Wie geht es weiter?

Flüchtlingshotel schließt: „Wo sollen Kinder hin?“

Familie
22.04.2022 19:00

Exotische Früchte sind im „Ananas“ beim Wiener Naschmarkt nicht zu finden, dafür ist das Frühstücksbuffet im Flüchtlingshotel insgesamt zu karg. Was viel mehr berührt: das Schicksal traumatisierter ukrainischer Kinder.

„Nächste Woche müssen wir noch einmal weg. Denn dann sperrt unser Hotel zu – wohin wir gebracht werden, wissen wir noch nicht“, flüstert eine junge Mutter. Zwei nicht wirklich frisch gebackene Semmerln, Cornflakes und Kakao hat sie für ihre kleine Tochter vom Frühstücksbuffet geholt. Und löslichen Kaffee im dünnen Plastikbecher für sich.

Auf Eier, ein Blatterl Käse und Wurst muss sie verzichten - die gab es beim Lokalaugenschein der „Krone“ einfach nicht. Dennoch ist die 36-Jährige aus Kiew dankbar für die warmherzige Aufnahme durch die ASBÖ-Betreuer, die das gänzlich mit Kriegsflüchtlingen gefüllte „Ananas“ schaukeln - so gut es eben geht. „Wir haben genug zum Leben und die Menschen sind gut zu uns“, beeilt sich die Frau uns mitzuteilen.

Im „Ananas“ leben auch 80 gehörlose Flüchtlinge
Vor zwei Monaten hatte sie mit 290 Landsleuten - davon 80 gehörlos oder mit anderen Behinderungen - im Hotel „Ananas“ an der Wienzeile Zuflucht gefunden. Doch die Unterkunft wird mit 30. April geschlossen. Wohin es dann geht, hat ihr noch niemand sagen können ...

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Die Kleinen brauchen dringendst neurologische, seelische und andere Hilfe, sonst sind Heilfortschritte von Jahren für immer verloren.

Cornelius Granig, Präsident der Ukrainehilfe

Es ist aber das Schicksal von fünf traumatisierten Kindern mit besonders speziellen Bedürfnissen, das berührt. „Die Samariter tun ihr Menschenmögliches. Doch die Kleinen brauchen dringendst neurologische, seelische und andere Hilfe, sonst sind Heilfortschritte von Jahren für immer verloren“, appelliert Cornelius Granig, Präsident der Ukrainehilfe. Er war als CEO lange im belagerten Land tätig und unterstützt die Flüchtlinge umso beherzter unbürokratisch mit Geldspenden.

Einer Sprecherin des ASBÖ ist die Einfachheit der Kost bewusst, man habe Vegetarisches und Diabetikerspeisen auf die Karte gesetzt, sei aber auch auf das Hotel angewiesen. Was die Schließung betrifft: Kommende Woche wird der Fonds Soziales Wien versuchen, für jeden Flüchtling, und vor allem für die Kinder, ein dauerhaftes Heim zu finden.

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