21.05.2021 19:04 |

Olivgrüne Rettung

Liftler und Heer trainieren Bergung aus Seilbahn

Erstmals trainierten Liftler und Bundesheer in Österreich gemeinsam die Bergung aus einer Seilbahn. Eines ist klar: Auf diese Männer können sich Wintersportler sicher verlassen.

Jänner 1992: Ein Liftunglück auf dem Nassfeld fordert vier Tote und neun Schwerverletzte. 250 Personen mussten aus dem Sessellift geborgen werden. Viel hat sich seither verbessert und die Anlagen wurden immer sicherer.

„Es muss kein Unglück passieren, es reicht schon ein gröberer Stromausfall, um Menschen aus Seilbahnen retten zu müssen“, so Betriebsleiter Hansi Michenthaler von den Bergbahnen Bad Kleinkirchheim, wo Freitag die Übung stattfand. Er kann stolz auf seine Kollegen, wie Klaus Brunner sein, die erstmals bei einer Übung mit Bundesheer-Hubschraubern auf die Seilbahnstützen geflogen wurden.

„Im Notfall kann uns die Behörde zur Assistenz anfordern, auch bei Seilbahn-Unfällen“, erklärt Hauptmann Gerald Schumer vom Jägerbataillon 25 und Kommandant der Flugrettereinsatzgruppe Süd des Österreichischen Bundesheeres. Brunner: „Vom Hubschrauber von einem Flugretter direkt auf der Stütze abgesetzt zu werden, ist schon was ganz anderes.“ Doch kaum angekommen, ist der Rest für Klaus und seine Kollegen reine und oftmals geübte Routine. Schon Minuten später sind die Personen aus den Kabinen geborgen.

Doch nicht nur für die Seilbahn-Mitarbeiter war die Einsatzübung eine Premiere.

„Wir haben zuvor auch noch nie Personen aus einer Seilbahnkabine geborgen“, so die Piloten der legendären Alouette III und der „Agusta Bell 212“, liebevoll 212er, genannt. Obwohl sehr erfahren, machte den Crews der böige Wind in den Nockbergen zu schaffen. „Wir mussten einige Bergungen abbrechen und teilweise an das Leistungsmaximum der Hubschrauber gehen.“ An Bord ist das Zusammenspiel zwischen Piloten und Technikern deshalb entscheidend, um die Heeres-Flugretter sicher auf den kleinen Kabinendächern und Mini-Plattformen der Seilbahnstützen zu manövrieren.

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Übungen sind wichtig, damit wir im Ernstfall mit den Seilbahnern und Bergrettern auch sicher zusammen arbeiten können.

Gerald Schumer, Kommandant Flugrettereinsatzgruppe

An der Gemeinschaftsübung beteiligt waren auch die Bergretter der Ortsstellen Klagenfurt, Ferlach, Bad Eisenkappel, Radenthein, Villach und Spittal.

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Es ist bei uns zwar noch nie etwas passiert, dennoch ist Trainieren wir regelmäßig die Bergung aus unseren Sesselliften und Seilbahnen.

Hansi Michenthaler Betriebsleiter, Bergbahnen

„Es ist einfach sehr wichtig, dass wir regelmäßig die Zusammenarbeit mit dem Bundesheer üben“, so Klagenfurts Ortsstellenleiter Kurt Müller: „Denn wenn uns der Flugretter auf der Gondel absetzt, dann müssen wir uns zuerst selbst sichern und in diesem Fall ist der Hubschrauber für Bruchteile von Sekunden mit dem Boden verbunden. Das ist sehr gefährlich und um Fehler zu vermeiden, üben wir.“ In der Rolle eines Beobachters wird einem jedenfalls schnell klar: Hier sind Profis am Werk, auf die man sich im Ernstfall garantiert verlassen kann.

Hannes Wallner
Hannes Wallner
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