05.11.2021 12:45 |

So können Sie helfen

Leser-Forum: Was tun bei häuslicher Gewalt?

Allein in Wien gab es in diesem Jahr bereits 3500 Wegweisungen: Jede fünfte Frau in der Bundeshauptstadt ist körperlicher und/oder sexueller Gewalt ausgesetzt. Auch für Kinder ist häusliche Gewalt oft Realität. Zivilcourage ist deshalb heute umso wichtiger. In unserer Community werden Übergriffe außerhalb und in den eigenen vier Wänden oft diskutiert. Wir wollen diesem sehr wichtigen Thema im Rahmen des aktuellen „Krone“-Schwerpunkts Raum geben und dazu auch Ratschläge unserer Leser mit Ihnen teilen. Wie Sie persönlich mit häuslicher Gewalt umgehen und am besten helfen können, lesen Sie hier!

Wenn die „Krone“ über häusliche Gewalt berichtetet (siehe auch Grafik oben), kristallisiert sich meist in unserem Forum schnell heraus: Viele Zeugen haben Angst zu helfen, oder in der Vergangenheit leider schlechte Erfahrungen mit Zivilcourage gemacht.

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Leserkommentare
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ChristianS
Zwei Stockwerke unterhalb von mir gibt es Gewalt.
Der Mann verprügelt seine Frau regelmäßig.

Alle ignorieren es, so gut es geht. Auch ich.

Bis es dann eines Tages zu weit geht.
Eine halbe Stunde lang unglaubliches Spektakel; man glaubt wirklich, dass er sie umbringen wird.

Mehrere Nachbarn stehen herum und diskutieren: Soll man was tun? Soll man die Polizei rufen?
Aber keiner tut etwas.

Bis ich dann blöd genug bin, es zu tun.
Ich rufe die Polizei, nach einer gefühlten Ewigkeit kommen dann endlich zwei Polizisten.
Bis dahin ist wieder Ruhe eingekehrt in der Wohnung.
Aber ich erkläre den Polizisten, was vorgefallen ist.

Einer läutet an der Tür, der Mann öffnet und streitet natürlich alles ab.
Er wird verbal aggressiv mir gegenüber. Ich stehe im Hintergrund und er vermutet zurecht, dass ich Schuld bin für das Erscheinen der Polizei.
Und dann kommt auch noch die Frau, sie deckt den Mann (!!!) und beide greifen mich verbal an.

Ich bin jetzt der Bösewicht und der gemeinsame Feind.
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@ChristianS: naja, ich bin immer noch der Meinung, dass man zumindest zum Handy/Telefon greifen und eine anonyme Anzeige machen kann. Es kann nicht angehen, dass man tage-, wochen- und jahrelang einfach nur weghört, wenn in der Nebenwohnung/im Nebenhaus schreckliche Dinge passieren.
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Solche Erlebnisse, wie sie z.B. ChristianS schildern, gibt es leider häufig. Dennoch ist es heute angesichts der aktuellen Entwicklungen in Wien umso wichtiger, in Gefahrensituationen nicht wegzusehen, sondern zu helfen!

Nicht wegsehen, sondern helfen: Das können Sie tun!

1. Achten Sie auf Warnsignale!
Bei Warnsignalen, wie zum Beispiel zunehmendem Lärm und Streit nebenan, sozialem Rückzug oder äußeren Merkmalen von Gewalteinwirkung sollten Sie bei akuter Gefahr nicht zögern, die Polizei zu rufen. Jeder Anruf wird ernst genommen und Sie brauchen keine Auswirkungen befürchten, sollten sich Ihre Vermutungen als falsch erweisen.

2. Suchen Sie, wenn möglich, das Gespräch!
Das Umfeld wie Nachbarn, Freunde oder auch Arbeitskollegen können Betroffene unterstützen. Suchen Sie das Gespräch oder lassen Sie sich bei einem der unten angeführten Stellen zu einem möglichen Vorgehen beraten.

3. Greifen Sie zum Telefonhörer und kontaktieren Sie eine der folgenden Stellen:

HILFE UND INFORMATIONEN

Frauen, die Gewalt erleben, finden hier Hilfe und Unterstützung:

  • Frauenhelpline unter der Telefonnummer 0800/222 555 (kostenlos und rund um die Uhr), frauenhelpline.at
  • Notruf des Vereins Frauenhäuser: 05/7722
  • Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF) unter aoef.at
  • Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie auf der Internetseite: interventionsstelle-wien.at
  • Opferschutzorganisation Weißer Ring unter der Telefonnummer 0800/112-112 oder im Internet www.opfernotruf.at
  • Polizeinotruf unter 133 oder 112 im Falle einer akuten Notlage
  • Das Landeskriminalamt Wien, Kriminalprävention, bietet zusätzlich Beratungen unter der Hotline 0800/216346 an.
  • Gehörlose und Hörbehinderte können per SMS an 0800/133 133 Hilfe rufen.

Seien Sie sich bewusst, dass Polizei sowie Sozialarbeiter professionell geschult werden, heikle Situationen zu erkennen und zu lösen, auch wenn der Streit bereits vorbei zu sein scheint. Daher: Besser einmal zu oft um Hilfe bitten, als einmal zu wenig! Zeugen von Gewalt können auch eine anonyme Anzeige bei der Polizei aufgeben.

Männliche Gewalt im Fokus
Frauen sind häufig Opfer von Gewalt, welche von Männern ausgeht. Das „Warum“ lässt sich nicht in wenigen Worten beschreiben: Oft reden Männer nicht offen über ihre Ängste und Sorgen - oft aufgrund veralteter Rollenbilder, die es nicht erlaubt haben, dass Männer Schwäche zeigen. Dies kann dazu führen, dass Männer in einer Krisensituation nicht wissen, wie sie mit der Vielzahl an Gefühlen umgehen sollen. Hilflosigkeit, Trauer, Schmerz und Wut führen dann in Extremsituationen zu einer Überforderung und leider letztlich auch zu Gewalttaten.

HILFE UND INFORMATIONEN

Die Caritas hat speziell für Männer viele Beratungsstellen, wo sich Betroffene in Krisensituationen hinwenden können:

Mehr als 3000 Hilfesuchende rufen pro Jahr auch beim gemeinnützigen Verein „Männernotruf“ an - und dies aus ganz Österreich. Die 33 qualifizierten, ehrenamtlichen Mitarbeiter des Männernotrufs sind rund um die Uhr, von Montag bis Sonntag, unter 0800 246 247 oder per Mail erreichbar.

Sind Sie bereits Zeuge von häuslicher Gewalt gewesen? Wie haben Sie bzw. Ihr Umfeld reagiert? Wie können wir als Gemeinschaft effizient Opfer von Übergriffen unterstützen? Wir freuen uns auf hilfreiche Diskussionen.

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