22.10.2021 14:05 |

Doping-Prozess

Preidler erneut zu 12 Monaten bedingt verurteilt

Der neu aufgerollte Dopingprozess gegen den ehemaligen Radprofi Georg Preidler hat am Freitag am Innsbrucker Landesgericht nach einer teilweisen Aufhebung des Urteils vom Juli 2020 durch den Obersten Gerichtshof (OGH) auch im zweiten Rechtsgang mit zwölf Monaten bedingter Haft geendet. Verringert wurde hingegen die Geldstrafe, die sich nunmehr statt 2880 Euro auf 1440 Euro beläuft. Das Urteil des Schöffensenats ist bereits rechtskräftig. Verteidigung und Staatsanwaltschaft verzichteten auf Rechtsmittel.

Preidler wurde vorgeworfen, zwischen März 2017 und März 2019 Rennradmannschaften, Sportveranstalter und Unterstützer durch Anwendung von Blutdoping und Wachstumshormon getäuscht und zur Auszahlung von Prämien, Sponsorengeldern und Entlohnungen veranlasst zu haben. Der angeklagte Schaden belief sich auf 286.000 Euro.

Der Steirer bekannte sich am Freitag bei der Verhandlung wiederum als teilweise schuldig. Diesmal gab er aber an, dass er sehr wohl gewusst hat, vor 2018 illegale Substanzen konsumiert zu haben. Im Vorjahr hatte er entgegen der Aussagen eines Belastungszeugens behauptet, keine Kenntnis darüber gehabt zu haben, dass es sich um illegale Substanzen handle. Preidler hatte zugegeben, ab 2018 mithilfe des deutschen Arztes Mark S. Blutdoping betrieben zu haben.

„Hat Leistung dennoch erbracht“
Nach der teilweisen Aufhebung des Juli-Schuldspruchs durch den OGH argumentierte der Verteidiger des ehemaligen Radprofis nunmehr vor dem Schöffensenat, dass die sportliche Leistung von Preidler durch das Doping nicht null und nichtig geworden sei. „Er hat seine Leistung dennoch erbracht“, argumentierte er hinsichtlich der damals bestehenden Dienstverträge des Spitzensportlers und sprach sich darüber hinaus für einen Freispruch des Ex-Radprofis in den Anklagepunkten aus. Der öffentliche Ankläger wiederum plädierte für eine „der Schuld und Tat angemessenen Bestrafung“.

Weiters merkte der Verteidiger von Preidler an, dass der Angeklagte nur zu „relativ wenigen und minimalen Zeiten gedopt“ habe. Er sei zu „wesentlichen Zeiten seiner laufenden Verträge nicht gedopt“ gewesen und sei diesen somit nachgekommen, so der Verteidiger. Ähnlich argumentierte auch der Ex-Radprofi selbst. „Ich habe meinen Job gemacht und habe dem Arbeitgeber keinen Schaden zugefügt“, so Preidler. Man sei mit ihm „sehr zufrieden gewesen“ und auch negative Auswirkungen auf Sponsoren habe es wegen der Doping-Thematik nicht gegeben.

Urteil soll „klares Signal setzen“
Der Richter wollte jedoch in seiner Urteilsbegründung diese Sichtweise nicht teilen. Preidler habe seine Arbeitgeber „getäuscht“ und durch die ausgezahlten Beträge sei zudem kein geringer Schaden entstanden, womit von einem schweren gewerbsmäßigen Betrug auszugehen sei. Als mildernd sah der Richter auch bei der heutigen Verhandlung die Unbescholtenheit des Angeklagten an. Das Urteil solle zudem insgesamt ein „klares Signal setzen“, dass Doping in der Gesellschaft keinen Platz habe.

Das Urteil von Juli 2020 war vom OGH nach einer Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung Preidlers teilweise aufgehoben worden. Der OGH betonte in seiner Entscheidung im April 2021, für eine Strafbarkeit müsse auch die Schädigungsabsicht erfüllt sein. Zudem müsse das Erstgericht prüfen, ob die Leistung Preidlers für seine Arbeitgeber „brauchbar“ war. Ein Gerichtssprecher hatte im Vorfeld erklärt, dass nunmehr geklärt werden müsse, inwieweit für die Auslandsaktivitäten - Radprofis üben ihren Beruf großteils im Ausland aus - die inländische Gerichtsbarkeit gelte. Auch dies gehe aus dem OGH-Urteil hervor.

krone Sport
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