisphäre hingegen freut man sich über einen schneereichen Winter. Die Gebiete in Neuseeland, Australien und Argentinien scheinen bereit zu sein für die Ski-Teams. Und sogar in Nordamerika sieht es schneetechnisch überraschend gut aus. Timberline Lodge in Oregon ruft dazu auf, Trainingslinien zu reservieren, da die Saison am Mount Hood bis Ende August verlängert wurde. Wer angesichts dieser Meldungen umplanen und kurzfristig nach Übersee fliegen möchte, wird es sich bei genauerer Betrachtung jedoch zweimal überlegen. Ein Ticket nach Neuseeland kostet mehr als doppelt so viel wie vor Ausbruch der Corona-Epidemie.
Und wie sieht es auf den österreichischen Gletschern aus? Die Zeiten, in denen es „365 Tage pures Skivergnügen“ gegeben hat, sind lange vorbei. Der Blick in die Webcams zeigt, dass auch unsere Gletscher besonders stark leiden. Manch einer mag sich daher bereits Sorgen um den Weltcup-Auftakt in Sölden machen. Mit den Schneedepots und einigen kalten Nächten vor dem Rennwochenende sollten die Veranstalter den Weltcuphang jedochrechtzeitig fertigstellen können.
Nichtsdestotrotz wird es zukünftig ein Umdenken geben müssen. Das Gletschertraining im Sommer hat ein Ablaufdatum.














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