Erst „Wutmail“ half

Heimleiterin ließ sich in ihrem Büro pflegen

So etwas haben selbst Landesbedienstete mit vielen Berufsjahren wohl noch nicht erlebt! Die (alleinstehende und anfangs gehbehinderte) Leiterin eines Bezirksaltenheims im südlichen Oberösterreich zog Ende Mai nach einem Krankenhausaufenthalt so quasi zur Überleitungspflege wochenlang ins eigene Heim. Tag und Nacht war sie dort - und arbeitete zugleich als Leiterin weiter. Mit einem Pflegebett im Büro bzw. gleich daneben.

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In einem Hilferuf per Mail (kurz vor Fronleichnam) zählte eine dort beschäftigte Person etliche Pflegemaßnahmen auf, die man täglich für „die Chefin“ erbringe: Damit sei eine Grenze überschritten. Man könne so nicht mehr weitermachen, nach all den anderen Belastungen der Pflegekräfte. Man wolle sich weiterhin mit Hingabe, Professionalität und Liebe zum Beruf um die Senioren kümmern. Und nicht auch noch die eigene Chefin pflegen, bitteschön.

„Die BH hilft uns nicht“, hieß es in dem Mail weiter. Das bestreitet Gmundens Bezirkshauptmann Mag. Alois Lanz, der als Obmann des Sozialhilfeverbandes für das Heim zuständig ist - siehe auch das Zitat von ihm anbei. Jedenfalls hat offenbar (auch) jemand Landesinterner die Heimaufsicht des Landes eingeschaltet, die am Zwickeltag hinfuhr.

Zitat Icon

Das ergibt einfach keine gute Optik. Wo ist da die Grenze? Da wollen wir eine saubere Grenze haben. Sobald ich das erfahren habe, habe ich sofort die Anordnung herausgegeben, dass selbstverständlich pflegerische Leistungen keinesfalls vom internen Personal zu erbringen sind!

Bezirkshauptmann Alois Lanz, als solcher Chef des Sozialhilfeverbandes Gmunden

Diesen Einsatz bestätigt das Büro von Soziallandesrat Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP): „Ja, das ist bei uns aufgeschlagen, wir sind auch sofort aktiv geworden. Die Heimaufsicht hat unmittelbar einen Kontrollbesuch durchgeführt und hat das unterbunden.“ Aber auch Bezirkschef Lanz sagt, er habe die Heimaufsicht angefordert, zur Verstärkung quasi.

Was die Heimleiterin selbst zu den Vorwürfen sagt
Die Heimleiterin (deren Namen wir aus medienrechtlichen Gründen nicht nennen können) meint, es sei vielleicht etwas zu blauäugig von ihr gewesen, nicht gleich in den Krankenstand gegangen zu sein. Sie habe nur drei Tage „täglich 30 bis 45 Minuten Hilfe intern in Anspruch genommen“, was aber der Pflegedienstleiter am 2. Juni abgestellt habe. In den weiteren drei Wochen im „Pflege-Büro“ sei sie von externen Kräften, zuletzt dem Hilfswerk, betreut worden. Ab Montag, 27. Juni, ist die Leiterin nun auch offiziell im Krankenstand.

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