Vergleich mit Pocken

Expertin fordert Impfpflicht auch für Friseure

Österreich
25.07.2021 12:41

Die Vorsitzende der Bioethikkommission, Christiane Druml, spricht sich für eine Impfpflicht gegen Covid-19 für diverse Berufsgruppen aus. Der Medizinerin schwebt eine derartige Pflicht nicht nur im gesamten Bildungs-, Pflege- und Gesundheitsbereich vor - zu dem sie auch Apotheker, 24-Stunden-Pfleger und Hebammen zählt -, sondern für alle körpernahen Berufe wie Friseure, Masseure oder Hand- und Fußkosmetik. 

Die Freiwilligkeit habe ihre Grenzen, wenn es um eine Erkrankung gehe, „die unser Wirtschafts- und Sozialsystem weltweit in einen Krisenmodus gebracht hat“, betonte die Expertin in einem Interview mit der „Kleinen Zeitung“.

Zudem gehe es um die Frage der Verhältnismäßigkeit. „Der Stich ist geringfügig, die Erkrankung ist aber gefährlich, und der Nutzen für die Gesamtbevölkerung ist ein sehr hoher“, argumentierte sie. Sich impfen zu lassen, sei die „gesamtgesellschaftliche Verpflichtung des Einzelnen“.

Bioethikerin Christiane Druml (Bild: APA/Georg Hochmuth)
Bioethikerin Christiane Druml

Pocken als Beispiel für Erfolg der Impfpflicht
„Ohne Impfpflicht hätten wir die Pocken Ende der 1970er-Jahre nie ausgerottet“, so die Chefin der im Bundeskanzleramt angesiedelten Bioethikkommission. Ein autonomes Agieren der Bundesländer in dieser Frage halte sie für absurd. „Ich wüsste nicht, warum es epidemiologisch begründbar ist, dass es in einem Bundesland die Verpflichtung gibt und im anderen nicht“, findet Druml.

Auch Einbindung der Lehrer „unerlässlich“
Und auch die Einbindung der Lehrer hält sie für unerlässlich, schließlich seien sie Multiplikatoren und sollten nach dem Prinzip des Nichtschadens und der Fürsorge für die Kinder handeln. Solange Kinder nicht geimpft werden können, hätten alle, die mit Kindern zu tun haben, eine besondere Verantwortung.

Ein Nein dazu kam postwendend von der FPÖ: Die Ausdehnung der Impfpflicht auf Berufsgruppen bedeute nichts anderes, als diese „durch die Hintertüre“ einzuführen, kritisierte deren Sozialsprecherin Dagmar Belakowitsch: „Sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber müssen endlich vor diesen Wahnsinnsideen geschützt werden.“ Die am Markt befindlichen Impfstoffe schützten nicht vor der Infektionsweitergabe, argumentierte Belakowitsch. 

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