15.05.2021 06:00 |

Dickes Minus

Corona-Krise schadete Österreich mehr als anderen

Sieben Monate Lockdown gehen zu Ende. Der private Konsum ist schwer eingebrochen und wird erst 2024 wieder auf Vorkrisenniveau sein. Die Pandemie hat einen historischen Einbruch unserer Wirtschaftsleistung verursacht. Hauptverantwortlich dafür war die staatlich verordnete Schließung ganzer Wirtschaftszweige: Je stärker dieser „Lockdown“, umso größer das Minus bei der Wertschöpfung.

Beim Ausbruch von Covid-19 hat Österreich das öffentliche Leben extrem stark zurückgefahren. Die Universität Oxford hat einen „Lockdown-Index“ (von 0 bis 100) entwickelt, auf dem wir im April 2020 und jetzt im Frühjahr 2021 für etliche Wochen bei über 80 Prozent lagen. Dazwischen hat sich die Konjunktur wieder etwas erholt, doch unterm Strich liegt die Wertschöpfung der heimischen Wirtschaft jetzt noch um etwa 20 Milliarden Euro (etwa fünf Prozent) unter dem Stand von Ende 2019.

Entwicklung je nach Branche unterschiedlich
Doch die Entwicklung ist je nach Branche völlig unterschiedlich: „Die Industrie und der Bau sind in etwa wieder auf dem Niveau, das sie vor der Krise hatten“, erklärt Wifo-Experte Stefan Ederer. Hingegen sieht es bei Gastronomie bzw. Hotellerie (Wertschöpfung bis heute um 60 Prozent niedriger als vor der Krise), sonstigen Dienstleistungen und dem Handel noch ziemlich düster aus. Das zeigt sich am deutlichsten in der Entwicklung des privaten Konsums, der normalerweise für etwa die Hälfte des Wirtschaftswachstums verantwortlich ist. Er brach im Vorjahr um rund zehn Prozent ein, es wurden um 18 Milliarden Euro weniger ausgegeben als 2019.

Auch im ersten Quartal 2021 war der Rückgang ähnlich hoch. Ederer: „Das Verhalten hat sich geändert. Weil man durch die geschlossenen Geschäfte und Lokale nichts ausgeben und nicht auf Urlaub fahren konnte, erhöhte sich die Sparquote.“ Daran konnten auch die teuren Hilfsmaßnahmen der Regierung nichts ändern, auch wenn diese Firmen das Überleben sicherten und den Verlust vieler Arbeitsplätze verhinderten.

Ederer räumt ein, dass es natürlich „Mitnahmeeffekte“ gab, also dass manche überfördert wurden. „Das lag daran, dass man am Anfang schnell handeln musste und mit der Gießkanne gearbeitet hat. Zu dem Zeitpunkt war das wohl richtig.“

„Privater Konsum weiter beeinträchtigt“
Wenn jetzt wieder aufgesperrt wird, kommt es ziemlich sicher zu einem Aufholeffekt, weil Urlaube und manche Einkäufe nachgeholt werden. Doch „der private Konsum wird weiter beeinträchtigt sein, wir erwarten erst 2024 wieder Werte wie im Jahr 2019“, so Ederer. Das liege zum einen an einer gewissen Zurückhaltung der Konsumenten, zum anderen spiele auch die hohe Arbeitslosigkeit eine Rolle.

Im Vorjahr schrumpfte die Wirtschaft um 6,6 Prozent, heuer wird sich trotz des Minus in den ersten Monaten (minus 6 Prozent im Vergleich zum Schlussquartal 2019) ein Wachstum ausgehen, die Prognosen schwanken derzeit zwischen 2,5 und 4 Prozent.

Österreich hat die Krise härter getroffen als etwa Deutschland oder andere Länder. Das lag laut Experten an der starken Abhängigkeit vom Tourismus, Schwächen bei der Digitalisierung und Abhängigkeit von Exportmärkten. Eine gewisse Rolle spielte auch, dass die Lockdowns teilweise strenger waren als bei anderen, z.B. in der Schweiz.

Manfred Schumi
Manfred Schumi
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