Aufstand gegen Rodung

„Schotterbaron“ opfert Ohlsdorfs grüne Lunge

Die geplante Rodung von riesigen Waldflächen für ein Betriebsbaugebiet durch den Altindustriellen Hans Asamer (85) löst in Ohlsdorf Empörung aus. Greenpeace kündigt Widerstand gegen diese Umweltzerstörung an.

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Schon jetzt gibt es in Ohlsdorf eine Altlast-Deponie – und ein Zementwerk, das täglich mehr als 100 Tonnen Kohlendioxid in die Luft bläst. Waldflächen dagegen sind hier bereits rar geworden. Dass jetzt noch einmal 180.000 Quadratmeter Wald gerodet werden sollen, ist eine echte Hiobsbotschaft für Mensch und Natur in dieser Region“, kritisiert auch Greenpeace-Europa-Geschäftsführer Alexander Egit scharf.

„Zweimal Weihnachten für Ohlsdorf“
Recht entspannt reagiert der betagte Schotterbaron Hans Asamer auf die Vorwürfe: „Für Ohlsdorf ist das doch wie zweimal Weihnachten. Die Bundesforste, denen ein Drittel der Fläche gehört hat, haben mit dem Geld günstige neue Wohnungen gebaut. Und die Familie, die zwei Drittel besessen hat, hat damit ein tolles neues Wellnesshotel errichtet. Außerdem entstehen auf dem Betriebsbaugebiet 600 neue Arbeitsplätze.“

„Jobs für die Leute vor Ort“
Der Ohlsdorfer Ehrenbürger Asamer sieht sich trotz Naturzerstörung sogar als Wohltäter: „Ich war 25 Jahre im Gemeinderat, zehn Jahre lang Bürgermeister. Wir sind aus einer Bauerngemeinde mit 3000 Einwohnern zu einer modernen Gemeinde mit 6000 Einwohnern geworden. Aber die Leute brauchen auch Arbeit. Bei uns leben ja nicht nur lauter Diplomingenieure. Und jetzt bekommen sie Jobs, die nur zwei Kilometer vom Ort entfernt sind.“ Welche Arbeitsplätze dort entstehen sollen, will Asamer aber nicht sagen: „Ich habe eine Vertraulichkeitserklärung unterschreiben müssen.“

Zorn der Umweltsünder lässt Unternehmer kalt
Der Zorn der Umweltschützer lässt den 85-Jährigen offenbar kalt: „Für dieses Betriebsbaugebiet mussten zwölf behördliche Stellen zustimmen, darum hat es ja auch vier Jahre lang bis zur Bewilligung gedauert. Sogar Grün-Landesrat Kaineder war da, hat sich alles angeschaut und O.K. gegeben. Naturschützer fordern ständig und stellen selbst nie etwas auf die Beine.“

27 Hektar für 18 Hektar
Auch Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner wird vorgeworfen, in die Knie gegangen zu sein. Er kontert: „Das Widmungsverfahren wurde von der Gemeinde abgewickelt. Das Land hat geprüft, die Fachabteilungen haben Verbesserungsaufträge gestellt. Konkret ging es um Kompensation für den Wald. 18 Hektar Wald kommen weg, dafür muss Asamer 27 Hektar aufforsten. Das Ganze hat schon seit Jänner 2020 Rechtskraft.“

„Fordere Offenlegung“
Das wiederum lässt Öko-Landesrat Stefan Kaineder nicht gelten: „Hier wird mit einem Federstrich eine riesige Waldfläche geopfert, und gleichzeitig wird ein noch größeres Areal an wertvollem Ackerland zerstört. Ich habe schon mehrmals meine Ablehnung der Zerstörung des Waldes und dieser großflächigen Versiegelung bekräftigt. Da es im Verfahren auch negative Fachstellungnahmen gegeben haben soll, fordere ich die Offenlegung aller Entscheidungsgrundlagen vom zuständigen Raumordnungsreferenten!“

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