14.03.2021 15:10 |

Enorme Lieferengpässe

AstraZeneca-Werk fehlen nötige EU-Zulassungen

Exportstopps, mögliche Impfreaktionen, Lieferengpässe - das Image des britisch-schwedischen Impfstoffherstellers AstraZeneca ist derzeit mehr als angekratzt. Erst am Freitag gab der Pharmakonzern bekannt, dass man vereinbarte Liefermengen der Corona-Vakzine an die EU nicht einhalten könne - wie sich nun herausstellt, dürfte das vor allem an fehlenden Zulassungen für ein Werk in den Niederlanden liegen.

Die erneute drastische Kürzung der Lieferungen bedeutet einen herben Rückschlag bei der Versorgung der Europäischen Union mit Corona-Impfstoffen. „Obwohl unermüdlich daran gearbeitet wurde, die Lieferungen zu beschleunigen“, beabsichtigt AstraZeneca statt der eigentlich vereinbarten 220 Millionen Dosen bis zur Jahresmitte nur 100 Millionen zu liefern.

Auf Zulieferer angewiesen
Grund dafür dürfte eine unglückliche Partnerwahl des Pharmaunternehmens sein. Aufgrund des enormen Bedarfs an Corona-Impfstoffen sind viele Hersteller gezwungen, kurzfristige Kooperationen mit anderen Unternehmen einzugehen. Im Falle von AstraZeneca sind das Vereinbarungen mit Firmen in den USA und der EU.

Unterlagen nicht vorgelegt?
Während die erste Reduktion der Liefermengen auf ein belgisches Werk zurückgeht - die hier eingesetzten Zell-Kulturen sollen weniger ergiebig bei der Herstellung gewesen sein als erhofft -, dürfte der neuerliche Engpass nun auf fehlende Zulassungen durch die EU zurückzuführen sein.

Wie die „Financial Times“ berichtet, habe der niederländische Halix-Konzern noch nicht alle notwendigen Papiere für eine Produktionsgenehmigung der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) vorgelegt - sechs Monate, nachdem der Vertrag mit der EU unterzeichnet wurde. Die EMA wollte sich bislang nicht zur ausstehenden Genehmigung äußern.

AstraZeneca wartet auf „grünes Licht“
Ein Sprecher von AstraZeneca erklärte, dass die Genehmigung des Standortes „unseren ursprünglichen Plänen“ entspreche und bestätigte auch, dass er „Teil unserer Lieferpläne“ sei. In einem internen Dokument gehe man aber davon aus, dass das Werk schon bald „grünes Licht“ erhalten werde, zitierte die Nachrichtenagentur „Reuters“ daraus.

Noch keine einzige Dosis an EU ausgeliefert
Das Werk in der Stadt Leiden sollte eigentlich pro Monat fünf Millionen Dosen des Impfstoffes für AstraZeneca herstellen - bislang ist davon jedoch noch keine einzige Dosis an die EU gegangen. Zwar werde bereits ein Teil davon produziert, aufgrund der fehlenden Genehmigung dürfe aber noch nicht ausgeliefert werden.

„Bedeutet, dass drei der vier Werke nicht liefern“
In Zusammenhang mit den ausstehenden Lieferungen kam es zuletzt zu Unstimmigkeiten zwischen Brüssel, AstraZeneca und London. EU-Beamte haben behauptet, dass das Unternehmen in der EU hergestellte Impfdosen nach Großbritannien exportiert habe. „Wenn diese Einrichtung nicht für die EU produziert, ist das wirklich verwirrend“, meinte ein EU-Diplomat gegenüber der „Financial Times“. „Das würde bedeuten, dass drei der vier im ursprünglichen EU-Vertrag aufgeführten Werke der EU keine Dosen liefern.“

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