Fast drei Monate saß Kulterer 2010 in Untersuchungshaft, jetzt wird es ernst. Gemeinsam mit dem ehemaligen Chef der Hypo-Österreich, Gert Xander (46), und einem weiteren Ex-Bankmitarbeiter muss er sich für die Gewährung der Kredite ohne entsprechende Sicherheit verantworten.
Kulterer ist wegen Bilanz- und Beweismittelfälschung vorbestraft. Ihm drohen bis zu zehn Jahre Haft. Die beiden anderen Angeklagten sind unbescholten, alle drei erklären sich für unschuldig. Beide Kredite seien ausreichend besichert gewesen. Worum geht es?
Causa "Styrian Spirit"
Zwei Millionen Euro hatte die Hypo 2005 der steirischen Fluglinie "Styrian Spirit" noch an Kredit eingeräumt – wenige Monate später war das Flugunternehmen pleite. Die zwei Millionen waren ebenso futsch wie drei Millionen Euro, mit denen sich das Land Kärnten an der "Styrian" beteiligt hatte. Beides soll auf Drängen des damaligen Landeshauptmannes Jörg Haider geschehen sein. Zum damaligen Zeitpunkt war das Land Kärnten noch Mehrheitseigentümer der Bank.
Beim Hypo-Kredit beruft sich Kulterer auf ein E-Mail von Haider. Darin forderte der Landeschef den Banker auf, "so schnell wie möglich" dem Flugunternehmen die zwei Millionen Euro zur Verfügung zu stellen.
Kredit für Privatdetektiv Guggenbichler
Auch beim zweiten Fall, einem 150.000-Euro-Kredit für den Privatdetektiv Dietmar Guggenbichler ("Lucona"), hatte Haider seine Hand im Spiel. "Ich sitze hier bei Herrn Guggenbichler, dieser benötigt dringend einen Kredit für das Finanzamt. Regle das bitte", gibt ein Telefonprotokoll über ein Gespräch zwischen Haider und Kulterer Aufschluss, wie man sich Kreditvergaben in diesem Umfeld vorstellen muss.
Wegen der tristen finanziellen Lage des Privatdetektivs sollte die Hypo sogar selbst für die Sicherstellung und entsprechende Aufträge an Guggenbichler sorgen. Was angeblich auch geschah – nur dass das Hypo-Honorar nicht zur Kreditabdeckung verwendet wurde.
Kulterer hat noch eine Anklage am Hals: Ihm wird vorgeworfen, über den Zeitpunkt der ersten Verhandlungen zum Verkauf der Hypo an die BayernLB falsch ausgesagt zu haben.
von Waltraud Dengel, "Kärntner Krone"









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