28.09.2020 09:14 |

Schule geschlossen

D: 900 Menschen nach Privatfeier nun in Quarantäne

Nach einer Familienfeier in der deutschen Stadt Bielefeld sind Dutzende Personen positiv auf das Coronavirus getestet worden. Die Folgen sind aber noch weitaus dramatischer: Da wegen der Feier an mehreren Schulen Maßnahmen zur Eindämmung ergriffen werden mussten, befinden sich derzeit knapp 900 Schüler und Lehrer in Quarantäne. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, rechnet - unabhängig von dem Vorfall - mit einer Verschlechterung der Lage an Schulen.

Wie die „Bild“-Zeitung am Sonntag berichtete, liegt die Gesamtzahl der bekannten Infektionen im Zusammenhang mit der Feier derzeit bei 36. Laut WDR seien aber noch immer nicht alle Gäste der Feier identifiziert. Die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes arbeiteten derzeit mit Hochdruck an der Kontaktnachverfolgung.

Eine Schule bereits geschlossen
Eine Grundschule in Bielefeld bleibt vorerst einmal bis Dienstag geschlossen, an anderen Schulen der Stadt sind betroffene Klassen in Quarantäne. Im Laufe der Woche sollen die knapp 900 Schüler und Lehrer auf das Coronavirus getestet werden. Über das weitere Vorgehen will die Stadt Anfang kommender Woche informieren.

Zahl der positiv Getesteten könnte noch steigen
Nach Angaben einer Sprecherin der Stadt hatte es sich um eine Geburtstagsfeier in privaten Räumlichkeiten gehandelt. Sie habe in der Kalenderwoche 38 (14. bis 20. September) stattgefunden. Da die Nachverfolgung noch laufe, könne die Zahl der positiv Getesteten noch weiter steigen. Laut „Westfalen Blatt“ habe die Feier morgens begonnen und bis zum Abend gedauert. Zu Gast seien wechselnde Gäste gewesen, es habe ein reges Kommen und Gehen gegeben. Daher ließe sich die Gesamtzahl nur schwer ermitteln.

Lehrerverband besorgt
Unabhängig von dem Vorfall in Bielefeld rechnet der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, mit einer Verschlechterung der Lage an den Schulen. Derzeit sind rund 50.000 Schüler in Quarantäne, wie die „Bild“-Zeitung schrieb. Diese Zahl werde sich „in den nächsten drei Monaten noch mehr als verdoppeln, wahrscheinlich sogar vervielfachen“, sagte Meidinger. In der Folge dürfte es „immer schwieriger werden, Infektionsausbrüche zu kontrollieren und einzudämmen“, sagte er. Inzwischen steige auch die Zahl der Fälle, bei denen eine Ansteckung innerhalb der Schule als wahrscheinlich gelten könne.

Privatfeiern: Rufe nach Obergrenze werden laut
Am Dienstag beraten erneut die Ministerpräsidenten der Länder mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) über das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie. Die Landkreise fordern dabei eine bundesweite Obergrenze für die Teilnehmerzahl von Privatfeiern. 

Acht positive Fälle in HTL Pinkafeld
Auch in Österreich befinden sich derzeit zahlreiche Schüler und Lehrer wegen Coronavirus in Quarantäne. Alleine in Niederösterreich sind es derzeit über 100. In der Europamittelschule in Strasshof wurden gleich fünf Klassen behördlich gesperrt. Erst am Sonntag wurden acht Fälle an der HTL Pinkafeld bekannt. Alle Schüler besuchen dieselbe Klasse. Bereits beim Auftreten des ersten Infektionsfalles seien laut Angaben des Koordinationsstabes Coronavirus des Landes Burgenland sämtliche Kontaktpersonen der Kategorie 1 seitens der Behörden unter häusliche Quarantäne gestellt und Proben genommen worden.

Wiener Pflichtschullehrer und -direktoren schlagen Alarm
Einen Aufschrei gibt es unterdessen bei den Wiener Pflichtschullehrer und -direktoren. Sie fühlen sich bei der Bewältigung der Corona-Krise an den Schulen von den Behörden alleine gelassen. Die Gesundheits- und die Bildungsbehörden seien entweder nicht erreichbar oder würden keine wirkliche Hilfe bieten, wie der oberste Wiener Pflichtschullehrer-Personalvertreter Thomas Krebs (FCG) gegenüber der „Krone“ bereits Anfang der Woche beklagt hatte. Die Situation sei für die 14.000 Lehrer und 470 Direktoren „kaum mehr zu bewältigen“, warnte Krebs am vergangenen Freitag. In einem offenen Brief forderte er „dringende Hilfe“.

Mobile Teams sollen Wiener Schüler sofort testen
Mithilfe der mobilen Teams, die das Bildungsministerium zur Verfügung stellt, soll es möglich sein, bis zu rund 300 Personen pro Tag testen zu können, erklärte Minister Heinz Faßmann (ÖVP) in der Vorwoche. Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) kündigte zudem 600.000 Gurgeltestkits für Schulen zur selbstständigen Probeentnahme an.

Franz Hollauf
Franz Hollauf
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