13.07.2021 12:51 |

„Verheerende Folgen“

Scharfe Kritik an britischer Öffnungsstrategie

Wenig Freude mit den bevorstehenden weitgehenden Lockerungen in England äußerten britische Ärzte am Dienstag. Das nahezu vollständige Aus der Corona-Regeln bringe „potenziell verheerende Folgen“ mit sich, so die Einschätzung. Der Chef der Ärztevereinigung BMA, Chaand Nagpaul, nannte das Vorhaben am Dienstag „unverantwortlich und - ehrlich gesagt - gefährlich“.

Nagpaul kritisierte vor allem Premierminister Boris Johnson. Dieser hatte am Montag angekündigt, dass ab 19. Juli fast alle Regeln aufgehoben werden. „Der Premierminister hat wiederholt die Bedeutung eines langsamen und vorsichtigen Vorgehens betont. Aber in Wirklichkeit wirft die Regierung alle Vorsicht in den Wind, indem sie alle Vorschriften auf einen Schlag aufhebt.“ Kabinettsmitglied Stephen Barclay verteidigte hingegen die Ankündigung.

Abstandspflicht und Maske fallen
Johnson hatte am Vortag angekündigt, am 19. Juli fast alle verbliebenen Corona-Regeln aufzuheben. Damit fallen Abstandspflicht und Maskenpflicht, Nachtclubs dürfen wieder öffnen, und für Veranstaltungen gibt es keine Zuschauerbeschränkungen mehr. Zwar bat Johnson mit Nachdruck die Bevölkerung darum, an Orten mit vielen Menschen weiter Masken zu tragen, und forderte Discos und Veranstalter auf, ihre Gäste mithilfe eines digitalen Impfpasses zu kontrollieren.

Gesetzlich vorgeschrieben ist das aber nicht. Wegen der Ausbreitung der hochansteckenden Delta-Variante war die Zahl der Corona-Neuinfektionen zuletzt landesweit deutlich gestiegen.

„Kein perfekter Zeitpunkt für Öffnung“
Finanz-Staatssekretär Barclay sagte dem Sender Sky News, es gebe keinen perfekten Zeitpunkt für die Öffnung. Der Impferfolg biete nun aber ein Zeitfenster, auch angesichts der bevorstehenden Schulferien. Das Land müsse „zur Normalität zurückkehren“ und lernen, mit dem Virus zu leben. Er räumte aber ein, dass erneut Regeln eingeführt werden könnten, wenn die Situation sich verschärft.

Das wissenschaftliche Expertengremium Sage, das die Regierung berät, geht wegen der Lockerungen von mindestens 1000 Krankenhauseinweisungen sowie 100 bis 200 Toten täglich aus.

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