"Schauprozess"
Ex-KZ-Wächter Demjanjuk droht mit Hungerstreik
So gebe es laut Demjanjuk eine Reihe entlastender Beweismittel, darunter eine 1.400 Seiten umfassende Ermittlungsakte des sowjetischen Geheimdienstes KGB über ihn. Diese Entlastungsmittel seien bisher bewusst nicht im Prozess zugelassen worden. Das Verfahren gegen sich in München bezeichnete der mutmaßliche Kriegsverbrecher als "politischen Schauprozess".
Der für Dienstag geplante Beginn des Plädoyers der Staatsanwaltschaft verzögerte sich zunächst, da Demjanjuks Verteidiger, der bisher bereits über 200 Anträge stellte, im Anschluss an die Erklärung seines Mandanten erneut eine Reihe von Beweisanträgen vorbrachte. Bis zum März sind noch neun weitere Termine angesetzt, dem Zeitplan zufolge könnte dann am 23. März nach fast 16-monatiger Verhandlungsdauer ein Urteil gesprochen werden.
"Ukrainischer Bauer" sieht sich in Opferrolle
Demjanjuk bezeichnete sich selbst am Dienstag als "ukrainischen Bauern", der zunächst unter dem sowjetischen Diktator Josef Stalin Hunger gelitten habe. Später sei er Kriegsgefangener der Nazis gewesen, bevor er auf betrügerische Art von den USA und Israel angeklagt worden sei. Mehr als acht Jahre sei er damals in Israel im Gefängnis gesessen, davon fünf Jahre im Todestrakt, bevor er 1993 wieder freigesprochen worden sei.
Demjanjuk wird von der Anklage der Beihilfe zum Mord an 27.900 Juden beschuldigt. Er soll 1943 KZ-Wächter im Vernichtungslager Sobibor gewesen sein. Im Mai 2009 wurde er aus den USA nach Deutschland abgeschoben und in München wegen Beihilfe zum Mord angeklagt. Seit 30. November verhandelt das Landgericht gegen den kranken 90-Jährigen, der den Prozess von einem rollbaren Bett aus verfolgt.











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