Moderne Zeiten

Ein Buch zum Schmunzeln: Aus dem Hinterwald . . .

Unter dem Titel "Eine Luftmatratze muss her! Dorfwirtschaftswunder 1950“ hat Wolfgang Marschall ein Buch über die 50er Jahre im Innviertel geschrieben, dafür zwei Jahrzehnte Artikel der Rieder Volkszeitung durchforstet.

Grabe, wo du stehst“ – dieser Wahlspruch des schwedischen Historikers Sven Lindqvist aus den 80er-Jahren hat immer noch seine Berechtigung. Der Rieder Autor Wolfgang Marschall kann als legitimer Nachfolger gelten. Denn er hat 20 Jahrgänge der Rieder Volkszeitung – liebevoll, aber auch ein wenig despektierlich meist „Riada Ratschn“ genannt – durchgeackert und über seine Funde Betrachtungen angestellt, die überraschende neue Sichtweisen eröffnen. In den 50er und 60er Jahren hat man sich beispielsweise noch gefreut, dass Abgase die Luft wärmer machen, man hätte auch gern ein Kernkraftwerk im Innviertel gehabt und war überzeugt, dass die „dumme“ Frau größere Heiratschancen hat.

Das Dorf wusste alles
Anonymität wurde freilich im „Hinterwald“ nicht gerade groß geschrieben. Die Dorfgemeinschaft wusste alles über den Einzelnen – und, wenn er Pech hatte, so stand’s auch noch schwarz auf weiß in der „Ratschn“.

Jeder gab seinen Senf dazu
„Kommuniziert und kommentiert wurde alles: Führerscheinentzug wegen Alkoholisierung, die Verderbnis der Sexfilme, die Segnungen von DDT und Antibiotika für die Landwirtschaft, der Einfluss des ,Amerikanischen‘ auf die bäuerliche Lebenshaltung oder die Rolle der Frau in Haus und Gesellschaft“, sagt Marschall, der für seinen Streifzug durch zwei Jahrzehnte Lokaljournalismus den Titel „Eine Luftmatratze muss her! Dorfwirtschaftswunder 1950“ gewählt hat.

Kuriose Inserate
Gewürzt wurden die Berichte durch Inserate, die den Einzug der Modernität im Innviertel illustrierten, etwa Plastiktasche, Glutamat-Instantsuppe, Bikini oder Toast Hawaii.

Retro ist wieder „in“
Und Wolfgang Marschall meint mit Augenzwinkern: „Nichts ist so aktuell wie eine vorvorgestrige Zeitung.“

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Samstag, 19. Juni 2021
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