25.01.2021 11:34 |

Erreger 1873 entdeckt

Lepra: Nach 150 Jahren kein Impfstoff am Markt

Seit gut einem Jahr beherrscht die Coronavirus-Pandemie und die damit verbundene Krankheit Covid-19 den Globus. Andere Krankheiten wie Tollwut, Malaria, Ebola und Tuberkulose sind seither aus dem Fokus geraten, obwohl ebenfalls etliche Millionen Menschen von ihnen betroffen sind - vor allem jenseits der Industrienationen. Auch Lepra gehört dazu. Vor fast 150 Jahren wurde der Erreger entdeckt, ein Impfstoff dazu ist aber immer noch nicht auf dem Markt.

Ausgangsbeschränkungen und Unterbrechungen in der Gesundheitsversorgung könnten in den nächsten Jahren zu Abertausenden zusätzlichen Lepra-Infektionen führen, die es ohne Corona womöglich nie gegeben hätte, warnen Hilfsorganisationen weltweit. Medikamente fehlen vielerorts, Corona-bedingt kommt es zu Lieferengpässen. Gerade in ärmeren Ländern sei die Lage kritisch.

2019 weltweit 200.000 Neuinfektionen
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) meldete für das Jahr 2019 mehr als 200.000 Neuinfektionen weltweit. Die Statistik für das Jahr 2020 wird wahrscheinlich weniger Fälle aufweisen, glauben die Experten beim Hilfswerk. „Jedoch nicht, weil sich tatsächlich weniger Menschen infizieren, sondern weil Corona-bedingte Kontaktbeschränkungen und Ausgangssperren die Fallsuche zusätzlich erschweren.“

Erkrankte werden oft ausgegrenzt
Die Krankheit ist heilbar, aber etwa vier Millionen Menschen weltweit müssen mit teils schwersten Behinderungen leben - und mit Stigmatisierung. Nach Angaben des deutschen Robert-Koch-Instituts (RKI) können nur fünf Prozent der Weltbevölkerung überhaupt erkranken, der Rest ist immun. Bei mehr als jedem zehnten Menschen wird die Krankheit so spät entdeckt, dass körperliche Schäden bestehen bleiben.

Krankheit seit Jahrtausenden bekannt
Lepra wurde schon in der Bibel erwähnt und an Mumien im alten Ägypten nachgewiesen. Lepra-Bakterien zerstören die Haut und die Schleimhäute und befallen Nervenzellen. Der Erreger Mycobacterium leprae wird wahrscheinlich per Tröpfcheninfektion übertragen. „Eine Berührung allein führt noch nicht zu einer Infektion, der Kontakt muss eng und längerfristig sein“, erklärte Jenifer Gabel von der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW). Die durchschnittliche Inkubationszeit betrage drei bis vier Jahre, manchmal aber auch bis zu 20 Jahre.

Auch Tiere können an Lepra erkranken, bisher ging man aber davon aus, dass sie sich durch Kontakt mit dem Menschen infizieren. Nun haben Forscher bei wild lebenden Schimpansen in Westafrika die Krankheit nachgewiesen. Die Affen hatten wahrscheinlich nie Kontakt zu Menschen. Die Wissenschaftler schließen daraus, dass es andere Quellen für den Lepra-Erreger in der Tier- und Umwelt geben muss.

Forscher: Zulassung für Impfstoff 2025
Seit rund 20 Jahren wird an einem Impfstoff gegen Lepra gearbeitet. 2020 sollten in Brasilien, wo die Krankheit sehr verbreitet ist, wichtige klinische Tests starten. Doch dann kam die Pandemie dazwischen. Nun soll es dieses Frühjahr mit den Tests in Brasilien losgehen. Sollten sich die bisherigen Ergebnisse im Verlauf der Studie bestätigen, so die Experten, sei mit einer Zulassung des Impfstoffes 2025 zu rechnen - mehr als 150 Jahre nach der Entdeckung des Lepra-Erregers 1873.

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