09.04.2021 07:54 |

Biden: „Schandfleck“

Weitere Blutbäder durch Schusswaffen in den USA

Kurz nach der Präsentation von Maßnahmen gegen die Schusswaffengewalt durch US-Präsident Joe Biden hat es in den Vereinigten Staaten ein weiteres Blutbad gegeben: In einer Möbelfabrik in Texas erschoss ein Angreifer am Donnerstag einen Menschen und verletzte mehrere Personen, wie die Polizei mitteilte. Im Staat South Carolina hatte am Mittwoch ein früherer Profifootballer fünf Menschen erschossen. Biden verurteilte die Schusswaffengewalt als „Seuche“ und „Schandfleck“ für das Land und verkündete erste Schritte zur Eindämmung dieser.

US-Präsident Biden stellte mehrere Verordnungen zur Eindämmung der Schusswaffengewalt vor. So sollen striktere Regeln für sogenannte Geisterwaffen erlassen werden, die von den Nutzern selber zusammengebaut werden können und keine Seriennummern haben. Neue Vorgaben sollen auch für aufgerüstete Pistolen gelten. Außerdem verlangt er ein Verkaufsverbot für Sturmgewehre sowie umfassendere Hintergrund-Checks für Waffenkäufer.

Ob sich dafür im Kongress eine Mehrheit findet, ist allerdings höchst ungewiss. Bidens Demokraten verfügen dort nur über nur knappe Mehrheiten. Die mächtige Waffenlobby NRA hat im Kongress viele Verbündete, vor allem in den Reihen der oppositionellen Republikaner. In früheren Jahren waren immer wieder Initiativen zur Verschärfung des laxen US-Waffenrechts am Widerstand der Republikaner gescheitert.

Video: Biden stellt Verordnungen zur Eindämmung der Schusswaffengewalt vor

Tennessee erlaubt Tragen von Pistolen ohne Genehmigung
Trotz zahlreicher sogenannter „Shootings“ in den letzten Monaten (siehe folgende Absätze) erlaubt der südliche US-Staat Tennessee ab Juli 2021 das Tragen offener und versteckter Pistolen ohne Waffenschein. Das vom republikanischen Gouverneur Bill Lee unterzeichnete Gesetz erlaubt es den meisten Bürgern, die mindestens 21 Jahre alt sind und ihre Handfeuerwaffen rechtmäßig besitzen, diese ohne weitere Genehmigung in der Öffentlichkeit zu tragen. Für größere Waffen wie Gewehre gilt die Gesetzesänderung nicht.

Schießerei in Texas kurz nach Ansprache
Kurz nach Bidens Ansprache im Rosengarten des Weißen Hauses feuerte ein Schütze in einem Werk zur Herstellung von Kästen in der osttexanischen Stadt Bryan um sich. Am Tatort fand die Polizei nach eigenen Angaben ein Todesopfer, mehrere Verletzte wurden ins Krankenhaus eingeliefert. Der 27-jährige Täter, ein Angestellter der Möbelfabrik, wurde nach kurzer Flucht gefasst.

Ex-Profifootballer erschoss fünf Menschen
Am Tag zuvor hatte in der Stadt Rock Hill in South Carolina der frühere Profifootballer Phillip Adams fünf Menschen erschossen und anschließend Suizid begangen. Nach Angaben der Behörden handelt es sich bei den Todesopfern um einen 70-jährigen Arzt, dessen 69-jährige Frau, deren beide Enkelkinder im Alter von fünf und neun Jahren sowie einen 38-jährigen Techniker für Kesselanlagen. Adams‘ Vater sagte einem Lokalsender, er glaube, dass die Football-Karriere seinen Sohn „verkorkst“ habe. Die Profi-Laufbahn seines Sohnes in den Jahren 2010 bis 2015 war von Verletzungen geprägt, darunter Gehirnerschütterungen.

In den vergangenen Wochen hatte es bereits in den US-Staaten Kalifornien, Colorado und Georgia eine Reihe besonders schwerer Schusswaffenangriffe mit jeweils mehreren Toten gegeben. In Orange in Kalifornien erschoss vor einigen Tagen ein Mann in einem Bürogebäude vier Menschen, darunter ein neunjähriges Kind. In Colorado hatte Ende März ein Mann in einem Supermarkt zehn Menschen erschossen. Zuvor hatte ein Täter bei Schusswaffenangriffen auf drei Massagestudios in Georgia acht Menschen getötet, unter ihnen sechs Frauen asiatischer Herkunft.

Mara Tremschnig
Mara Tremschnig
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