07.12.2020 07:01 |

Höchste Lawinengefahr

Über 300 Einsätze: Aufräumarbeiten laufen

Wie vorhergesagt und wie befürchtet hat es den Westen Kärntens und Osttirol am Wochenende hart getroffen. Innerhalb weniger Stunden wurden Niederschlagsrekorde gebrochen. Lawinenabgänge, Muren und Überschwemmungen sind die Folgen. Die Lage bleibt weiterhin angespannt. Ab Dienstag werden wieder massive Schnee- und Regenfälle erwartet. Auch die Pegelstände der Drau, Gail und Möll steigen. 

Regenschauer noch nicht vorbei 
Die Wetterlage hat sich Montagfrüh kurz beruhigt. Doch schon am Nachmittag ist mit weiteren Niederschlägen zu rechnen. Und auch in den nächsten Tagen wird Oberkärnten laut ZAMG wieder am stärksten betroffen sein. „Montagnachmittag sind wieder Regenschauer und Schnee zu erwarten. In der Nacht auf Mittwoch ist in den höher gelegenen Gebieten außerdem wieder bis zu 100 Zentimeter Neuschnee möglich. Im Westen von Kärnten wird es heftig schneien“, Gerhard Hohenwarter von der ZAMG. In Unterkärnten ist mit Regenschauern und leichten Schneefall zu rechnen. 

Am Montag zeigten sich die Schäden, die das Unwetter am Wochenende verursacht hat. In Finkenstein sind mehrere Bäche über die Ufer getreten, Muren sind abgegangen. Straßen und Brücken wurden beschädigt. Bürgermeister Christian Poglitsch: „Die Schäden sind schlimmer als befürchtet - jetzt gilt es, die Straßen befahrbar zu machen bevor das nächste Tief uns Schnee bringt.“

Große Angst vor weiteren Lawinen
Besonders im Mölltal hofft man, dass der angesagte Regen ausbleibt. „Die Wettervorhersage sieht nicht gut aus! Wir können nur hoffen, dass es schneit und nicht wieder regnet“, sagt Flattachs Bürgermeister Kurt Schober. Im Mölltal haben die Muren- und Lawinenabgänge dieselben Stellen getroffen, wie im vergangenen Jahr. „Die aufgestellten Murenbrecher und Schutzbauten haben heuer enormen Schaden verhindern können.“

Aufräumarbeiten im vollen Gange
Seit den frühen Morgenstunden laufen die Aufräumarbeiten im tief verschneiten Möll- und Lesachtal sowie in Osttirol auf Hochtouren. Im Lesachtal sind nach wie vor viele Haushalte ohne Strom. Bürgermeister Johann Windbichler: „Derzeit sind wir dabei, die Hauptstraßen einspurig befahrbar zu machen, damit die Kelag die Stromversorgung wieder herstellen kann.“ Insgesamt zählt die Kelag 2900 Stromausfälle. 

Über 300 Feuerwehreinsätze
Die Landesalarm- und Warnzentrale (LAWZ) verzeichnete am Sonntag und Montag bisher 302 Feuerwehreinsätze. „In der Nacht auf Montag sind zehn dazu gekommen. Die Einsatzkräfte waren auf Alarmbereitschaft“, heißt es seitens der LAWZ.

Viele Schulen geschlossen
Aufgrund der aktuellen Wetterlage veranlassten die Behörden, dass Kindergärten und Schulen in Lienz, im Oberen Mölltal, im Lesachtal, in Kötschach-Mauten und in Rennweg am Montag noch geschlossen bleiben.

Auf den Schnee folgte vielerorts Regen, der nach Stunden dann wieder in Schnee überging: ein außergewöhnliches Wetterereignis, das Meteorologen seit Tagen angekündigt hatten. „Niederschlagsrekorde wurden gebrochen. Noch nie fielen etwa im Raum Lienz so viel Regen und Schnee wie in den letzten Tagen“, erklärt ZAMG-Wetterexperte Gerhard Hohenwarter. Im Lesachtal waren es bis Sonntagabend mehr als 300 Liter (!) pro Quadratmeter.

„Es ist praktisch überall Wasser. Der Untergrund kann die massiven Mengen aber nicht mehr aufnehmen, es wird alles instabil und der Schnee rutscht murenartig ab“, so Bezirksfeuerwehrkommandant Kurt Schober. So geschehen am Sonntag in Hopfgarten im Defereggental, in Nussdorf/Debant und in Obervellach im Bereich Berger-Steig. Mehrere Häuser wurden teilweise verschüttet, verletzt wurde zum Glück niemand.

Im Mölltal, im Lesachtal und in Kötschach-Mauthen mussten sogar die Schneeräumarbeiten aus Sicherheitsgründen vorerst gestoppt werden. Die geringsten Vibrationen von Schneepflügen würden momentan ausreichen, dass die Schneedecke bricht und ins Tal donnert. Mehrere Orte sind nicht erreichbar. „Die Lawinengefahr ist sehr groß, es wird noch zu mehreren Selbstauslösungen von Lawinen kommen. Kontrollflüge sind bereits geplant“, erklärt Roland Pranter von der Lawinenkommission Kötschach-Mauthen.

Mehr als 200-mal mussten 115 Feuerwehren mit rund 1200 Mann am Sonntag ausrücken. Neben Schneemassen und Murenabgängen ist es auch zu mehreren Überschwemmungen gekommen. Von St. Jakob im Rosental bis Bad Kleinkirchheim kämpfen die Einsatzkräfte seit den frühen Sonntag-Morgenstunden gegen die Unwetter-Folgen an. Und es ist noch nicht vorbei: Der Montag wird zwar ruhiger, aber von Dienstag auf Mittwoch soll es im Lesachtal und Oberen Gailtal erneut schneien.

Hannes Wallner
Hannes Wallner
Manuela Karner
Manuela Karner
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