09.11.2020 11:20 |

Gastkommentar

Error für den Terror

Als ehemaliger Polizist war ich schon einmal versucht, an dieser Stelle über das Thema Sicherheit zu schreiben. Im Sommer, als die Wiener Vizebürgermeisterin doch tatsächlich meinte, es sei nicht notwendig, dass die Polizei in dieser so schönen, so lebenswerten und so friedlichen Stadt mit Schusswaffen auf Streife geht.

Der schwarze Montag, an dem vier Menschen ihr Leben lassen mussten, weil ein 20-jähriger radikalisierter Islamist in seiner engen Welt endlich Ruhm und Anerkennung erhaschen wollte, hat so nebenbei auch die Absurdität dieser Einschätzung aufgezeigt. Nicht auszudenken, wären an diesem Montag nicht eher zufällig vier WEGA-Beamte in der Nähe gewesen, um den Schrecken rasch zu beenden. Nicht auszudenken, hätte dieser irre Terrorist noch Komplizen gehabt.

Und genau das ist mein Punkt. Wien ist in der (internationalen) Realität angekommen. Siehe London. Siehe Paris. Siehe Las Vegas. Anschläge provozieren Nachahmungstäter, die keinen Job, keine Freundin, keine Perspektive haben. Österreichs Verfassungsschutz kennt derzeit rund 290 radikalisierte Islamisten, die unter Beobachtung stehen, weitere 90 werden als mindestens so gefährlich wie der Attentäter von Wien eingestuft.

Eben deshalb ist es nicht damit getan, radikale Moscheen zu schließen und ein paar Männer aus dem Umfeld des Amokläufers in U-Haft zu nehmen, um sie dann 48 Stunden später wieder freizulassen. In Zeiten wie diesen gilt auch für den Sicherheitsbereich: Koste es, was es wolle. Aber keinesfalls mehr Menschenleben.

Christian Baha, Kronen Zeitung (Gastkommentar)

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