13.10.2020 15:26 |

Erinnert an Lynchmorde

An Strick Abgeführter klagt auf 1 Million Dollar

Ein Afroamerikaner, der im US-Bundesstaat Texas von zwei weißen berittenen Polizisten an einen Strick gebunden abgeführt worden war, hat jetzt die Stadt Galveston auf eine Entschädigung verklagt. Donald Neely fordert eine Million Dollar (umgerechnet 850.000 Euro). Ihrem Mandanten gehe es dabei „nicht nur um das Geld“, teilte Neelys Anwältin mit, sondern um das, was „falsch und richtig für alle Menschen“ sei.

Neely war im August 2019 in Galveston wegen des widerrechtlichen Betretens eines Grundstücks festgenommen worden. Ihm wurden Handschellen angelegt, an denen die Beamten dann das Seil anbrachten. Die auf Pferden sitzenden Beamten führten den 44-Jährigen anschließend durch das Stadtzentrum ab, wo mehrere Menschen den Vorfall fotografierten.

Im Internet verbreitete Aufnahmen des Vorfalls sorgten für große Empörung. Die Bilder weckten Erinnerungen an rassistische Gewalt in der US-Geschichte, etwa an das Anketten von Sklaven und Lynchmorde an Schwarzen. In der Klageschrift bezeichnete Neely seine Behandlung als „extrem und ungeheuerlich“. Für ihn habe es sich so angefühlt, als werde er vorgeführt wie einst die Sklaven.

Polizeichef: „Unnötige Scham“
Zum Zeitpunkt des Vorfalls war Neely, der an mentalen Problemen leidet, obdachlos. Der Polizeichef von Galveston, Vernon Hale, entschuldigte sich damals für das Vorgehen der Beamten. Diese hätten „schlechtes Urteilsvermögen“ an den Tag gelegt und Neely „unnötige Scham“ zugefügt. Gleichwohl betonte der Polizeichef, bei der Methode handle es sich um eine „trainierte Technik“, die in bestimmten Fällen die „beste Vorgehensweise“ sei.

Die Debatte um exzessive Polizeigewalt gegen Schwarze hat in den vergangenen Monaten in den USA stark zugenommen. Seit dem Tod des Afroamerikaners George Floyd Ende Mai bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis im Bundesstaat Minnesota finden immer wieder Proteste statt, die manchmal auch in Gewalt münden. Das Thema spielt auch im Wahlkampf für die Präsidentenwahl am 3. November eine große Rolle, bei der Amtsinhaber Donald Trump gegen den Demokraten Joe Biden antritt.

 krone.at
krone.at
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).