10.02.2022 10:00 |

Neues Album „4“

Gitarrenlegende Slash: „Tue das, was mir gefällt“

2022 könnte sein Jahr werden: Gitarrenlegende Slash veröffentlicht mit Myles Kennedy und den Conspirators das neue Album „4“, bastelt eifrig an neuen Guns-N‘-Roses-Songs, um sie vielleicht im Sommer in Wien vorzustellen und plant auch 2023 einige Europakonzerte. Im „Krone“-Gespräch gab der 56-Jährige nähere Einblicke in sein kunterbuntes Schaffen.

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Zehn Jahre lang sind Slash, Alter-Bridge-Sänger Myles Kennedy und die Conspirators nun schon zusammen unterwegs und halten die Fahnen des US-amerikanischen Gitarrenrock allen Trendbewegungen zum Trotz stolz in die Höhe. Nicht schlecht für ein anfängliches Spaßprojekt unter Freunden, das zwar für alle Beteiligten einiges abwirft, aber nie mit 100-prozentigem Fokus betrieben wird. „Wir haben doch ein paar ziemlich coole Alben veröffentlicht“, lacht der stets gut gelaunte Slash beim Interview mit der „Krone“, „seid wir die Band gegründet haben, sind es sogar zwölf Jahre. Es kommt mir vor wie gestern.“ Ein Hauptgrund für das kurzweilige Gefühl liegt eben vor allem an der Zwanglosigkeit der Sache. „Wir mögen uns unheimlich gerne, haben im Studio und auf Tour viel Spaß, sind alle kreativ und entspannt. Es gibt keine Plattenfirma, die uns pusht, kein anstrengendes Management oder sonstige Musikbusiness-Blödheiten. Wir tun, was uns gefällt und nehmen uns dafür immer die nötige Zeit.“

Überbordende Kreativität
Nachdem der schwere Tanker Guns N‘ Roses in den letzten Jahren wieder ordentlich an Fahrt aufnahm, wurde das Jonglieren mit den Daten im Terminplan immer schwieriger, aber als plötzlich die Pandemie über uns hereinbrach, war für eine Zeit lang alles auf Null gestellt. Für den umtriebigen Slash keine leichte Zeit, schlussendlich steigert Langeweile auch die Gefahr auf einen drogenbedingten Suchtrückfall, wie er unlängst dem „Playboy“ erklärte. „Sechs der zehn Songs auf unserem neuen Album ,4‘ waren schon vor der Pandemie fertig, die anderen haben wir dann währenddessen finalisiert. Ansonsten habe ich mich einfach beschäftigt. An diesem Album geschrieben, an neuen Guns-N‘-Roses-Songs geschrieben, mit Tom Morello via Zoom gearbeitet und bei einem Tributealbum für Leslie West mitgemacht, das erst erscheint. Hätte mir die Pandemie die Kreativität genommen, hätte das vielleicht böse enden können.“

Das schlicht „4“ betitelte Werk beweist, das dem keinesfalls so ist. Mit Songs wie dem Opener „The River Is Rising“ oder dem intensiven „Fall Back To The Earth“ am Ende sorgt das Rock-Konglomerat mitunter für die besten Songs seit Jahren. Eine Frischzellenkur, die auch daraus resultiert, dass die Band das mondäne Los Angeles gegen die „Music City“ Nashville eingetauscht hat, um in den ehrwürdigen Hallen des RCA Studios aufzunehmen. Dort, wo viele Größen der Musikhistorie für Meilensteine sorgten. „Physisch dort zu sein war noch einmal etwas anderes, als die Geschichte des Studios nachzulesen“, kommt der begeisterte Fan aus Slash heraus, „es war so, als würde die gesamte Essenz all dieser großen Musiker durch einen hindurchfließen.“ Mit Produzent Dave Cobb wurde in einer Live-Atmosphäre gearbeitet. „Wie es die Rolling Stones mit Brian Jones machten. Ich hasse es, beim Aufnehmen Kopfhörer tragen und Verstärker in einen anderen Raum verfrachten zu müssen. Jetzt haben wir so aufgenommen, wie wir auf der Bühne stehen.“

Bewusste Imperfektion
Im Laufe der Aufnahmen hat es fast das ganze Team mit Covid erwischt. Vier von fünf Mann fielen nach der Reihe mit Corona aus, glücklicherweise rundum mit milden Verläufen. Kennedys angeschlagene Stimme hört man auf „The River Is Rising“ sogar deutlich raus. Zu diesem Zeitpunkt wusste der Sänger noch nicht, dass er infiziert sei. „Wir saßen nach und nach alle im selben Boot, eine interessante Erfahrung, die uns sicher noch enger zusammengeschweißt hat. Wir haben Myles‘ etwas rauchigere Stimme aber bewusst so auf dem Album gelassen, wie auch alle anderen kleinen Fehler. Ein Vorteil, wenn man in einer Live-Atmosphäre aufnimmt, ist, dass dadurch all die Imperfektionen eingefangen werden, die so ein Projekt mit sich bringt. Wir klingen nicht perfekt, sondern roh und echt. So, wie eine Band eben spielt.“

Bei den Conspirators gibt es auch Raum für Themen, die im Rock’n’Roll-Kontext ansonsten eher unüblich sind. „Fill My World“ etwa ist eine Art Love-Song von Myles Kennedy an seinen Hund. „Ich lasse Myles bei den Lyrics immer freie Hand, aber dieser Song blieb mir in Erinnerung“, lacht Slash, „im Großen und Ganzen geht es ihm darin schon um menschliche Beziehungen, aber sein Hund Mozart nimmt einen breiten Raum ein. Hundeliebhaber werden sicher jubeln, für sie gibt es eh zu wenige Rock-Songs.“ „Actions Speak Louder Than Words“ solle die Menschen dazu animieren, zu handeln, anstatt immer nur wütend vor dem Laptop in die Tastaturen zu hauen. „Mittlerweile haben wir wohl alle mit solchen Typen zu tun. Dieses ständige Verstecken im Virtuellen hat einen gewaltigen Einfluss auf die Beziehung von Menschen untereinander. Viele glauben, sie kämen mit allem davon. Andere können im echten Leben keine Beziehungen mehr führen. Eine ziemlich verzwickte Lage.“

Staffelübergabe
Sollte sich der Live- und Konzertmarkt weiter fleißig öffnen, wird das Jonglieren mit den Projekten für Slash nicht einfacher. Mit Kennedy und den Conspirators will er Anfang 2023 wieder nach Europa kommen, ein Wien-Termin ist bislang noch nicht fixiert. Ansonsten ist der Sommer mit Guns-N‘-Roses-Shows ausreserviert, wo eben auch noch neue Musik erscheinen soll. „Es wird im Laufe des Jahres Material herauskommen, das bereits geschrieben ist. Mehr haben wir noch nicht präzisiert. Ansonsten bin ich als Produzent an ein paar Horrorfilmen beteiligt, will aber 2022 möglichst viel auf Tour sein.“ In der Pandemie hat übrigens auch Slash‘ Sohnemann London eine Band gegründet. Suspect208, mit den Söhnen von Scott Weiland und Rob Trujillo (Metallica). „Er ist ein verdammt guter Drummer und ich bin stolz auf ihn, aber noch gibt es keinen Wettbewerb zwischen uns“, lacht die Gitarrenlegende.

Guns N‘ Roses in Wien
Am 13. Juli sollen Guns N‘ Roses hoffentlich im Wiener Ernst-Happel-Stadion spielen. Alle großen Hits und hoffentlich auch so manch neues Material. Unter www.oeticket.com gibt es noch Karten und weitere Infos. Eine Show von Slash, Myles Kennedy und den Conspirators folgt dann hoffentlich 2023.

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