05.03.2022 11:00 |

Stadt Land Vorarlberg

Wir sind auf dem Weg zu einem urbanen Ländle

Die Rheintal-Bodenseeregion präsentiert sich urban: dicht besiedelt und wirtschaftlich gut aufgestellt. Wie es dazu kam und warum trotzdem noch viele Fragen offen sind.

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Drei Viertel der Vorarlberger leben im Rheintal-Bodenseegebiet. Das heißt: Auf engem Raum leben rund 300.000 Menschen, was die Region laut EU zu einer „überwiegend städtischen“ macht. Freilich kam die Transformation vom bäuerlich geprägten zum urbanen Raum nicht über Nacht. Vielmehr war es ein jahrzehntelanger Weg, der im Prinzip mit dem Niedergang der Textilbranche in den 1970er-Jahren seinen Anfang genommen hat. In den 1980er-Jahren taten sich dann erste Problemfelder auf - mit dem Ergebnis, dass ein Umdenken einsetzte und man sich Schritt für Schritt vom Wachstumsmantra und dem planlosen Wildwuchs verabschiedete. 

Vorarlberg als attraktive Zielregion
Neben der Etablierung der Flächenwidmungspläne, nach denen die Gemeinden genau regeln, ob und wie Grundstücke genutzt und bebaut werden dürfen, sorgte vor allem der EU-Beitritt 1995 für einen weiteren massiven Wandel. „Das Rheintal entwickelte sich rasch zu einem florierenden Industrie- und Dienstleistungsstandort mit hohem technischen Know-how, das sich auch im internationalen Vergleich sehen lassen kann“, weiß die Dornbirner Architektin und Städteplanerin Geli Salzmann, die neben der Umsetzung konkreter Bauvorhaben auch beratend für Land und Gemeinden tätig ist - etwa in Fragen der Quartiersentwicklung.

Als Salzmann ihr Büro 1996 gründete, machte sich Vorarlberg gerade auf, eine der attraktivsten Zielregionen der EU zu werden: Aus ehemaligen Textilstandorten wurden Wirtschaftsparks und Kulturzentren, zum Shoppen ging man in Einkaufszentren, zum „Sehen-und-gesehen-Werden“ traf man sich mit Bekannten in der Stadt. Dank grüner Freiflächen kamen auch Sport und Freizeit nicht zu kurz, die Taktung der öffentlichen Verkehrsmittel wurde von Jahr zu Jahr besser - heute haben wir im Rheintal einen Viertelstundentakt und selbst in die laut EU „überwiegend ländlichen“ Regionen Vorarlbergs fährt zumindest jede Stunde ein Bus. Dass die Öffis dennoch für viele immer noch zweite Wahl sind, zeigt sich an den Autokolonnen, die sich täglich auf der Rheintalautobahn und an neuralgischen Punkten wie etwa der Feldkircher Bärenkreuzung oder dem Kreisverkehr „Dornbirn Nord“ bilden. 

Die Vision Rheintal sorgte für Veränderung
Wesentlich zum „urbanen Weg“ Vorarlbergs beigetragen hat der ehemalige Landesrat Manfred Rein, unter dessen Amtszeit 2006 die „Vision Rheintal“ ins Leben gerufen wurde. Entstanden aus der Erkenntnis heraus, dass es gemeinsame Anstrengungen über die Gemeindegrenzen hinweg braucht, um anstehende raumplanerische Herausforderungen lösen zu können, habe die Vision Rheintal nachhaltige Veränderungen gebracht, ist Geli Salzmann überzeugt: „Dass sich Gemeinden zu Regionalverbänden zusammenschließen, ist mittlerweile Usus - und das ist auch gut so. Im ’Regionalen Räumlichen Entwicklungskonzept’ vereinbaren mehrere Bürgermeister und Gemeindevertreter gemeinsame und übergemeindliche Ziele. Eine Eingemeindung ist das allerdings nicht. Das ist für die Kommunen nach wie vor tabu.“

Ja, Vorarlberg ist urban geworden. Allein: Wie viel Stadt steckt wirklich in der Rheintal-Bodenseeregion? Und was bedeutet das für die anderen Teile des Landes? Wollen die Menschen im Rheintal überhaupt ein Stadtleben, oder überwiegt immer noch die „Ländle-Mentalität“? Wird aus einer Bandstadt, bei der die Gemeindegrenzen von Bregenz bis Feldkirch einfach nahtlos ineinander übergehen, irgendwann wirklich eine kompakte Stadt? Wäre das überhaupt wünschenswert? Können sich hiesige Bildungs- und Kulturangebote mit jenen von „richtigen“, über Jahrhunderte gewachsenen Städten messen? Wie aufgeschlossen gegenüber Diversität und neuen Kulturen sind die Vorarlberger? Und welche Auswirkungen hat die zunehmende Urbanisierung für die Umwelt?

In den kommenden Wochen wird sich die „Krone Vorarlberg“ all dieser Fragen annehmen und konkrete Antworten darauf geben sowie mögliche Lösungen aufzeigen!

Christiane Mähr
Christiane Mähr
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