Neues Urzeittierchen

"Diania cactiformis" sieht aus wie ein wandelnder Kaktus

Wissenschaft
24.02.2011 16:33
Zehn Paar stachelige Beine, die aus einem wurmartigen Körper sprießen: Urzeitwesen "Diania cactiformis" erinnert mehr an eine Pflanze als an ein Tier. Wissenschaftler aus Berlin und China, die das sechs Zentimeter lange Tierchen untersucht haben, nennen es sogar einen "wandelnden Kaktus". Der rund 450 Millionen Jahre alte Stachelwurm deutet auf eine verwandtschaftliche Beziehung zwischen Stummel- und Gliederfüßern hin.

Diese Verbindung sei bisher noch nicht belegt gewesen, berichtet Paläontologe Michael Steiner, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Freien Universität Berlin, in der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift "Nature". "Die Fossilien aus China hatten wir seit zehn Jahren in der Schublade. Aber lange wussten wir nicht richtig, was wir damit anfangen sollten." Erst als Steiner sich mit der chinesischen Doktorandin Jianni Liu zusammensetzte, die zurzeit in Berlin arbeitet, kamen sie dem Rätsel gemeinsam auf die Spur.

Jianni Liu besaß Wurm-Fossilien vom gleichen Fundort in China. Als alle Versteinerungen nebeneinanderlagen, erkannten die Forscher eine Art Sphinx: ein Tier, das Merkmale von zwei verschiedenen Tiergruppen in sich trägt, den Stummel- und den Gliederfüßern, so die Wissenschaftler.

Vorfahren der heutigen Insekten
Die Gliederfüßer hatten in der Evolution die Nase vorn und entwickelten sich etwa zu heutigen Insekten, Spinnen, Krebsen oder Tausendfüßern. "Charakteristisch für Gliederfüßer ist eine gepanzerte Hülle wie eine Ritterrüstung", erläutert Steiner. Und natürlich Beine, auf denen sie laufen können.

Stummelfüßer waren im Erdzeitalter Kambrium dagegen kleine, weiche Würmer mit Mini-Beinchen, die im Meer lebten. Weiterentwickelt haben sie sich kaum. Heute finden sie sich an Land - und nur noch in Urwäldern. "Die Art dümpelt eher so vor sich hin", erläutert Steiner.

Suche nach gemeinsamen Vorfahren
Der "wandelnde Kaktus" hat etwas von beiden Arten: Beine zum Laufen und erste Ansätze einer Art Schutzweste am Körper. "Diania cactiformis" existierte daher parallel zu den beiden bekannten Füßer-Arten. Das größte Rätsel bleibt den Wissenschaftlern aber weiter verborgen. Seit Langem suchen sie nach dem gemeinsamen Ur-Vorfahren der verschiedenen Füßer-Familien. Doch der hat sich in Funden aus dem Kambrium noch nicht gezeigt. "Leider", seufzt Steiner.

Bild: Liu Jianni/ FU Berlin

Loading...
00:00 / 00:00
play_arrow
close
expand_more
Loading...
replay_10
skip_previous
play_arrow
skip_next
forward_10
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
explore
Neue "Stories" entdecken
Beta
Loading
Kommentare

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.



Kostenlose Spiele