21.06.2011 17:53 |

Ersatz für Plassnik

Italiener Lamberto Zannier als OSZE-Generalsekretär fix

Der Italiener Lamberto Zannier steht endgültig als künftiger Generalsekretär der OSZE fest. Kein Mitgliedsland habe gegen die Nominierung von Zannier protestiert, teilte das Außenministerium des OSZE-Vorsitzlandes Litauen am Dienstag mit. Der Italiener löst somit ab 1. Juli den französischen Diplomaten Marc Perrin de Brichambaut ab.

Zannier kommt zum Zug, nachdem die ursprüngliche Favoritin Ursula Plassnik am Veto der Türkei gescheitert war. Der Einspruch Ankaras gegen die Nominierung der Nationalratsabgeordneten und Ex-Außenministerin hat die österreichisch-türkischen Beziehungen schwer belastet.

Außenministerin Michael Spindelegger warf der Türkei vor, wortbrüchig geworden zu sein. Ankara kritisierte, der türkische Kandidat Ersin Ercin sei ursprünglich im Rennen vorne gelegen, dann aber durch von EU-Staaten gestreute Vetogerüchte ins Hintertreffen geraten, ließen Diplomaten über die regierungsnahe Zeitung "Zaman" verlauten.

Plassnik hatte mit ihrer Kandidatur viel Zuspruch unter den OSZE-Staaten erhalten, wäre sie doch die erste Ex-Politikerin an der Spitze der Organisation gewesen. Zahlreiche OSZE-Staaten treten nämlich dafür ein, die Befugnisse des Generalsekretärs auszuweiten und die Effizienz der Organisation zu erhöhen. Die im Jahr 1994 gegründete Organisation wird als ineffizient kritisiert, weil sie auf dem Konsensprinzip aufbaut. Jeder der 56 Mitgliedsstaaten in Europa, Asien und Nordamerika hat ein Vetorecht.

Zannier derzeit Chef der Kosovo-Mission
Audrionius Azubalis, Außenminister des OSZE-Vorsitzlandes Litauen, hat den Vorsitzenden des Ständigen Rates, Renatas Norkus, bereits mit der Einleitung der formalen Prozedur zur Ernennung Zanniers beauftragt. Der Italiener ist derzeit Chef der UNO-Mission im Kosovo, die durch die Unabhängigkeit der früheren südserbischen Provinz praktisch bedeutungslos geworden ist. Dem Vernehmen nach hat UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon einem vorzeitigen Ausscheiden Zanniers aus dem Amt bereits zugestimmt.

Der aus dem friulanischen Fagagna bei Udine stammende Zannier studierte Rechtswissenschaften an der Universität Triest. Ende der 70er-Jahre startete er seine diplomatische Karriere als Mitarbeiter der UNO-Ernährungsorganisation FAO in Rom. Von 1982 bis 1987 arbeitete er an der italienischen Botschaft in Wien, ehe er wieder ans Außenministerium in Rom wechselte. In den Jahren 1991 bis 1997 leitete er die Abteilung für Abrüstung im NATO-Generalsekretariat in Brüssel. OSZE-Erfahrung sammelte er in den Jahren 2002 bis 2006 als Leiter des Konfliktpräventionszentrums der Organisation in Wien. 2008 ernannte ihn UNO-Generalsekretär Ban zum UNMIK-Chef.

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