24.10.2020 14:53 |

„Kaum abzuarbeiten“

Contact Tracing sorgt landesweit für Wirbel

Die Nachverfolgung der Kontakte von Coronavirus-Fällen in Österreich wird zunehmend schwieriger. Während die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) die Einschränkung des Contact Tracings als keine Option sieht, spitzt sich die Lage in den westlichen Bundesländern immer mehr zu. Durch die stark steigenden Infektionszahlen sei die Rückverfolgung oft „kaum abzuarbeiten“. Entspannter scheint die Lage im Osten des Landes.

Mit einer alarmierenden Nachricht ließ am Freitag die Vorarlberger Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher (ÖVP) aufhorchen. Durch die Entwicklung der Zahl der Neuinfektionen sei man an seine Kapazitätsgrenze gelangt, weshalb man die Kontaktnachverfolgung nicht mehr in vollem Umfang aufrechterhalten könne. Man konzentriere sich daher nun vorrangig auf Hochrisikogruppen, erklärte Rüscher.

Das Vorhaben sei jedenfalls „keine Kapitulation“, so die Landesrätin am Samstag. Das Infektionsteam sei prinzipiell gut aufgestellt, vielmehr stelle man derzeit um, damit man im Umgang mit Kontaktpersonen der Kategorie eins noch schneller werde.

Tirol verkürzt Amtsgeschäfte
Auch die Tiroler Behörden sehen sich am Rande der Kapazitätsgrenzen. So werden sich die Bezirkshauptmannschaften ab kommender Woche nachmittags ganz auf die Bekämpfung der Pandemie konzentrieren - Bürgeranliegen, die nichts mit dem Coronavirus zu tun haben, sollen auf den Vormittag beschränkt bleiben.

Salzburg stößt an Grenzen
Der Sprecher des Landes Salzburg, Franz Wieser, warnt gar vor einer „Katastrophe“. „Die Situation ist sehr angespannt“, fasst Wieser zusammen. Als besonders problematisch gelte hier die Nachverfolgung von Infektionen in den Schulen. In den nächsten zwei Wochen sollen daher 60 Mitarbeiter der Salzburger Landesregierung die Behörden unterstützen.

Mehr Personal in der Steiermark
Etwaige Kapazitätsengpässe könne man mit zusätzlichem Personal abfedern, erklärt die steirische Landesamtsdirektorin Brigitte Scherz-Schaar. Die steigenden Infektionszahlen seien natürlich eine Herausforderung, neben dem Land würde derzeit aber auch die Stadt Graz Mitarbeiter aufstocken.

Weniger Probleme im Osten
Das Contact Tracing sei zwar eine Herausforderung, durch Unterstützung des Bundesheeres und zusätzlich angeforderter Mitarbeiter aber zu bewältigen, erklärt die niederösterreichische Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ). Die Methode sei jedenfalls ein wichtiges Instrument zur Pandemie-Bekämpfung. Ähnlich sieht man das im Burgenland - eine mögliche Einschränkung sei kein Thema, teilte der zuständige Koordinationsstab mit.

Reduktion in Wien „kein Thema“
In Wien mussten die Behörden zuletzt rund 4000 Kontaktpersonen täglich nachverfolgen. Derzeit stünden fast 500 Mitarbeiter für das Contact Tracing zur Verfügung, weitere werden in Kürze folgen, hieß es von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ). Eine Reduktion der Nachverfolgung sei für Hacker jedenfalls „kein Thema“.

AGES sieht Einschränkung als keine Option
„Wer das Contact Tracing aufgibt, gibt auch die Kontrolle über die Epidemie auf“, meint AGES-Chefepidemiologin Daniela Schmid am Samstag. Als möglichen Lösungsweg müssten die Länder Personal aufstocken - vonseiten der AGES sei bereits vergangene Woche Personal angeboten worden, das auch in kürzester Zeit zur Verfügung stehen kann.

Schmid hob bereits nach der ersten Welle im Mai hervor, dass Clusteranalysen und Contact Tracing jene Tools wären, mit denen man die Pandemie in naher Zukunft am besten in den Griff bekommen könne. Beim Contact Tracing werden Fälle und Kontakte unter anderem mithilfe eines standardisierten Fragebogens telefonisch befragt, wann und welche Symptome sie entwickelt haben.

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