20.04.2021 10:00 |

Soziales Engagement

„Die Gemeinden leben durch das Ehrenamt“

Seit Jahren engagiert sich Kurt Weber im Sport und im Sozialen. Keine Stunde will der 63-Jährige missen, denn das Ehrenamt bringe auch viel Positives mit sich: „Für mich sind im Laufe der Jahre viele Türen aufgegangen. Ich hatte das Gefühl, daheim zu sein“, sagt er.

Gefährlich sieht der ehemalige Judotrainer Kurt Weber wirklich nicht aus. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass der japanische Kampfsport (übersetzt „sanfter Weg“) viel mehr auch eine Philosophie ist. „Siegen durch Nachgeben“ lautet das Motto jener Sportart, für die sich der Wolfurter jahrelang engagiert hat. „Ich war Trainer, Landespräsident und bin immer noch Vorstandsmitglied im Landesverband“, erzählt der freundliche 63-Jährige.

Die Wolfurter Seniorenbörse
Seit März 2020 lenkt er die Geschicke eines weiteren Vereins: Bei der Wolfurter Seniorenbörse hat er die Nachfolge des langjährigen Obmanns und Gründers Werner Kessler übernommen. „Eine meiner ersten Amtshandlungen war es, erst einmal alles zuzusperren“, erzählt Weber und schaut immer noch etwas resigniert. Denn wie alle anderen Vereine mussten auch die Senioren vergangenes Jahr die meisten ihrer Aktivitäten einstellen.
Ins Leben gerufen wurde das Hilfsprojekt im Jahr 2008 von Werner Kessler, nachdem er einen Bericht über die Seniorenbörse Hard gelesen hatte. In Altbürgermeister Erwin Mohr hatte Kessler damals einen großen Unterstützer gefunden. Aber auch Mohrs Nachfolger Christian Natter sei den Mitgliedern durchaus gewogen, berichtet Weber: „Es ist so, dass uns kaum ein Wunsch abgeschlagen kann. Andererseits geben wir aber auch vieles zurück, das den Senioren zu Gute kommt.“ Räumlichkeiten im Vereinshaus, Internetanschluss, finanzielle Förderungen. Die Gemeinde stellt sogar eine Rikscha zur Verfügung. Die erste Ausfahrt mit dem nagelneuen Gefährt der Seniorenbörse ist für Ende dieses Monats anberaumt.

Volles Programm um nur zehn Euro
Zehn Euro kostet die Mitgliedschaft im Verein. Dafür können die Mitglieder das volle Programm in Anspruch nehmen und müssen keine Gegenleistung erbringen. „Das funktioniert nur, weil die Gemeinde großzügig ist und alle Helfer ehrenamtlich arbeiten.“ Nicht immer sei es leicht, fleißige Hände zu finden. Grundsätzlich aber laufe alles gut. Mitglieder, die das Angebot ausnutzen, gebe es selten.
Wer also Begleitung beim Spazierengehen, Hilfe beim Heckenschneiden, Fensterputzen oder Einrichten des Computers bracht, ruft einfach beim Verein an. Dann wird der passende Helfer gesucht, der Job erledigt. Einmal in der Woche sind die Freiwilligen auch im Büro im Vereinshaus anzutreffen. „Dort vermitteln wir nicht nur Aufträge, sondern übernehmen auch viele andere Tätigkeiten, geben Hilfe beim Umgang mit dem Handy, erteilen Auskünfte…“ Am meisten gefragt sind übrigens Garten- und Reinigungsarbeiten sowie Fahrdienste.

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Das funktioniert nur, weil die Gemeinde großzügig ist und alle Helfer ehrenamtlich arbeiten

Kurt Weber über den günstigen Mitgliedsbeitrag

Viele weitere Projekt kamen hinzu
Rund 1000 Mitglieder hat die Seniorenbörse. Etwa 150 Menschen im Alter von 50 bis 70 Jahren helfen den Älteren bei Dingen, die sie nicht mehr ohne Unterstützung erledigen können. Im Laufe der Jahre kamen weitere Angebote hinzu: 30 Lesepaten unterstützen Kinder der Volksschule Bütze, die Schwierigkeiten beim Lesen und Lernen haben. Die handwerklich begabten Männer lehren Schüler der Mittelschule das Löten, Drechseln, Schleifen oder den Umgang mit Elektrik. „Einmal im Monat steht Essen in Gesellschaft auf dem Programm“, erzählt Weber. Die Älteren treffen sich zum gemeinsamen Mittagessen in einem der Wolfurter Gasthäuser. Wer die Fahrt dorthin nicht eigenständig antreten kann, wird vom Fahrdienst gebracht. Weiters gibt es ein Strickstüble und Re-Use-Aktionen. Auch das Gemeinschaftsgrab am Friedhof wird durch ein Mitglied der Seniorenbörse gepflegt.

Neue Ideen
Für neue Ideen ist der Obmann immer offen: „Ich möchte den Verein in seiner Grundhaltung bewahren, bestehende Unternehmungen erhalten und neue Projekte finden, die der Allgemeinheit von Nutzen sind“, sagt der passionierte Judoka. Ehrenamtliche Tätigkeit ist ihm besonders wichtig, denn: „Wenn jeder seinen Beitrag in der Gemeinde leistet, kann diese Gemeinde auch leben. Außerdem profitiert man selbst ganz stark davon. Für mich sind im Laufe der Jahre viele Türen aufgegangen, ich hatte das Gefühl, daheim zu sein und dazuzugehören.“

Fakten

Die Seniorenbörse Wolfurt wurde im April 2008 von Werner Kessler ins Leben gerufen. Inzwischen hat der Verein rund 1000 Mitglieder. 150 Menschen bieten ehrenamtlich ihre Unterstützung an. Die fleißigen Helfer sind rund 4000 Stunden im Jahr im Einsatz, um den Mitgliedern zur Hand zu gehen. Seit 2016 gehören Kennelbach und Schwarzach der Seniorenbörse an.

Sonja Schlingensiepen
Sonja Schlingensiepen
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