05.01.2022 11:27 |

Studie aus Deutschland

Selbst milder Covid-19-Verlauf schädigt Organe

Selbst der milde Verlauf einer Covid-19-Erkrankung kann die Organe schädigen. Wissenschaftler des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) konnten jetzt in der bisher weltgrößten diesbezüglichen Studie nachweisen, dass Covid-19 auch in diesen Fällen die Funktion von Herz, Lunge und Nieren mittelfristig beeinträchtigt und oft mit Zeichen einer Beinvenenthrombose einhergeht.

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Im Rahmen der über viele Jahre geplanten Hamburg City Health Study (HCHS) wurden für die aktuelle Studie 443 Personen nach einer SARS-CoV-2 Infektion mit nur leichteren Symptomen umfassend untersucht. Ihre Daten wurden mit denen von nicht infizierten Teilnehmern der Langzeituntersuchung verglichen. Die Ergebnisse wurden am Mittwoch im European Heart Journal der europäischen Kardiologengesellschaft (ESC) veröffentlicht.

Die Untersuchung lief seit Mitte 2020 am Epidemiologischen Studienzentrum der Hamburger Universitätsklinik. „Die umfassenden Datensätze inklusive der Magnetresonanz-Tomographie des Herzens und des Gehirns sowohl bei SARS-CoV-2-Betroffenen wie auch in der Kontrollgruppe erlaubte eine organübergreifende Analyse. Die Erkenntnis, dass selbst ein milder Krankheitsverlauf mittelfristig zur Schädigung diverser Organe führen kann, hat höchste Bedeutsamkeit gerade auch im Hinblick auf die aktuelle Omikron-Variante, die mehrheitlich mit milderen Symptomen einherzugehen scheint“, wurde Raphael Twerenbold, wissenschaftlicher Studienzentrumsleiter und Kardiologe an der Klinik, in einer Aussendung zitiert.

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Die Erkenntnis, dass selbst ein milder Krankheitsverlauf mittelfristig zur Schädigung diverser Organe führen kann, hat höchste Bedeutsamkeit gerade auch im Hinblick auf die aktuelle Omikron-Variante, die mehrheitlich mit milderen Symptomen einherzugehen scheint.

Raphael Twerenbold, wissenschaftlicher Studienzentrumsleiter und Kardiologe an der Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf

Teilnehmer hatten nur leichte Symptome
Die Ausgangslage: Die Studienteilnehmer hatten alle eine SARS-CoV-2-Infektion hinter sich. Sie gaben keine, milde oder höchstens moderate Symptome zum Zeitpunkt der Infektion an. Die überwiegende Mehrheit von ihnen (93 Prozent) wurde daher ausschließlich ambulant behandelt, niemand von ihnen benötigte eine intensivmedizinische stationäre Behandlung.

In der wissenschaftlichen Untersuchung wurden das Herz-Kreislauf-und Gefäßsystem, die Lunge, die Nieren und das Gehirn auf Funktion, Struktur und mögliche Folgeschädigungen im Mittel zehn Monate nach der SARS-CoV-2-Infektion untersucht. Anhand von Fragebögen wurde die Lebensqualität erfasst. Zum Vergleich wurden 1328 Teilnehmer an der Langzeit-Beobachtungsstudie ähnlichen Alters, Geschlechts und Bildungsstatus aus dem HCHS-Datensatz vor Ausbruch der Covid-19-Pandemie ausgewählt.

Organschäden festgestellt
Im Direktvergleich zur „Normalbevölkerung“ fanden sich jedenfalls bei den Probanden nach überstandener SARS-CoV-2-Infektion Anzeichen von mittelfristigen Organschädigungen. Im Lungenfunktionstest wurde bei ihnen ein um etwa drei Prozent reduziertes Lungenvolumen sowie ein leicht erhöhter Atemwegswiderstand festgestellt. Die Herzuntersuchungen ergaben eine durchschnittliche Abnahme der Pumpkraft des Organs um ein bis zwei Prozent sowie eine 41-prozentige Erhöhung eines Markerproteins im Blut, welches Auskunft über die Belastung des Herzens gibt.

Ein zentrales Ergebnis der Analyse: Durch die Ultraschalluntersuchung der Beine konnten zwei- bis dreifach häufiger Zeichen einer überstandenen Beinvenenthrombose nachgewiesen werden. Ebenso wurde bei den Probanden nach SARS-CoV-2-Infektion eine Abnahme der Nierenfunktion um etwa zwei Prozent festgestellt. Die Untersuchung von Struktur und Leistungsfähigkeit des Gehirns nach einer SARS-CoV-2-Infektion ergab, ebenso wie die erfragte Lebensqualität, keine Verschlechterung im Vergleich mit der Kontrollgruppe.

„Die Ergebnisse ermöglichen uns, frühzeitig organische Folgeerkrankungen zu erkennen und die entsprechenden therapeutischen Maßnahmen einzuleiten“, sagte Stefan Blankenberg, HCH-Studienleiter und Ärztlicher Leiter des Universitären Herz- und Gefäßzentrums der Hamburger Universitätsklinik.

Studie soll in vielen Bereichen gezielte Prävention ermöglichen
Die Hamburg City Health Study (HCHS) ist laut der Universitätsklinik die größte lokale Gesundheitsstudie der Welt. Insgesamt sollen 45.000 Hamburger im Alter zwischen 45 und 74 Jahren über einen langen Zeitraum hinweg untersucht werden, um die Risikofaktoren für häufige Erkrankungen wie Herzinfarkt, Vorhofflimmern, Schlaganfall, Demenz oder Herzinsuffizienz zu identifizieren. Ziel der 30 beteiligten Kliniken und Institute des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf ist es, individualisierte Behandlungsmöglichkeiten und eine gezielte Prävention zu entwickeln. Inzwischen sind rund 16.000 Hamburger untersucht worden

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