29.08.2021 13:03 |

Gefährliche Invasoren

Exotische Blutsauger im Visier der Forschung

Stechmücken können Überträger von Krankheiten sein. Zunehmend zum Problem werden eingeschleppte Insekten aus dem asiatischen Raum. Die inatura Dornbirn hat daher ein Monitoring- Projekt gestartet.

Sie sind die unliebsame Begleiterscheinung lauer Abende: Mücken. Mit hohem Summton und ihrem Hunger auf Blut gehören sie nicht gerade zu den Sympathieträgern im Insektenreich. Heimische Stechmückenarten mögen zwar lästig sein, sind aber meist harmlos. Anders sieht es da bei ihren exotischen Vettern aus dem asiatischen Raum aus. Diese breiten sich zunehmend in Mitteleuropa aus und können mitunter gefährliche Krankheiten übertragen. Deshalb läuft aktuell bis 2022 in Vorarlberg ein entsprechendes Monitoring- Projekt der inatura Dornbirn. In dessen Rahmen soll erforscht werden, welche exotischen Blutsauger im Ländle vorkommen. Es wird vor allem nach Hinweisen auf die asiatische Tigermücke, die koreanische Buschmücke sowie die japanische Buschmücke gesucht. „Die asiatische Tigermücke stellt sicher das größte Problem dar und wurde bereits in Basel und am Oberrhein nachgewiesen. In Zürich werden seit einigen Jahren konkrete Bekämpfungsmaßnahmen gesetzt, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern“, berichtet Klaus Zimmermann. Der Biologe hat die Schirmherrschaft über das Vorarlberger Monitoring-Projekt inne.

Enormer Aufwand
Mit Unterstützung durch die Biologinnen Lisa Klocker und Nadja Bereuter werden an insgesamt acht Standorten im Land Mückeneierfallen aufgestellt. „Dabei handelt es sich um Kunststoffbehältnisse mit einem Liter Fassungsvermögen, die mit Wasser, das mit Heuauszug angereichert wurde, gefüllt sind. Darin befindet sich ein Holzspatel, auf dem die angelockte Mücke ihre Eier ablegt. Dem Wasser-Auszug-Gemisch ist noch ein Präparat beigemengt, dass verhindert, dass sich die Mückenlarven entwickeln“, erläutert Zimmermann. Alle 14 Tage werden die Fallen kontrolliert und die Spatel unter dem Mikroskop auf Mückeneier untersucht. Die gesammelten Daten fließen mit ein in ein groß angelegtes Forschungsprojekt der Med Uni Wien und der AGES (Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit).

Von den Experten der WHO (Weltgesundheitsorganisation) und der ECDC (European Center for Disease Prevention and Control) wurde auch ein Katalog ausgearbeitet, an welchen Standorten die Einschleppung exotischer Mücken in Mitteleuropa zu erwarten ist. An diesen Daten orientiert sich das inatura-Forschungsprojekt. „Grob zusammengefasst können die Mücken überall dort auftauchen, wo viel Menschen und Warenverkehr herrscht“, hebt Zimmermann hervor. Sprich auf Flughäfen, Bahnhöfe, Autobahnraststätten und ähnlichen Orten. An jedem ausgewählten Standort werden mindestens fünf Fallen angebracht. Diese regelmäßig zu kontrollieren und neu zu befüllen nimmt viel Zeit in Anspruch. Hinter dem Mücken Monitoring steckt also ein großer Aufwand.

Tigermücke als Gefahr
Das Hauptaugenmerk liegt dabei ganz klar auf der Tigermücke. „Diese Art kann unter anderem das Denguefieber, auch Knochenbrecherfieber genannt, und das Westnilfieber übertragen“, weiß Zimmermann. Dieser Fakt sollte keinesfalls auf die leichte Schulter genommen werden, denn diese Krankheiten können einen schweren Verlauf nehmen. Das hat Zimmermann 2009 in Kap Verde bei der ersten Dengue-Epedemie des Landes selbst miterlebt. Damals waren binnen drei Wochen rund 20 Prozent der Bevölkerung erkrankt, Notlazarette mussten eiligst eingerichtet werden, das öffentliche Leben kam zum Erliegen. Das war für ihn auch der Anstoß zur Initiierung des Monitoring-Projekts. „Lange Zeit ging man davon aus, dass die Tigermücke in unseren Breitengraden gar nicht überleben könne. Sie hat uns das Gegenteil bewiesen,“ stellt er klar.

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Die Asiatische Tigermücke kann unter anderem das Denguefieber, auch Knochenbrecherfieber genannt, und das Westnilfieber übertragen. Lange Zeit ging man davon aus, dass diese Art unseren Breitengraden gar nicht überleben kann. Sie hat uns das Gegenteil bewiesen.

Biologe Klaus Zimmermann

Faktor Klimawandel
Durch internationale Reisetätigkeiten und globalen Handel werden immer mehr gebietsfremde Mückenarten eingeschleppt. Die aktuelle Klimaentwicklung hilft den wärmeliebenden Arten sich hier zu etablieren: Die japanische Buschmücke wird seit 2015 regelmäßig nachgewiesen und breitet sich stark aus, wobei sie teilweise heimische Mücken verdrängt. Sie kann das Usutu-Virus übertragen, eine Erkrankung, die bei Menschen mit intaktem Immunsystem oft mit geringen Beschwerden verläuft, jedoch auch Auslöser für eine Enzephalitis (Gehirnhautentzündung) sein kann und auf keinen Fall in Blutkonserven gelangen sollte.

Die Tigermücke wurde in Vorarlberg bislang noch nicht nachgewiesen. Dennoch ist es wichtig, die Situation im Auge zu behalten. „Wenn Krankheitsfälle auftreten, die durch exotische Mückenarten übertragen werden, dann braucht es sofort Experten die handeln und die richtigen Schritte setzen. Man muss für solch einen Fall vorbereitet sein und sich über die Grenzen hinweg austauschen, etwa mit den Experten der European Mosquito Control Association“, unterstreicht Zimmermann die Dringlichkeit. Stechmücken können eine Vielzahl von Viren, Bakterien und Parasiten auf Mensch und Tier übertragen. Den neu eingeschleppten Arten kommt daher eine sehr hohe medizinische und veterinärmedizinische Relevanz zu.

„Citizen Science“
Die inatura Dornbirn bittet nun darum, Mücken mit schwarz-weiß geringelten Beinen zu melden. Dabei ist es wichtig, en Fundort und das Funddatum anzugeben sowie nach Möglichkeit ein hochauflösendes Foto zu machen, auf dem die geringelten Hinterbeine des Insekts zu sehen sind. Die Mücke selbst kann durch Einfrieren abgetötet und an die inatura Fachberatung (Jahngasse 9, 6850 Dornbirn) versandt werden. Platt gequetschte Exemplare können allerdings nicht mehr bestimmt werden, daher sollten die Mücken vorsichtig eingefangen werden.

Fakten

Asiatische Tigermücke
Die Asiatische Tigermücke ist optisch leicht zu erkennen: Auffällig sind vor allem die weißen Längsstreifen am ansonsten schwarzen Rücken und am ebenfalls schwarzen Hinterleib, des weiteren sind auch die Beine weiß geringelt. Die Tigermücke ist besonders an den Menschen und seine Umgebung angepasst. Zur Eiablage nutzt sie kleine Pfützen, beispielsweise in alten Autoreifen, Gullys oder Untersetzer für Blumentöpfe. Die Eier überleben auch längere Trockenphasen. Die Tigermücke ist ursprünglich in den südostasiatischen Tropen beheimatet und kann Krankheiten wie Zika- oder Denguefieber übertragen.

Rubina Bergauer
Rubina Bergauer
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