Mo, 16. Juli 2018

Blutiger Konflikt

29.05.2011 15:10

Clooney: "Sudan-Satelliten zeigen Kriegsverbrechen"

Die von George Clooney initiierte Satellitenüberwachung hat nach Angaben des Hollywood-Stars Kriegsverbrechen im Sudan dokumentiert. In der Krisenregion Abyei seien schwere Verstöße gegen die Genfer Konvention erfasst worden, von denen einige als Verbrechen gegen die Menschlichkeit eingestuft werden müssten, sagte Clooney am Sonntag. Der Schauspieler sprach von staatlich gelenkten Vertreibungen und "ethnischen Säuberungen" durch die Regierung des Nordens.

Der Streit um Abyei hat zu einer schweren Krise zwischen Nord- und Südsudan geführt, nordsudanesische Truppen hatten die ölreiche Grenzregion vor einer Woche besetzt, auch als Vergeltung für einen Angriff südsudanesischer Truppen wenige Tage zuvor. "Wir haben unwiderlegbare Beweise für Khartums Kriegsverbrechen in Abyei", sagte Clooney. "Wir haben dokumentiert, wie sudanesische Truppen plündernd und zerstörend durch die Stadt ziehen. Das ist Teil ihres Plans, die Unabhängigkeit des Südens zu torpedieren."

Clooney hatte Ende 2010 die UN-Agentur UNOSAT, Google und Harvard-Experten dazu gebracht, den Sudan mit Satellitenbildern aus 500 Kilometern Höhe zu überwachen. Sowohl der Norden als auch der Süden erheben Ansprüche auf die Region Abyei, in der sich etwa 25 Prozent der gesamten Ölvorkommen des Sudan befinden.

Bürgerkrieg forderte Millionen Opfer
Konflikte zwischen den Misseriya-Nomaden aus dem Norden, die traditionell mit ihren Herden in die Gegend von Abyei ziehen, und den einheimischen Dinka-Ngok haben in den vergangenen Jahren Hunderte Menschenleben gefordert. Die Region war eines der Hauptkampfgebiete während des mehr als 20-jährigen Bürgerkriegs zwischen Nord- und Südsudan. In dem blutigen Konflikt kamen zwei Millionen Menschen ums Leben.

Die Armeeführung in Khartum hat die Militäroperation in Abyei inzwischen für beendet erklärt. In der Region herrsche nun Sicherheit, zitierte die staatliche sudanesische Nachrichtenagentur SUNA Armeesprecher al-Sawarmi Khalid Saad. Gleichzeitig rief er die geflohene Bevölkerung auf, nach Abyei zurückzukehren. Der Armeesprecher versicherte, internationale und einheimische Hilfsorganisationen hätten nichts zu befürchten.

Norden: "Sind zu neuem Krieg bereit"
Krisengespräche in Khartum und Addis Abeba sollen nun einen neuen militärischen Konflikt verhindern. Riek Machar, der Vizepräsident des bald unabhängigen Südsudan, reiste am Samstag mit hochrangigen Regierungsvertretern nach Khartum. Dort wollte er mit der im Norden regierenden Nationalen Kongresspartei (NCP) Verhandlungen über die noch strittigen Fragen des Friedensabkommens von 2005 aufnehmen. In der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba wollten im Hauptquartier der Afrikanischen Union (AU) Vertreter der Armeen von Nord und Süd über die Abyei-Krise verhandeln. Der sudanesische Präsident Omar al-Bashir hatte erklärt, er sei "bereit zu einem neuen Krieg" um die Region.

Mit der Sezession des Südens verliert der Sudan, bisher größter Flächenstaat Afrikas, rund zwei Drittel seiner Ölquellen. Gegen Bashir besteht seit 2009 ein Haftbefehl des Haager Internationalen Strafgerichtshofes wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit in der Region Darfur. Dort sind seit 2003 nach UNO-Schätzungen 300.000 Menschen gewaltsam umgekommen.

Süden stimmte für Unabhängigkeit
Was aus Abyei wird, wenn der Südsudan am 9. Juli ein unabhängiger Staat wird, ist rechtlich noch offen. In einer Volksabstimmung im Jänner hatte sich die Bevölkerung des christlichen und animistischen Südens mit überwältigender Mehrheit für die Loslösung vom muslimischen Norden entschieden. Ein ursprünglich ebenfalls für Jänner geplant gewesenes Referendum in der Abyei-Region wurde dagegen abgesagt, weil sich der Norden und der Süden nicht über den Kreis der Stimmberechtigten einigen konnten.

Nach Angaben südsudanesischer Regierungsvertreter sind bereits 150.000 Menschen aus Abyei und der umliegenden Grenzregion geflohen. Die Vereinten Nationen, die USA und andere Staaten haben einen Rückzug der Truppen gefordert.

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