21.06.2021 00:12 |

Erstaunliche Fakten

Was sagt die Reaktion über Wirkung der Impfung?

Gehören Sie auch zu jenen Menschen, die nach der Covid-Impfung mit Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit oder heftigen Kopfschmerzen für ein paar Stunden oder gar Tage außer Gefecht gesetzt und darüber sogar etwas erleichtert waren? Die Reaktion sei ein gutes Zeichen dafür, dass das Immunsystem die Botschaft verstanden und die Arbeit aufgenommen habe, hieß es stets. Wir wollten es genauer wissen, fragten nach und erfuhren Erstaunliches.

Impfreaktionen sagen rein gar nichts über die Wirkung einer Impfung aus. Reaktion und Immunitätsaufbau laufen auf unterschiedlichen Ebenen ab, wie jetzt auch bekannte Molekularbiologen und Virologen erklären. „Nebenwirkungen sind unbedeutend, wenn es darum geht, einen guten Schutz gegen die jeweilige Krankheit aufzubauen. Das gilt grundsätzlich für alle Impfstoffarten“, betont Virologe Dr. Sebastian Ulbert, Abteilungsleiter „Impfstoffe und Infektionsmodelle“ am renommierten deutschen Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie.

Dass Nebenwirkungen nichts über den Schutz aussagen, zeigt auch ein Blick auf jüngste Studien: Es haben weit mehr Menschen einen guten Schutz vor dem SARS-CoV2-Virus aufgebaut, als es Meldungen von Nebenwirkungen gibt.

Viele reagieren auf die Zusatzstoffe in der Impfung
Warum einige Menschen so stark auf die Impfung reagieren und andere gar nicht, hat unterschiedliche Ursachen. Zum einen springt bei den meisten von uns nach dem Einstich das angeborene Immunsystem an. Unser Körper muss sich mit den verabreichten Stoffen beschäftigen. Das kostet Kraft. Fieber, Gliederschmerzen und andere, teils heftigere Nebenwirkungen können die Folge sein. Zum anderen reagieren viele „auch auf die Zusatzstoffe, die in jeder Impfung enthalten sind“, erklärt Virologe Ulbert.

So ist zum Beispiel die uns injizierte mRNA, quasi die Erbinformation für Teile des Coronavirus, von künstlichen Fetten umhüllt. Die Reaktionen auf diese Substanzen sind für viele der bekannten Nebenwirkungen verantwortlich. Fazit: Impfreaktionen sind auf unser fleißiges Immunsystem zurückzuführen oder auf gewisse Reaktionen, die Zusatzstoffe verursachen. Mit der Höhe des Impfschutzes hat das allerdings nichts zu tun.

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Nebenwirkungen gibt es auch auf Zusatzstoffe, die in Impfungen enthalten sind.

Virologe Dr. Sebastian Ulbert

Zahl der Antikörper viel unwichtiger als gedacht
Für Verunsicherung sorgt aktuell auch die Diskussion rund um die Höhe der Spike-Protein-Antikörper, umgangssprachlich „Corona-Antikörper“. Selbst wenn bei Ihnen nach einer Impfung oder einer durchgemachten Erkrankung nur wenige Antikörper nachgewiesen werden, heißt das nicht, dass Sie nicht geschützt sind. „Erstens werden durch die Impfung auch T-Zellen gebildet, welche das Virus im Fall einer Infektion eliminieren können. Und zweitens führen Impfstoffe - ebenso wie eine durchgemachte Erkrankung - zur Bildung eines immunologischen Gedächtnisses. Erfolgt ein neuerlicher Kontakt mit dem Virus, wird dieses Gedächtnis aktiviert, und neue Antikörper werden zum Schutz gebildet“, erklärt Ulbert.

Geschützt durch Antikörper-Militär und T-Zellen-Geheimdienst
Bildlich gesprochen, sind Antikörper das Militär des Körpers, T-Zellen der Geheimdienst. Was wir dank neuer Erkenntnisse auch wissen: Der Schutz nach einer durchgemachten Corona-Erkrankung scheint weit besser als vermutet und hält sehr lang, vielleicht sogar für immer.

Für die Impfung könnte Ähnliches gelten: Einige Forscher gehen davon aus, dass eine Impfung, meist aus zwei Teilimpfungen bestehend, ausreicht, um für viele Jahre, vielleicht lebenslang, immun zu sein – was eine Auffrischung ersparen würde. Demnach könnte es so wie etwa bei einer Mumps-Masern-Röteln-Impfung sein: Menschen, die dagegen geimpft sind, sind in der Regel vor eben diesen Krankheiten für immer gefeit.

Dem gegenüber stehen Menschen, die schon nach ein paar Monaten ein zweites Mal erkrankt sind oder sich trotz vollständiger Impfung infizieren. Zieht man die immensen Auswirkungen der Pandemie auf die gesamte Welt in Betracht, versteht man allerdings die große Vorsicht der Wissenschaft, die immer noch täglich dazulernt.

Silvia Jelincic, Kronen Zeitung

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