25.09.2021 10:45 |

Vereinzelt Pfiffe

Olaf Scholz: SPD-Finale aus der Welt von gestern

Ein mitreißendes Wahlkampffinale sieht anders aus. Jenes von SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz in Köln vor der deutschen Bundestagswahl am Sonntag glich eher einer Reise in die Vergangenheit. Alte Themen, alte Musik - trotz vieler junger Menschen im Publikum. Die waren aber eher kritisch eingestellt.

Der Kölner Heumarkt und die Sozialdemokratie haben eine historische Verbundenheit. Hier, in der Nummer 65, befanden sich von 1848 bis 1849 die Redaktionsräume der „Neuen Rheinischen Zeitung“ unter der Leitung von Karl Marx und Friedrich Engels, die Begründer des Kommunismus.

Hier stellte 2009 Frank-Walter Steinmeier als SPD-Chef die unbekannte Hannelore Kraft als Spitzenkandidatin für den Ministerpräsidentenposten für Nordrhein-Westfalen vor - sie gewann. Hier hielt Martin Schulz als Kanzlerkandidat 2017 eine Brandrede - und verlor. Und nun Olaf Scholz.

Die Rede von Scholz hatte wenig Esprit
„Die SPD hat in Köln an Zugkraft verloren“, sagt Madeleine. Die 49-Jährige wohnt am Heumarkt und wird Scholz nicht wählen. „Er hat eine altmodische Einstellung. Sein einziges Interesse ist Macht.“ Die Veranstaltung hatte tatsächlich etwas Altbackenes. Als Musik liefen Doris Day und Django Reinhardt, die Vorreden der Parteispitzen beschwören „ein sozialdemokratisches Jahrzehnt“. Anne Hidalgo, die sozialistische Bürgermeisterin von Paris und Spitzenkandidatin für die französische Präsidentschaft, war zur Unterstützung angereist.

Die etwa 50-minütige Rede von Olaf Scholz hatte wenig Esprit. Er bediente gewohntes Klientel. Rentensicherheit, Arbeitsplätze, leistbares Wohnen. Den Klimawandel streift Scholz erst am Ende.

Vereinzelter Unmut aus dem Publikum
Das sorgt für Unmut unter den vielen jungen Besuchern. Scholz‘ Rede wurde vereinzelt von Trillerpfeifen begleitet, kritische Plakate von SPD-Anhängern mit Fahnen verdeckt. Zugang zum Bühnenbereich hatten nur Parteibuch-Inhaber. Dennoch glaubt Scholz, „dass die Mehrheit mich als Kanzler sehen will“. Am Kölner Heumarkt träumt die SPD eben noch von früher.

Clemens Zavarsky
Clemens Zavarsky
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