Ach, übrigens...

Körperbetont und bauchfrei

Vorarlberg
25.07.2021 17:55

„Krone“-Kolumnist Harald Petermichl freut sich darüber, dass eine Aktion der norwegischen Beach Handballerinnen Bewegung auslöste.

Jetzt hat man in Tokio auch die letzte Personalfrage geklärt und am Donnerstag den künstlerischen Leiter der Eröffnungsfeier, Kentaro Kobayashi, in die japanische Wüste geschickt, weil er, so OK-Chefin Hashimoto, "bei einem früheren Auftritt Wörter genutzt hat, die sich über eine tragische geschichtliche Tatsache lustig gemacht haben." Gut, man könnte auch sagen, dass ein alter Sketch von ihm mit einer sehr speziellen Sicht auf den Holocaust aufgetaucht ist.

Einer der Komponisten für das Spektakel war wegen Mobbingvorwürfen ohnehin schon zurückgetreten und Hashimotos Vorgänger Yoshiro Mori hatte man wegen sexistischer Äußerungen bereits im Februar zum Hutnehmen ermuntert. Und so sind am Freitag die Spiele der 32. Olympiade in Abwesenheit der Delegationen aus Nordkorea und Guinea eröffnet worden.

Davon haben alle, die nichtolympischen Sportarten wie Drachenbootrennen, einarmiges Gewichtheben, Beach Handball oder Schwingen frönen, herzlich wenig, aber die Beach Handballerinnen haben es aktuell aus einem recht abenteuerlichen Grund in die Schlagzeilen geschafft: Der zuständige Weltverband, die IHF, hatte sich nämlich bemüßigt gesehen, Geldstrafen gegen die norwegischen Spielerinnen zu verhängen, weil diese bei der EM gegen die Bekleidungsvorschrift gemeutert und statt der geforderten Bikinihosen banale Shorts getragen hatten; ein veritabler Skandal also.

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Wer nun meint, das habe damit zu tun, dass es für die Sandballerei besonders praktisch sei, stutzt bei einem Blick auf die Vorschriften für die Herren der Schöpfung.

Harald Petermichl

In all ihrer Pracht ist diese Vorschrift auf Seite 88 des Regelwerks nachzulesen und besagt, dass die Tops der Frauen "bauchfrei und eng geschnitten" sein müssen, und dass "körperbetont geschnittene Bikinihosen mit einem hohen Beinausschnitt" zu tragen seien, basta! Wer nun meint, das habe damit zu tun, dass es für die Sandballerei besonders praktisch sei, stutzt bei einem Blick auf die Vorschriften für die Herren der Schöpfung, denn von bauchfrei ist da nichts zu lesen und von Bikinihosen schon gar nicht; vielmehr müssen Shorts getragen werden, die bis zu zehn Zentimeter Patella-abwärts schlabbern dürfen, also nur bedingt "körperbetont", was im Übrigen "körperbetonend" heißen müsste.

Was die Handball Federation, in deren Regelkommission mit der Schwedin Monika Hagen immerhin eine Frau neben fünf Herren sitzt, da ausklamüsert hat, und zwar nicht in den 1950ern, sondern 2014, bleibt einem verborgen, aber offenbar kommt wegen der tough Norwegians und der Solidarität ihres Nationalverbands jetzt tatsächlich Bewegung in die Sache und die IHF will im Herbst ernsthaft über einen neuen Dresscode nachdenken. Wurde auch Zeit.

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