10.04.2021 06:00 |

Sogar Lernverlust

Fernunterricht brachte laut Studie kaum Erfolg

Ein niederschmetterndes Ergebnis hat nun eine Studie zutage gefördert: Niederländische Volksschüler haben im allerersten Lockdown kaum Lernfortschritte erzielt. Erhebungen in Österreich sind noch im Gange. Der Fernunterricht im vergangenen Frühjahr hat in den Niederlanden für die Volksschüler nicht das Resultat gebracht, wie erhofft. Im Gegenteil, der Lernverlust der nach der ersten Homeschooling-Phase getesteten Schüler betrug gegenüber normalen Jahren in etwa ein Fünftel eines Schuljahrs. 

Damit entsprach er in etwa der Zeit der Schulschließung – in den Niederlanden acht Wochen. Im Endeffekt bedeute das, dass in der Lockdown-Zeit praktisch kein Lernfortschritt erzielt wurde. Erhebungen dazu für Österreich sind noch im Gange, heißt es seitens des Bildungsministeriums.

Fernunterricht war für alle große Umstellung
„Es war für alle Länder eine große Herausforderung. Die Umstellung auf den Fernunterricht war natürlich besonders für Volksschüler schwierig. Für sie ist die Lehrerin oder der Lehrer eine sehr wichtige Bezugsperson, und die Klassengemeinschaft ist ja auch eine Lerngemeinschaft. Wir alle haben viel dazulernen dürfen. Und es hat sich viel verbessert“, betont Bildungsminister Heinz Faßmann. „Allen Schülern hat natürlich auch die Klasse für wichtige soziale Kontakte gefehlt. Das ist und bleibt ein großes Dilemma in der Pandemie.“

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Die erste Phase des Distance Learning war für alle Länder eine große Herausforderung. Vieles hat sich seitdem verbessert.

Bildungminister Heinz Faßmann

Wo Österreich aber im internationalen Vergleich sprichwörtlich die Nase vorne habe, seien die sogenannten Nasenbohrertests. Sie hätten die Schulen zu sichereren Orten gemacht.

Eltern können Lehrer nicht immer ersetzen
Das schlechte Abschneiden der niederländischen Volksschüler überrascht Bildungsexperte Andreas Salcher nicht im Geringsten. Er rechne auch für Österreich mit einem ähnlichen Ergebnis. „Lernen heißt Beziehung. Eltern können Lehrer nicht immer ersetzen. Und viele Mütter und Väter hatten schlichtweg nicht die Zeit, ihre Kinder in der Intensität, wie es in der Schule geschieht, zu unterrichten. Bildungsferne und sozial schwächere Schüler haben den Anschluss verpasst. Nicht alle hatten die notwendigen Ressourcen.“

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Das Ergebnis der Studie überrascht mich nicht. Größte Herausforderung sind die Volksschüler. In Österreich wird es ähnlich ausfallen.

Bildungsexperte Andreas Salcher

Die Covid-19-Krise habe Defizite in der Chancengleichheit im Bildungssystem aufgezeigt, schließt sich Bildungspsychologin Christiane Spiel dem an. Viele Schüler waren im ersten Lockdown nicht erreichbar. Positiv sehe sie aber, dass Österreich mit der „relativ rasch aus dem Boden gestampften Summer School“ entgegengesteuert hat. Und, dass die Summer School auch von benachteiligten Schülern gut angenommen wurde.

Kronen Zeitung

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