08.04.2021 08:56 |

Drogen in Abwasser

Kokain ist im Ländle weiter auf dem Vormarsch

Im Auftrag des Landes ist das Vorarlberger Abwasser auf diverse Suchtmittel - legale wie illegale - untersucht worden. Das Ergebnis ist nicht sonderlich erfreulich: Alkohol und Nikotin sind weiterhin sehr verbreitet, Kokain entwickelt sich immer mehr zur Massendroge. Die Corona-Krise dürfte die Lage weiter verschärfen.

Der gestern vorgestellte Monitoring-Bericht ist ausgesprochen aussagekräftig: Die Universität Innsbruck hat das Abwasser von insgesamt 17 Vorarlberger Kläranlagen analysiert, an diese sind immerhin 78 Gemeinden mit insgesamt 380.000 Einwohner angeschlossen. Wichtig anzumerken: Die Proben wurden bereits im Februar 2020 gezogen, folglich waren aus diesen die Auswirkungen der Coronakrise noch nicht ablesbar.

Cannabis führt die Liste an
Aufschlussreich sind die Ergebnisse aber dennoch: Die „Hitliste“ der illegalen Substanzen wird ungebrochen von Cannabis angeführt. Auch bei den stimulierenden Drogen hat sich ein Trend fortgesetzt: Kokain ist in Vorarlberg seit Jahren im Vormarsch, der Verbrauch entspricht durchaus einem großstädtischen Milieu. An einem durchschnittlichen Tag werden im Land rund 0,5 Kilogramm - reines - Kokain konsumiert. Aufs Jahr hochgerechnet ergibt das 182 Kilogramm, der Schwarzmarktwert entspricht zumindest 14,5 Millionen Euro.

Heroin ist auf dem Rückzug
Ebenfalls keine „Nischenprodukte“ sind Amphetamine und Ecstasy, Methamphetamin spielt - mit einzelnen geografischen Ausreißern - hingegen kaum eine Rolle. Erfreulich: Heroin, die einstige Problemdroge Vorarlbergs, ist auf dem Rückzug begriffen, das gilt insbesondere auch für die Zahl der Neueinsteiger. Allerdings könnte die Corona-Pandemie dem Opioid zu einem Comeback verhelfen: Laut Philipp Kloimstein, Primar und ärztlicher Leiter der Stiftung Maria Ebene, sei etwa in Griechenland als Folge der Finanzkrise anno 2008 der Heroinkonsum massiv angestiegen - im Schnitt um satte 20 Prozent pro Jahr. 

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Der Suchtmittelkonsum stellt klar ein Vorarlberger Problem dar und ist kein temporäres oder importiertes Phänomen.

Primar Philipp Kloimstein

Auf dem Land regiert der Alkohol
Wenig überraschend werden illegale Drogen in den urbanen Gebieten des Rheintals und Walgaus in größeren Mengen als in ländlichen Regionen konsumiert. Gegenteilig verhält es sich in Sachen Alkohol - hier haben die Seitentäler die „Schnapsnase“ vorn. Wider Erwarten kaum einen Einfluss auf das Drogenkonsumverhalten hat der Tourismus, was für Kloimstein nur ein Fazit zulässt: „Der Suchtmittelkonsum stellt klar ein Vorarlberger Problem dar und ist kein temporäres oder importiertes Phänomen.“ Er hofft, dass das Monitoring des Abwassers fortgesetzt wird - nicht zuletzt, um die Auswirkungen der Coronakrise auf den Drogenkonsum messbar zu machen. Bereits jetzt zeigt sich, dass die Pandemie die Problematik verschärft hat: So hatte die Beratungsstelle Clean seit März 2020 eine Zunahme bei den Substitutionsbehandlungen von rund 10 Prozent zu verzeichnen, seit Beginn dieses Jahres ist die Nachfrage regelrecht explodiert - und zwar um 22 Prozent bei den langfristigen Behandlungen, bei den Kurzkontakten waren es sogar 53 Prozent.
Dass Vorarlberg ein Drogenproblem hat, zeigt nicht zuletzt ein Blick auf die Konsumkurve im Wochenverlauf: Zwar war die Drogen- und Alkoholkonzentration im Abwasser am Wochenende deutlich heuer, allerdings flachte die Kurve an Werktagen nur um etwa die Hälfte ab - für einen nicht unwesentlichen Teil der Bevölkerung gehören Suchtmittel also quasi zum Alltag.

Fakten

  • Laut Abwasser-Monitoring konsumiert der durchschnittliche Vorarlberger eine halbe Flasche Bier, rund zwei Zigaretten, circa 0,07 Einheiten Cannabis und etwa 0,01 Einheiten an verbotenen Stimulanzien pro Tag.
  • Bei den Stimulanzien entfallen 65 Prozent der konsumierten Dosen auf Kokain, 31 Prozent auf Amphetamin und in etwa vier Prozent auf MDMA und Methamphetamin.
  • In den Vorarlberger Ballungsräumen ist der Drogenkonsum pro Kopf ähnlich hoch - und teils auch höher - wie in den großen Städten Österreichs. Rheintal und Walgau weisen etwa gemeinsam mit Innsbruck den höchsten Kokainkonsum in ganz Österreich auf.
  • Alkohol ist die einzige Droge, die im ländlichen Raum mehr als in den urbanen Gebieten Vorarlbergs konsumiert wird.
 Vorarlberg-Krone
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