Die Lage ist ernst

Corona-Überlebenskampf tobt auf Intensivstation

Wien
12.11.2020 19:32

Seltener Blick in eine Wiener Intensivstation mit Szenen, die alle wachrütteln sollten: Diese Bilder zeigen für die „Krone“ den Kampf auf Leben und Tod im „Corona-Flügel“ ...

Auf der Corona-Intensivstation des Krankenhauses Hietzing herrschen Regeln, die nicht immer zu begreifen sind. Alte Patienten, bei der Einlieferung dem Tod näher als dem Leben, gehen Wochen später quicklebendig aus der Klinik. Junge Infizierte, sportlich, ohne Vorerkrankungen, verfallen über Nacht, bis nur noch der Anruf bei den Verwandten bleibt.

Teufelsvirus Corona: Ärzte und Pfleger kämpfen rund um die Uhr um das Leben der Patienten. (Bild: Gesundheitsverbund)
Teufelsvirus Corona: Ärzte und Pfleger kämpfen rund um die Uhr um das Leben der Patienten.

Bilder sollen Ernst der Lage verdeutlichen
Zu den Zahlen, hinter denen immer jeweils ein Schicksal steht: In der Klinik gibt es insgesamt 24 Intensivbetten, die Hälfte ist mit Corona-Patienten belegt. Es sind Bilder, die wir aus Italien kennen: Menschen, die auf den Bäuchen liegen, damit die Lungen bewegt werden.

Viele Patienten liegen wochenlang auf der Intensiv. (Bild: Gesundheitsverbund)
Viele Patienten liegen wochenlang auf der Intensiv.

Schläuche, die aus Hälsen ragen, weil das bei wochenlanger Behandlung die schonendere Methode ist. Patienten, die sediert sind, halb da, halb nicht da, immer umringt von Ärzten und Pflegern in zentimeterdicker Schutzkleidung. Der Gesundheitsverbund hat der „Krone“ das Material zur Verfügung gestellt - auch um zu zeigen, wie ernst die Lage ist.

(Bild: Gesundheitsverbund)

Stundenlang in schwerer Schutzausrüstung
Daran hat zumindest Pfleger Leopold Rosenthaler keine Zweifel. Seit 17 Jahren auf der Intensivstation, ist ihm kaum etwas fremd. Bis Corona kam. Vier Stunden Dienst im Schutzanzug, dann Pause, dann wieder vier Stunden beim Patienten. Schutzanzug klingt so verniedlichend für die Stationskleidung, den schweren Kittel darüber, die zwei Paar Handschuhe, die Haube, Schutzbrille, Maske und Faceshield. Er sagt: „Ich gehe mit den Patienten so um, als wären sie wach, und rede immer mit ihnen.“ Auch wenn sie es nicht sind.

Arbeitsalltag in voller Schutzmontur (Bild: Gesundheitsverbund)
Arbeitsalltag in voller Schutzmontur

Abschied bald nur mehr am Telefon?
Am schlimmsten ist es, wenn Besucher die Schutzausrüstung anlegen und durch die Sicherheitsschleuse in den Corona-Trakt müssen. Das passiert nur, wenn es zur Verabschiedung kommt, wenn es wieder einer nicht geschafft hat. Noch ist das persönlich möglich, mit Berührungen, wenn auch durch Latexschichten. Steigt die Patientenanzahl, droht die Sterbebegleitung per Smartphone. Dem geliebten Menschen auf Wiedersehen sagen. Und auflegen.

Video: Spitäler im ganzen Land stoßen an ihre Grenzen

Voll-Lockdown als allerletzte Chance?
Mehr als 9260 Neuinfektionen mussten am Donnerstag vermeldet werden. Auch wenn die Zahl zu einem Teil wegen des Daten-Chaos der letzten Tage aus Nachmeldungen besteht, steht fest: Der Wochenschnitt zeigt weiterhin nach oben. Derzeit gibt es noch 180 freie Intensivbetten in Wien. Bundesweit befinden sich mehr als 530 Covid-Patienten auf den Intensiv-, 3200 auf den Normalstationen - Tendenz steigend. Droht nun ein Voll-Lockdown wie im März?

Michael Pommer, Kronen Zeitung

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