Weil „Stimmung kippt“

2G-Kontrollen: Angestellte wollen nicht zur Arbeit

Der Großteil der Kunden trägt die 2G-Checks mit. Die Auseinandersetzungen häufen sich dennoch. Vor allem in Baumärkten trauen sich manche Angestellte daher nicht mehr zur Arbeit.

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Tatort Baumarkt: Die strengen 2G-Kontrollen, welche seit Dienstag in allen Handelsbetrieben bundesweit stattfinden, machen vor allem die Kunden in Baumärkten aggressiv. „Uns wird aus dem Handel vermehrt von verbalen Ausschreitungen und körperlicher Gewaltandrohung berichtet“, teilt die Vorsitzende der Gewerkschaft gpa, Barbara Teiber, mit.

Verkäufer bedroht
Besonders dramatisch stelle sich die Situation eben in Baumärkten dar. Teiber: „Vor allem männliche Kunden gehen verbal aggressiv auf Angestellte los. Diese haben teilweise Angst, in die Arbeit zu gehen.“ Auch der Handelsverband berichtet von Kunden, die Verkäufer sogar bedrohen.

„Krone“-Lokalaugenschein
Grund genug also für einen „Krone“-Lokalaugenschein in einem Heimwerkergeschäft im 10. Bezirk Donnerstagvormittag. Auf mehreren Schildern wird bereits vor dem Eingang auf 2G hingewiesen. Dann wartet auch schon ein eigens abgestellter Securitymitarbeiter auf die Vorlage des Grünen Passes.

„Mach mir doch nicht mein Leben schwer“
„Seit wann gilt das hier?“, fragt ein Kunde, der keinen Nachweis hat. „Mach mir doch mein Leben nicht so schwer“, fleht er den Security an. „Mit Gewerbeschein und gültigem PCR-Test dürfen Sie hinein“, sagt ihm der Wachmann. Ersteres hätte er, aber Zweiteres nicht. Daher: keine Chance. Er muss gehen. „Wenn ich Sie hineinlasse, verliere ich meine Arbeit“, so der Mitarbeiter. Es sei ihm unangenehm, die Kontrolle. Aber es ist sein Job, und 2G ist Gesetz. Auch wenn das nicht alle Kunden einsehen wollen.

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Es kommen schon einige ohne Nachweis. Manche legen dann Gesetzestexte vor, die beweisen sollen, dass ich sie reinlassen muss.

Ein Securitymitarbeiter

Kunden drohen mit Polizei
„Es kommen schon einige ohne Nachweis. Manche legen dann Gesetzestexte vor, die beweisen sollen, dass ich sie reinlassen muss“, schmunzelt er. Wieder andere würden lauter werden und mit der Polizei drohen, sollte ihnen der Eintritt verwehrt bleiben. Insgesamt wird die Stimmung aggressiver, wie auch Martin Müllauer von der Buchhandlung Morawa bestätigt (siehe Interview unten).

Mitarbeiter sind keine Hilfssheriffs
„Die 2G-Kontrollen dürfen nicht zum Sicherheitsrisiko für unsere Beschäftigten werden. Unsere Mitarbeiter sind keine Hilfssheriffs“, appelliert Rainer Will vom Handelsverband. Zudem fordert er einen respektvollen Umgang mit den Beschäftigten.

„Stimmung kippt bereits spürbar“
Martin Müllauer ist Betriebsratsvorsitzender der bekannten Wiener Buchhandlungskette Morawa. Er befürchtet, dass die Stimmung im Land bald kippt.

„Krone“: Wie sind die ersten Tage der verstärkten Kontrollen im Handel verlaufen?
Martin Müllauer: Ehrlich gesagt, sehr durchwachsen. Der Großteil der Kunden nimmt die Regel an. Es gibt aber auch bereits verbale Angriffe. Manche Kollegen bekommen das stark ab. Sie werden so behandelt, als hätten sie die Kontrollen verordnet.

Wie belastend ist die Situation für die Mitarbeiter?
Sehr belastend. Die Regierung hat sie auch komplett alleine gelassen. Es gibt keine klare Richtlinie, es gab wenig Zeit für Vorbereitungen. Die größte Frechheit ist, dass unsere Mitarbeiter auch gefälschte Nachweise erkennen sollen. Hier wird die Verantwortung einfach auf den Handel abgewälzt.

Kam es auch schon zu körperlichen Auseinandersetzungen?
In unseren Geschäften bis jetzt noch nicht. Aber die Stimmung kippt immer mehr. Und zwar spürbar. Unsere Mitarbeiter, zu 70 Prozent Frauen, müssen sich täglich der Gefahr aussetzen, verletzt zu werden. Was, wenn ein Kunde tatsächlich rabiat wird? Und auch wenn es ‚nur‘ bei verbalen Angriffen bleibt - wo können die Beschäftigten das verarbeiten? Es gibt kein Ventil, keine Hilfe. Es braucht wieder mehr Respekt.

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