Do, 20. September 2018

Exklusiv-Interview

19.04.2011 10:19

Zoran Barisic: "Ich hab' geglaubt, da kommt ein Panzer"

Zoran "Zoki" Barisic ist als neuer Chef-Trainer bei Rapid angekommen. Und wie! In Innsbruck dirigierte er seine Mannschaft zu einem spektakulären 3:0-Sieg. krone.at erklärt der neue starke Mann an der Hütteldorfer Outlinie exklusiv, warum ihm Flügelflitzer Christopher Drazan ordentlich Schrecken in die Glieder jagte, was er vom ominösen "Zoki-Effekt" hält und wie er am Mittwoch beim Cup-Hit im Hanappi-Stadion Mattersburg knacken will.

"Grüß euch, ich bin der Zoki. Um halb haben wir das Interview, oder? Ich freu mich." Ungewöhnlich irgendwie, am Gelände des ehrwürdigen Hanappi-Stadions von einem derart relaxten Rapid-Chefcoach derart galant empfangen zu werden. Doch Zoran Barisic ist anders. Federnden Schrittes, die nach dem 3:0 in Innsbruck stolz geschwellte Brust in ein blütenweißes Hemd gehüllt und mit einem smarten Lächeln auf den Lippen schlendert er zum vereinbarten Treffpunkt. Und hat einige verbale Schmankerl mit dabei.

krone.at: Herr Barisic, nach Christopher Drazans 2:0 in Innsbruck hat man fast ein wenig besorgt um Ihre Gesundheit sein können, so euphorisch wie er Sie angesprungen hat. Haben Sie die Szene auch wirklich unbeschadet überstanden?
Zoran Barisic: Ehrlich gesagt, hab' ich schon ein wenig Angst gehabt, als der Christopher da auf mich zugesprintet ist. Ich hab' geglaubt, da kommt ein Panzer mit 100 km/h auf mich zu und überrollt mich. Aber es ist gottlob nichts passiert. Und das war ein sehr schönes Gefühl.

krone.at: Es war natürlich ein Bild mit sehr viel Symbolkraft: Die Mannschaft jubelte gemeinsam mit dem Trainer, gleichsam auf einer Ebene. Wie sehr sehen Sie sich denn als Freund bzw. Kumpel der Spieler?
Barisic: Ich bin weder Freund noch Kumpel, sondern Trainer, und zwar auf meine Art und Weise. Mir ist einfach sehr wichtig, dass das Team auch als ein solches auftritt. Und das haben die Jungs im ersten Spiel auch einmal bewiesen.

krone.at: Wie beeindruckend war für Sie, dass die Mannschaft in Innsbruck so aggressiv und offensiv aufgetreten ist, wie man es in den Wochen davor kaum gesehen hat?
Barisic: Man muss die Kirche schon im Dorf lassen. Natürlich war ich zufrieden mit der Mannschaft, aber ich weiß gleichzeitig, dass sie noch viel mehr Potenzial hat. Nur kann das halt nicht von heute auf morgen ausgeschöpft werden, das ist ein Prozess. Ich glaube aber, dass die Mannschaft so intelligent und qualitativ so gut ist, dass sie diesen Prozess beschleunigen kann.

krone.at: In den vergangenen Tagen war viel vom "Zoki-Effekt" zu lesen, sogar zum "Zoki-Zauber". Welchen Anteil schreiben Sie sich selbst am Erfolg zu?
Barisic: Den kleinsten. Weil ich nicht trainiert und nicht gespielt habe. Daher ist mir das alles auch sehr unangenehm. Ich habe ja keinen einzigen Pass gegeben, ich habe kein Tor geschossen, keinen Zweikampf gewonnen - das waren alles die Spieler, die am Platz gestanden sind. Und: Wir haben noch überhaupt nichts erreicht. Wir müssen und werden daher am Boden bleiben.

krone.at: Aber es war doch augenscheinlich, dass die Mannschaft ganz anders, viel unbekümmerter aufgetreten ist als in den Wochen davor.
Barisic: Ich betrachte mich als einen ganz kleinen Teil des Ganzen. Das Wichtigste ist die Mannschaft. Der Trainer soll dann wichtig sein, wenn's nicht so funktioniert, wie er sich es vorstellt.

krone.at: Wie wichtig ist in diesem Ganzen für Sie der Faktor Taktik?
Barisic: Jeder Trainer hat eine eigene Persönlichkeit. Ich wehre mich dagegen, in Schubladen gesteckt zu werden. Ich bin, wie ich bin, habe meine eigenen Vorstellungen. Und diese will und werde ich meiner Mannschaft vermitteln.

krone.at: Ein gewisser Didi Constantini meinte einmal, dass Taktik prinzipiell überbewertet wird. Können Sie sich mit dieser Weisheit anfreunden?
Barisic: Da müsste ich mich mit ihm unterhalten. Es gehört die Physis dazu, die Psyche, die Taktik, die Technik - eine gute Mannschaft machen all diese Komponenten aus.

krone.at: Apropos Taktik: Mit welcher Taktik werden Sie denn die Mannschaft am Mittwoch ins Cup-Viertelfinale gegen Mattersburg aufs Feld schicken?
Barisic: Grundsätzlich werde ich es so handhaben, dass das die Mannschaft als Allererstes erfahren wird. Also noch bevor es an die Öffentlichkeit geht.

krone.at: Sie wollen den Begriff Schicksalsspiel nicht hören. Aber das Match ist für Rapid doch sicher ein Schlüsselspiel, oder?
Barisic: Wir wollen natürlich ins Semifinale kommen. Man kennt ja die Floskeln, wonach der Cup eigene Gesetze hat. Wir werden aber gerüstet sein, sowohl mental als auch physisch. Und wir werden mit der nötigen Ernsthaftigkeit in dieses Spiel gehen.

krone.at: Wie groß ist der Erfolgsdruck, den Sie persönlich verspüren?
Barisic: Ich bin bei Rapid gewissermaßen aufgewachsen, habe hier gespielt, war hier Co-Trainer. Daher weiß ich, unter welchem Erfolgsdruck Rapid steht. Aber wir sprechen immer noch über Fußball. Das ist zwar für uns das Wichtigste, aber nicht das Wichtigste im Leben. Es gibt Familienväter, die drei Kinder haben und nicht wissen, wie sie beim Billa einkaufen können. Das ist Druck. Wir haben einen Druck, mit dem man ganz gut umgehen kann.

krone.at: Sie meinten unlängst, Sie hätten in diesem Job nicht viel zu gewinnen. Ex-Rapidler Heribert Weber sagte hingegen, Sie hätten nicht viel zu verlieren, weil es im Prinzip ein einfacher Job ist. Was stimmt?
Barisic: Ich glaube, dass das Amt des Interimstrainers ein wenig unterschätzt wird. Es stimmt ja nicht, dass ich nichts zu verlieren habe. Die Zielsetzung des Vereins ist ein Europacup-Startplatz. Sollten wir das nicht erreichen, habe ich sehr wohl viel zu verlieren - auch wenn ich daran nicht denke. Aber gut, das ist halt die subjektive Meinung des Heribert Weber.

krone.at: Wenn Sie Europacup sagen, dann ist der Meistertitel nicht weit entfernt. Rapid ist in dieser Saison schon so oft abgeschrieben worden und ist trotzdem immer noch im Titelrennen. Welche Chancen sehen Sie noch auf den Titel?
Barisic: Wir denken darüber überhaupt nicht nach. Dieses Ziel ist momentan ganz weit weg von uns. Wir konzentrieren uns auf das Wesentliche, und das ist das nächste Spiel.

krone.at: Stört es Sie, als Interimstrainer bezeichnet zu werden?
Barisic: Das ist mir völlig wurscht. Es ist nicht wichtig, was in Zukunft passieren wird. Wichtig ist, was jetzt passiert.

krone.at: Sie haben sich noch keine Gedanken an die Zeit nach Saisonende gemacht?
Barisic: Null.

krone.at: Dann erlauben Sie uns doch, das zu tun. Man hört, dass Peter Schöttel Ihr Nachfolger werden soll. Könnten Sie mit dieser Lösung leben?
Barisic: Der Peter ist eine Rapid-Ikone. Er kennt Rapid auch schon von klein auf. Ich kann absolut nur Positives über Peter Schöttel sagen. Und ich habe größten Respekt vor ihm.

von Michael Fally
Foto: Armin Heinrich

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