18.04.2021 16:52 |

Kärntner Volkskultur

Mit Lanze oder Liebe dem Wurm begegnen

Zwei Heilige, ein Drache: Unterschiedlich gehen Georg und Margareta mit den Schattenseiten des Lebens um, die in den Legenden vom Untier repräsentiert werden.

Die Bilder kennt man: Ein mutiger Ritter reitet auf seinem wendigen Pferd auf einen schnaubenden Drachen zu, den er mit Speer, Lanze oder Schwert - je nach Vorliebe des Künstlers - tötet. Oder aber eine liebliche, wunderschöne Frau blickt gütig zum zarten Wurm, der sich um ihre Beine schmiegt, zähmt ihn und macht ihn zu ihrem Vertrauten.

Schon bei der Wortwahl Drache oder Wurm ist klar: der eine ist furchtbar böse und gefährlich, der muss getötet werden, der andere kann mit etwas Bemühen und Zuneigung durchaus als Teil der im Grunde guten Welt angenommen werden.

Schattenseiten des Lebens
Die beiden Legenden erzählen uns von unterschiedlichen Möglichkeiten, mit den Schattenseiten des eigenen Lebens umzugehen. Georg, der weltweit zahlreiche Wappen ziert, wie jenes von Georgien, Moskau oder St. Georgen am Kreischberg in der Steiermark, und der Schutzpatron von England ist, wurde im dritten Jahrhundert in Kappadokien in der Türkei geboren, war Soldat in der römischen Legion, wurde als Christ verfolgt, gefoltert und enthauptet; sein Todestag, der 23. April, wurde zu seinem Gedenktag.

Kampf gegen Drachen
Die Legende ist einem mittelalterlichen Märchen ähnlich und berichtet, in Silena in Libyen verlangte ein Drache täglich ein Menschenopfer, welches per Los gewählt wurde. Als die Königstochter sterben sollte, zog Georg gegen den Drachen in den Kampf. Er siegte über das Böse, die Bewohner der Stadt ließen sich taufen.

Georg wurde zum Patron der Ritter und Kriegsleute, der habsburgische Kaiser Maximilian I. machte den Heiligen ebenfalls zu seinem Schutzherren. Geht es nach den Bauernregeln, ist am 23. April noch einmal Schnee zu erwarten: „St. Georg kommt nach alten Sitten auf dem Schimmel angeritten.“ Und es heißt: „Wenn vor Georgi Regen fehlt, wird man nachher damit gequält.“

Teufel in Gestalt eines Drachen
Völlig anders als Georg, nämlich gewaltfrei geht Margareta von Antiochien (in der heutigen Türkei) mit dem Drachen um: Margareta - in der orthodoxen Kirche Marina genannt - wollte ihrem christlichen Glauben nicht abschwören, wurde gefoltert und ins Gefängnis geworfen. Dort erschien ihr der Teufel in Gestalt eines Drachen und wollte sie verschlingen. Margareta schlug ein Kreuzzeichen über dem Drachen und setzte einen Fuß auf ihn. Er wurde zahm und sanft wie ein Lamm.

Margareta, der am 20. Juli gedacht wird, beschützt die Mädchen, Frauen und Bauern und hilft bei Geburten. Mit Barbara und Katharina gehört Margareta zu einem berühmten Trio: „Die Barb’ra mitn Turm, die Margareta mitn Wurm, die Katharina mitn Radl, das send drei heil’ge Madl.“

Die besonnene Margareta und der mutige Georg - beide werden zu den 14 Nothelfern gezählt - wurden in Kärnten stets verehrt, zahlreiche Kirchen sind den beiden Heiligen geweiht.

Christina Natascha Kogler
Christina Natascha Kogler
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