Passant erschossen
Erster Toter bei Protesten der Opposition im Iran
Der Nachrichtenagentur Fars zufolge wurde der Mann bei den Protesten in Teheran erschossen. "Elemente des Aufruhrs" und der "terroristischen Söldnergruppe" der Volksmudjaheddin hätten das Feuer auf Zivilisten eröffnet, so die Agentur, die allerdings in enger Verbindung mit dem Regime von Mahmoud Ahmadinejad steht.
Auch die iranische Polizei hat die Opposition für den Tod eines Demonstranten in Teheran verantwortlich gemacht. Mitglieder der verbotenen oppositionellen Volksmujaheddin hätten bei den Protesten am Montag Schüsse abgegeben und dadurch einen Menschen getötet und neun Polizisten verletzt, sagte Polizeichef Ahmad Reza Radan am Dienstag zu Fars. Mehrere Volksmujaheddin seien festgenommen worden. Radan machte auch den iranischen Oppositionsführern schwere Vorwürfe. Sie hätten "Blut an den Händen und müssen sich für ihre Taten verantworten".
"Tod dem Diktator"
Augenzeugen zufolge versammelten sich Tausende Demonstranten in kleinen Gruppen im Westen des Zentrums. Sie waren in Richtung des Azadi-Platzes (Platz der Freiheit) losgezogen, um sich dort zu einem ähnlichen Protest wie die Ägypter auf dem Tahrir-Platz in Kairo zu versammeln. In Anspielung auf Präsident Ahmadinejad riefen sie "Tod dem Diktator". Einige setzten Mülltonnen in Brand.
Bei den Protesten, die wenige Tage nach den offiziellen Feiern zum 32. Jahrestag der Revolution 1979 stattfanden, handelte es sich um die größte Demonstration gegen die Regierung seit einem Jahr.
Via Internet organisiert
Nach unbestätigten Berichten kam es dabei in der iranischen Hauptstadt zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften, mehrere Oppositionsanhänger wurden festgenommen. Auf Websites verbreitete die Opposition den Aufruf, dass nach den arabischen Führern nunmehr das Regime in Teheran an der Reihe sei, gestürzt zu werden. Da es der ausländischen Presse in Teheran ausdrücklich verboten ist, direkt von Protestveranstaltungen zu berichten, bleiben Websites der Opposition und Augenzeugenberichte die einzigen Quellen der Ereignisse.
Über das soziale Netzwerk Facebook wurde der iranischen Führung angedroht, ihre Mitglieder würden ein ähnliches Schicksal wie Hosni Mubarak erleiden. Der ägyptische Präsident war am vergangenen Freitag nach wochenlangen Protesten vom Militär entmachtet worden.
Moussavi unter Hausarrest
Die Behörden in Teheran hatten die Demonstrationsanträge der "Grünen Welle", wie sich die vom früheren Regierungschef Mir-Hossein Moussavi angeführte Opposition nennt, abgelehnt und mit Polizeieinsatz gedroht. Nach unbestätigten Berichten wurden sowohl Moussavi als auch der frühere Parlamentspräsident Mehdi Karroubi unter Hausarrest gestellt. Moussavis Haus sei von Polizeikräften umstellt worden. Mindestens 18 Oppositionsangehörige seien bereits im Vorfeld der Demonstrationen festgenommen worden.
Die USA unterstützen demonstrativ die Anti-Regierungs-Proteste im Iran. Außenministerin Hillary Clinton äußerte am Montag Sympathie für die Demonstranten. Sie wünschte der Opposition gegen das Regime einen ähnlichen Erfolg wie in Ägypten. Um die Kommunikation zwischen Regierungskritikern zu unterstützen, startete das US-Außenministerium einen Twitter-Kanal auf Farsi (Persisch). Clinton äußerte nach Angaben der Online-Zeitung "Politico" vor Journalisten "klare und direkte Unterstützung für die Hoffnungen des Volkes, das im Iran auf die Straße geht". Sie forderte die Führung in Teheran auf, ihr Regime zu öffnen und freie Meinungsäußerung zuzulassen.
Tote auch in Bahrain
Auch im Golfstaat Bahrain ist in Folge einer gewaltsamen Auflösung regierungskritischer Proteste ein Demonstrant gestorben, mindestens 20 weitere wurden verletzt. Der Mann sei den Verletzungen erlegen, die er am Montagabend bei der Auflösung einer Demonstration im Dorf Diya östlich der Hauptstadt Manama durch die Polizei erlitten habe, berichteten Augenzeugen am Dienstag. Das Innenministerium in Manama bestätigte in einer Erklärung, dass ein Demonstrant gestorben sei. Eine Untersuchung solle nun klären, ob die Sicherheitskräfte den Tod durch einen nicht gerechtfertigten Einsatz von Waffen verursacht hätten.
Im Vorfeld der Trauerfeier für den getöteten Demonstranten sollen Sicherheitskräfte nach Angaben der Opposition einen weiteren Menschen getötet haben. Die Sicherheitskräfte hätten am Dienstag die vor einem Krankenhaus in der Hauptstadt Manama versammelte Trauergemeinde gewaltsam auseinandergetrieben und dabei einen Mann durch Schüsse getötet, sagte der oppositionelle Abgeordnete Khalil Ibrahim el Marzuk der Nachrichtenagentur AFP.
Auseinandersetzungen wegen sunnitischer Herrschaft
Die Polizei hatte am Montag in mehreren schiitischen Dörfern hunderte regierungskritische Demonstranten mit Tränengas auseinandergetrieben. Die Demonstranten waren für politische und soziale Reformen auf die Straße gegangen und waren damit dem Vorbild der Opposition in Tunesien und Ägypten gefolgt.
Bereits am Sonntag waren bei Zusammenstößen mehrere Menschen verletzt worden. Um weitere Proteste im Keim zu ersticken, ließ die Regierung an strategisch wichtigen Punkten massiv Sicherheitskräfte auffahren. Das arabische Königreich wird von einer sunnitischen Herrscherfamilie regiert, während schiitische Muslime die Bevölkerungsmehrheit stellen. Mehrere politische Gruppierungen der Schiiten unterstützten den Protestaufruf, den Unbekannte im Internet verbreitet hatten.











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