29.12.2021 15:11 |

Herausgeber räumt ein:

Anti-Kurz-Cover des „Falter“ nicht „besonders gut“

Die knapp vor Weihnachten veröffentlichte „Falter“-Sonderausgabe „Best of Böse“ hat medial und politisch für heftigen Wirbel gesorgt. Auf dem Cover ist eine Fotomontage zu sehen, die Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz und dessen Lebensgefährtin mit dem neugeborenen Kind im Stil einer Krippenszene zeigt. Stein des Anstoßes ist dabei die entblößte Brust der jungen Mutter. Nun räumte „Falter“-Herausgeber Armin Thurnher ein, dass die Cover-Parodie „keine besonders gute“ war. Er wolle jedoch nichts entschuldigen und wehre sich gegen den Vorwurf des Sexismus. 

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Dinge wie das Kurz-Cover entstehen laut Thurnher oft unter immensem Druck. „Jemand hat eine Idee, sie will umgesetzt sein, ein paar Leute umlagern einen Bildschirm, der Mensch am Schirm ist hundert Anregungen ausgesetzt, braucht aber passende Bilder, damit die Blickachsen in der Montage dem Original entsprechen oder dem satirischen Zweck, man hat aber keine luxuriöse Bildredaktion, sondern nur eine Person, die 100 andere Bilder auch noch auftreiben soll, und Druckabgabe ist jetzt“, erklärte Thurnher in seiner „Seuchenkolumne“ auf falter.at.

„Wer druckt, ist verantwortlich“
Doch er wolle damit nichts entschuldigen, sondern nur erklären. „Wer druckt, ist verantwortlich, da führt kein Weg darum herum.“ Das höfliche Erklären habe aber nicht gefruchtet und sei von den „Böswilligen“ als Spott ausgelegt worden.

Thurnher wolle nicht von der Cover-Montage sprechen, sondern von der Unverhältnismäßigkeit und der Wucht der Empörung, „die sich nicht allein damit erklären lässt, dass hier naturgemäß Rechnungen beglichen wurden“. Die negativen Reaktionen auf das Cover wertet Thurnher als eine „Gelegenheit, einem Aufdeckermedium etwas heimzuzahlen, dessen Aufdeckungen eine Gesellschaft regelmäßig beschämen“.

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Wenn die Medien eine Satire von - unter uns gesagt - politisch komplett nachrangiger Bedeutung orchestriert hochjazzen, als sei es eine Staatsaffäre, dann haben wir zumindest ein Verhältnismäßigkeitsproblem.

"Falter"-Herausgeber Armin Thurnher

Noch immer stehe er unter dem Schock der puritanischen Empörungswelle nach „Best of Böse“. Dabei habe es sich ihm zufolge bloß um eine Cover-Parodie im Heftinneren gehandelt. „Keine besonders gute, zugegeben“, schrieb der „Falter“-Herausgeber.

„Versuchen, mich als eine Art Harvey Weinstein für Arme hinzustellen“
Dass man ihn wegen des Covers nun als „Sexisten“ bezeichnet, kränke ihn und er fühle sich durch diese Zuschreibung auch beleidigt. „Sie versuchen, mich als eine Art Harvey Weinstein für Arme hinzustellen.“ 

Thurnher kritisierte die eigene Branche weiter: „Wenn die Medien eine Satire von - unter uns gesagt - politisch komplett nachrangiger Bedeutung orchestriert hochjazzen, als sei es eine Staatsaffäre, dann haben wir zumindest ein Verhältnismäßigkeitsproblem.“

Österreich ist „Neo-Oligarchenrepublik“
Thunher bezeichnet Österreich in seiner Kolumne weiters als „Neo-Oligarchenrepublik“. Es sei jedenfalls ein Wettlauf mit der Zeit. „Wenn demokratische Politik nur mehr darin besteht, handelnden Personen als Durchlauferhitzer zu dienen, um in das Oligarchenspiel aufgenommen zu werden, haben wir ein Problem.“

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