14.04.2021 07:30 |

Entscheidung gefallen

Lecher Gemeindezentrum kommt mit Minimaländerung

Am Montagabend fand im Vorarlberger Lech eine bemerkenswerte Gemeindevertretersitzung statt, in der sich eine Mehrheit für eine leicht eingeschrumpfte Variante des Gemeindezentrums fand. Der Plan, die beiden Gebäude um ein Stockwerk zu reduzieren, konnte sich nicht durchsetzen. So wird der Bau jetzt nur optisch verkleinert.

In der Sitzung am vergangenen Montagabend wurden in Lech Tatsachen geschaffen: Das umstrittene Gemeindezentrum wird gebaut werden - und zwar in der vollen Höhe. Wie Bürgermeister Stefan Jochum (Liste Unser Dorf) bekannt gab, wurde über zwei Varianten der Verkleinerung diskutiert. Bei einer der beiden Alternativen wären die beiden Gebäude mit jeweils einem Stockwerk weniger ausgekommen, dafür fand sich aber keine Mehrheit.

Die „abgespeckte“ Bar am Dach bleibt
Im Gegensatz zu jener Variante, die zu einer „Reduktion der Gebäudehöhen inklusive Neustrukturierung der Dachfläche“ führen soll. Soll heißen: Eine geplante Holzverkleidung auf Dachebene fällt weg, dadurch wirkt das Gebäude optisch kleiner. Die Dachterrasse soll von Technikelementen befreit werden, die Bar am Dach bleibt aber - wenn auch in abgespeckter Form. Durch diese Maßnahmen sollen die Gebäudehöhen um einige Meter niedriger werden.

„Demokratischer Beschluss“
Diese Reduktion kostet aber - nämlich bis zu 190.000 Euro. Die andere Variante mit einem Stockwerk weniger hätte - ebenfalls laut Architektenkalkulation - bis zu vier Millionen Euro mehr gekostet. Sämtliche Zweifel von Mandataren, dass mit Rechnungen dieser Art „etwas nicht stimmen“ könne, wurden am Montag von den Projektbefürwortern vom Tisch gewischt. Jochum zeigt sich über das Ergebnis alles andere als glücklich, will aber nun den „demokratischen Beschluss“ umsetzen. Was das für die finanzielle und infrastrukturelle Zukunft von Lech bedeutet, wird sich zeigen.

„Krone“-Kommentar: 
Haben wir etwas verpasst?
Ist am Arlberg letztens ein geophysisches Wunder passiert und niemand hat‘s gemerkt? Wurde Lech am Montagabend, also während die Gemeindevertreter zusammenkamen, um über das Gemeindezentrum zu debattieren, aus seiner Verankerung am Arlberg gerissen und nach Nordkorea verfrachtet? Oder nach China?
So verwegen diese Theorie auch sein mag, es spricht doch einiges dafür: So mussten sich in erwähnter Sitzung Mandatare dafür rechtfertigen, „mit der Zeitung“ gesprochen zu haben. Genauer, mit der „Kronenzeitung“. Huch, wie konnte das passieren?
Wissen denn die getadelten Volksvertreter nicht, dass in Lech zu bleiben hat, was in Lech so vor sich geht? Kann es sein, dass die gewählten Volksvertreter der irrtümlichen Meinung sind, dass man es öffentlich machen darf, wenn 40 Millionen Euro auf dubiose Art und Weise in einer Baugrube der Scheußlichkeiten versenkt werden? Glauben denn die demokratisch gewählten Volksvertreter wirklich, dass Pressefreiheit keine Grenzen kennt?
Bei der Sitzung wurden die Dinge jedenfalls wieder klargestellt: Erstens wurden die dreisten Nestbeschmutzer darauf hingewiesen, dass die Kreuze schon bereitstehen, sollten sie es wagen, noch einmal mit der „Kronenzeitung“ zu sprechen. Zweitens wurden bereits sämtliche im Dorf kursierende Ausgaben der „Kronenzeitung“ konfisziert, um gegebenenfalls die Scheiterhaufen ordentlich anfeuern zu können.
Nun ja, wir hoffen jedenfalls, dass es bald zu einem zweiten Wunder in Lech kommen wird - diesmal zu einem demokratiepolitischen.
Der „Krone“ wär’s jedenfalls eine Schlagzeile wert.

Angelika Drnek
Angelika Drnek
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